Ein Comic mit ordentlich Fleisch auf den Knochen
Insgesamt sträuben sich einem bei der Lektüre von Haarmann des öfteren die Nackenhaare. Diese Wirkung verdankt der Comic zuallererst Isabell Kreitz´ hervorragenden Bleistiftzeichnungen, die das Hannover der 1920er und seine Bewohner fast schon fotorealistisch einfangen, wodurch eine Nähe zum Geschilderten entsteht, die den Leser beinahe zum Zeugen der Verbrechen macht. Die textliche Inszenierung des Bandes in Mundart ist, was Eindringlichkeit und Glaubwürdigkeit betrifft, ebenfalls seinen Machern hoch anzurechnen. Und dass sich der Comic auf die Interaktionen Haarmanns außerhalb seiner kleinen Wohnung, die wieder und wieder zum Tatort wird, konzentriert, und entsprechend nicht das Darstellen von Gewaltakten ein Thema ist, ist außerdem positiv hervorzuheben. Es braucht eben kein zur Schau gestelltes Blutvergießen, um das Grauen einzufangen.
Die von Peer Meter als Bonusmaterial zusammengetragenen und im Anhang präsentierten Fakten zu Fritz Haarmann, inklusive einiger zeitgenössischer Fotos, runden das geglückte Stück Kriminallektüre noch zusätzlich ab. Somit hält man als Leser alles in allem einen handwerklich tadellosen Comic in den Händen, der zu fesseln vermag, obwohl einem die Geschichte bereits im Vorfeld bekannt ist – auch, wenn Haarmann nicht die Intensität von Der Totmacher entfaltet oder nicht mit der literarischen Wucht von Alan Moores´ und Eddie Campbells´ Comic From Hell, der sich Jack the Ripper widmet, aufwarten kann.
