Alle Fäden beisammen
Die Stärke der Biographie liegt darin, dass Sander die Fäden alle beisammen hat: Er hat einen Überblick nicht nur über Davis' Plattenveröffentlichungen, was bei dem musikalischen Personalkarussell des Jazz immer schon schwer genug ist, er hat auch einen Überblick, wann Davis mit wem zusammengespielt hat, was noch viel schwerer ist. Und er hat, das ist unendlich wichtig, die kulturellen Fäden in der Hand: Davis und seine Musik hatten einen weitreichenden Einfluss nicht nur im Jazz, nicht einmal nur in der Gleichberechtigungsbewegung der Afroamerikaner, sondern sie waren auch die Musik der Wahl der Beat Generation und ihrem transatlantischen Pendant, der Pariser Existentialistenclique.
Und so erscheint Miles Davis in Sanders Biographie als glitzernde Figur, die mehr als 50 Jahre mit im Zentrum des Jazz und der ganzen Kultur drumrum stand, und sternförmig kleinere und größere musikalische Revolutionen ausstrahlte, als sein eigenes unendlich faszinierendes Monument: Miles Davis verstehen heißt einen wichtigen Teil der Kultur des 20. Jahrhunderts verstehen. Das kann man auch mit objektiveren Maßstäben als denen Sanders ohne Übertreibung sagen.
Ach ja, kurze Erinnerung an diese Bilder vom Anfang: New York, Paris, Taxi, Neonlicht, Anzüge: Es gibt einen Grund, warum sie so gut zu Miles Davis passen: Das hat er auch erfunden.

