Konservative Skandale
Doch was bei Herogasm trotz aller derben Zoten und Ausschweifungen in Wort und Bild zu kurz kommt, ist - natürlich abgesehen von der Güte der Erzählung - das wirklich Skandalöse. Sicher, vielerorts wird der Comic bestimmt als so etwas wie der Gipfel des Obszönen betrachtet werden. Und Ennis, dem es offensichtlich ein Anliegen ist, immer wieder etwas besonders Krasses zu kreieren (auch seine Serien Chronicles of Wormwood und Preacher sind alles andere als Kinder von Traurigkeit), übertrifft sich dabei auch regelmäßig selbst. Man muss allerdings sagen, das hier auf sehr konservative Weise über die Stränge geschlagen wird. Um das Anstößige an Sex und Drogen auf die Spitze zu treiben hat Ennis kaum Ideen, die über ein Mehr an Sex und an Drogen hinausgehen. Die gebotene Übersättigung schockiert im Grunde kaum bis gar nicht.
Sicher, es kommt natürlich darauf an, aus welchem Holz man geschnitzt ist, ob es einen in schallendes Gelächter ausbrechen lässt, wenn ein Superheld eine Frau von hinten penetriert und dabei einer anderen, die ihm währenddessen die Eier und/oder das Rektum leckt, ins Gesicht furzt. Oder ob man den Umstand, dass die afroamerikanischen Superhelden ihre Kameraden mit Drogen versorgen und statt Crack getrocknete Föten rauchen, eventuell als Sozialkritik betrachtet. Wenn man die in Herogasm betriebene Genre-Demontage jedoch konsequent zu Ende geführt hätte, würden die Exzesse wesentlich abgründiger ausfallen. Effekthascherei ersetzt nun mal keine tatsächlichen Tabubrüche. Und Frauenverachtung in der Verballhornung eines von Machismo durchsetzten Genres? Da hat sich aber mal einer was getraut ...
So obsiegt also am Ende der fade Beigeschmack des Pubertären. Diesbezüglich passt es natürlich auch, dass die Darstellungen im Comic zwar immer eindeutig, aber niemals explizit sind. Bei aller Sauerei ist Herogasm eben letztendlich ein fast schon braver Comic. Aber auf dem Ministrantenausflug ist der Comic bestimmt der Hit.