Nur wenige deutsche Gegenwartskünstler werden mit dem Titel „Malerfürst“ bezeichnet – neben Georg Baselitz und dem verstorbenen Jörg Immendorff wird regelmäßig auch Markus Lüpertz mit diesem Prädikat bedacht; schon heute zählen die Werke dieser postmodernen Trias zum klassischen Kanon der Bildenden Kunst. Dabei ist der 1941 in Liberec in der heutigen Tschechischen Republik geborene Lüpertz weit mehr als nur Maler; man könnte ihn ebenso gut „Grafikerfürst“ oder „Bildhauerfürst“ nennen. Die Vielfältigkeit seines Schaffens zu zeigen, hat sich deshalb auch die aktuelle Regensburger Ausstellung vorgenommen, die einige Werkreihen des Künstlers vom Entwurfsstadium bis hin zur endgültigen Skulptur präsentiert.
Des Themas Metamorphosen der Weltgeschichte hatte sich bereits vor einigen Monaten die Lüpertz-Schau in der Wiener Albertina angenommen. In Regensburg nun wird Daphne ganz ins Zentrum gerückt: Wie kaum ein anderer Gegenwartskünstler setzt Lüpertz sich mit Themen der antiken Literatur auseinander. In den letzten beiden Jahrzehnten hat Lüpertz immer wieder in den unterschiedlichsten Medien (Aquarell- und Gouachezeichnungen sowie Bronzeskulpturen) den Mythos um Daphne und Apoll behandelt, den der römische Dichter Ovid im 1. Buch seiner Metamorphosen erzählt: Apoll, von einem Pfeil des Liebesgottes Eros getroffen, verliebt sich unsterblich in die jungfräuliche Nymphe Daphne. Sie flieht vor dem liebeskranken Apoll zu ihrem Vater, dem Flussgott Peneios, den sie bittet, ihre Gestalt zu verwandeln, um den Nachstellungen Apolls zu entkommen – Daphne erstarrt daraufhin zu einem Lorbeerbaum, der Apoll fortan heilig ist.
Der Geschichte entsprechend werden in den Ausstellungsräumen des Kunstforums die beiden mythischen Gestalten einander gegenübergestellt: Bereits 1989 entstanden die ersten Modelle und Plastiken zum Thema Apoll, in den Jahren 2002/2003 folgte eine intensive Auseinandersetzung mit dem Gegenpart, Daphne. Einer der drei Abgüsse der 2003 entstandenen, überlebensgroßen Bronzeplastik bildet schließlich auch das eigentliche Zentrum der Ausstellung, flankiert von neun Bozzetti und elf Studien in Aquarell und Ölkreide. Die einzelnen Entwurfsstadien auf dem Weg zur Vollendung des Werkes demonstrieren dabei auf eindrucksvolle Weise das Ringen des Künstlers mit Farbe und Form, die endgültige Version der Daphne schließlich überrascht durch ihre zurückhaltende Farbigkeit und die Rückkehr zur klaren Form im Vergleich zu den neun kleinformatigen Bronzeentwürfen; am Ende präsentiert sich die Nymphe als Siegerin über ihren Verfolger, das Spielbein der monumentalen Plastik ruht auf dem Kopf des Unterlegenen.