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Freitag, 25. Mai 2012 | 23:04

Duncan Fegredo / Dave Stewart / Mike Mignola: Hellboy: Die Wilde Jagd

27.01.2011

Endspiel

Der Wind des Krieges weht durch das Hellboy-Universum. Die Mächte der Zerstörung rüsten zum letzten Gefecht. Zeit für den Höllenfürsten wider Willen sich zu entscheiden und seinen Platz auf dem Schlachtfeld einzunehmen. PETER KLEMENT begleitet den allzu menschlichen Dämon durch Die Wilde Jagd.

 

Die Wilde Jagd ist ein wilder Ritt durch Märchen, Mythen und Sagen, der durch Texte von Mike Mignola, Zeichnungen von Duncan Fegredo und Kolorierungen von Dave Stewart glaubhaft wird und bis zur letzten Seite an die Graphic Novel fesselt.

 

Ontogenese eines Prügelprinzen

Aus dem Naziverprügler mit der überdimensionierten Faust, der für die »B.U.A.P.« die Welt von allerlei paranormalem Kroppzeug befreite und nie um einen lockeren Spruch verlegen war, ist im Verlauf der letzten Bände (Hellboy-Band 7: Seltsame Orte und folgende) ein nachdenklicher und stiller Held geworden, der sich im ständigen Kampf mit seiner dämonischen Natur befindet. Seine Welt, die er zuvor bequem in Schwarz und Weiß einteilen konnte, verschwimmt zusehendes in Grauschattierungen: Verbündete entpuppen sich als Feinde und umgekehrt, kein einfaches Pflaster für den Hau-drauf-Helden.

 

Der gewandelte Hellboy steht am Scheideweg zwischen seiner Bestimmung als Weltenzerstörer und seiner selbst gewählten Rolle als Verteidiger gegen die Mächte des Bösen, hinter denen sich meist die uralten Ogdru Jahad verbergen. Die undurchsichtigen Repräsentanten der Ordnung sind dagegen die Mitglieder der Wilden Jagd, die Hellboy als Mitstreiter für sich gewinnen wollen. Diesen adeligen Reitern steht wiederum das Reich der Fabelwesen als Widersacher entgegen. Riesen und andere mythologische Kreaturen, die zuvor im Untergrund ein Schattendasein führten, erheben sich gegen die lästigen Menschen, die sie von ihrem angestammten Land verdrängt haben.

 

Moderne Mythen

Mike Mignola hat ein unglaubliches Talent für die Verknüpfung verschiedener Mythen und ihre Übertragung in die Gegenwart. Unter seiner Feder entsteht ein modernes, aber dennoch magisch verklärtes Universum, in dem die Wilde Jagd anstatt von einer Sagenfigur auf schwarzem Ross genauso gut von Winston Churchill in einer schwarzen Spitfire angeführt werden kann. Wie in B.U.A.P. werden zahlreiche Hinweise durch Figuren und Fußnoten gestreut, für den Fall, dass man in Sachen Sagen und Mythen etwas eingerostet ist. Die internen Verweise, falls der Plot auf einen vorherigen Band anspielt, sind ebenso vorhanden. Mit einem bisschen Querlesen ist man so schnell wieder auf dem Laufenden.

 

Mignolas Hellboy ist ein aktualisierter Mythos. Er raucht, säuft, flucht und mag große Kanonen, ist aber dennoch ein klassischer Held, der seine Schicksalsprüfung bestehen muss: Aus dem ungehobelten Raufbold muss ein verantwortungsbewusster Streiter werden – wie in vielen Artusepen, in denen es letztlich um das Lernen von ritterlichen Tugenden geht. Diese Entwicklung vom »tumben Tor« zum ritterlichen Anführer wird in Die Wilde Jagd hervorragend geschildert.

 

Klein, fein, fulminant

Im Vergleich zu dem amerikanischen Original, das in A4 vorliegt, hat der Cross Cult Verlag das deutlich kleinere Format A5 gewählt und dem Band ein Hardcover spendiert, was die Graphic Novel nicht nur im Regal besser aussehen lässt, sondern das Artwork durch die feineren – weil kleineren – Linien deutlich aufwertet. Außerdem liegt das kompakte Format gut in der Hand.

 

Man sollte sich bewusst sein, dass Hellboy und B.U.A.P. chronologisch gelesen werden müssen. Unter dieser Voraussetzung findet sich im zehnten Band aber alles, was das Leserherz erfreut: eine dichter, spannender Plot, der Lust auf die Fortsetzung macht, und ein hervorragendes Artwork, dass die Story detail- und einfallsreich in Szene setzt.

 

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