Der Asiat klopft an die Tür - so beginnt eine neue Weltordnung mit einer Vorherrschaft des Ostens. Sie wird jene ablösen, die sich seit 500 Jahren durch den weißen Mann manifestiert hat, also vom Westen - Europa und den USA, denn im Zeichen der Globalisierung steht eine Verlagerung und Veränderung der Machtstrukturen bevor, die Welt ist im Wandel.
Scholl-Latour beleuchtet Geschichte und Geschehnisse einiger jenseits des 60. Längengrad gelegener Länder, die er zwischen 2006 und 2009 bereiste. Er trifft alte Weggefährten aus seiner Korrespondentenzeit bei ARD und ZDF und sieht inmitten der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen, dass sich der globale Umbruch schneller vollzogen hat als ihm lieb ist. Denn nach dem Motto des britischen Schriftstellers Evelyn Waugh: »When the going was good«, den Scholl-Latour zitiert, drückt er sich selbst gerne so aus: »Ich fühle mich in eine längst verflossene Kolonialepoche zurückversetzt, die ich in überwiegend positiver Erinnerung behalten habe … ich verspüre einen Hauch von Nostalgie.« Das spüren wir ebenfalls, denn die Zeit vergeht nicht von selbst, sie vergeht durch Ereignisse, und darüber spricht Scholl-Latour in einem Wechsel zwischen damals und heute, und manchmal plaudert er beinahe salopp, ist wieder ganz Auslandskorrespondent und lässt offen, ob früher alles besser war.
Zum Beispiel der Jahrzehnte dauernde unsinnige Konflikt auf Timor-Leste, ein winziges zweigeteiltes Eiland, das jetzt nur noch halb zu Indonesien gehört, die andere Hälfte hat sich mit Ost-Timor selbstständig gemacht - und die Unabhängigkeit teuer erkauft. Indonesien, das sind 1500 Inseln, 240 Millionen Einwohner, und mit 220 Millionen Muslimen der zahlenstärkste Staat der islamischen Umma. Hier gilt der weiße Mann weniger als ein verlorener Tiroler-Hut.
Zum Beispiel China: Jahrtausende lang Kaiserreich, nun sozialistische Volksrepublik. Abgesehen vom Opiumkrieg 1839 und dem Boxeraufstand 1900, verloren sich die westlichen Mächte im Bestreben dieses Land zu okkupieren und missionieren, denn China schottete sich wiederholt ab, und verfügt heute über die weltweit größten Devisenreserven und hält sein Wirtschaftswachstum künstlich klein.
In Neuseeland, wo sein Sohn lebt, findet der Scholl-Latour den historischen und alltäglichen Umgang zwischen Maoris und Kiwis sowie anderen Immigranten dieses ethnischen Sammelbeckens, für ganz akzeptabel und meint: »Das moderne Neuseeland präsentiert sich nun einmal als sehr pragmatischer Außenposten europäischer Lebensart«. Dazu skizziert er die Kolonialisierungsversuche der Deutschen Ende des 19. Jahrhunderts im Pazifik, die nach dem Ersten Weltkrieg ihren unrühmlichen Abschluss fanden.