Der Autor stellt sich damit einem Problem, dem noch immer viel zu viele ausweichen. Bühl geht sein Thema von zwei Seiten an. Einerseits diskutiert er die verschiedenen Problemkomplexe wie die Sarrazin-Debatte, Feminismus versus Islam, den Streit um Kopftücher und Moscheebauten und den Rückfall der evangelischen Kirche in missionarische Argumentationsweisen (z.B. die Handreichung der EKD zum Umgang mit Muslimen 2006). Andererseits befasst er sich eingehend mit einigen der Akteure der permanenten Islamschelte wie Necla Kelek, Seyran Ates, Ralph Giordano, Hans-Peter Raddatz und der Aktion 3. Welt Saar - sorgfältig ausgewählte Beispiele für verschiedene Facetten des Diskurses.
Besonders wertvoll jedoch ist seine Beschäftigung mit den Islam-Stereotypen der Medien einschließlich des Internets. Während letzteres ja nicht nur gegenüber Muslimen ausgesprochen rassistische und menschenfeindliche Hass-Blogs bietet (z.B. Politically Incorrect), erscheint die muslimische Welt in Zeitung und Fernsehen allzu oft als Ort des Grauens, gewalttätiger Unruhen und der Angst. Ein Alltagsleben mit normalen Leiden und Freuden scheint es dort überhaupt nicht zu geben. Allen gemeinsam, anscheinend seriösen ›Islamkennern‹ wie selbsternannten Volkstribunen, ist etwas, dessen Nachweis den Kern von Bühls Buch bildet: die vollkommen undifferenzierte Sicht auf Islam und Muslime als einen seit 1400 Jahren unveränderten, monolithischen Block, der unabänderlich durch Gewalt, Unterdrückung, Expansion und Terror gekennzeichnet ist und dessen Abwehr durch Polizei und Militär dringend geboten erscheint.
Migranten aus dem Nahen Osten (die sich ja nicht einmal durchweg als Muslime definieren) sehen sich damit einem Generalverdacht ausgesetzt. Strukturell befinden sie sich in einer ähnlichen Lage wie Juden gegenüber dem klassischen Antisemitismus, denn was sie tun, was sie sagen und was sie unterlassen, wird gegen sie verwendet.