Istanbul singt, hupt, brüllt
Alexandra Klobouk hat einen ausgesprochenen Blick für komische Situationen: Sitten und Gebräuche, Redensarten, Verständigungsschwierigkeiten, türkische Küche (bekanntlich die beste der Welt), wie man türkischen Kaffee braut (und was man in seinem Satz liest), Atatürk für jede Gelegenheit, die türkische Familie, der chaotische Verkehr und vieles andere mehr. Aber Istanbul ist kein Kuriositätenkabinett. Klobouks scharfer und zugleich liebevoller Blick zeigt den Alltag und auch seine weniger schönen Seiten: die Gefahr von (echten) Bombenanschlägen (von welcher Seite auch immer), die allgegenwärtige Polizei, die bittere Armut vieler Einwohner, die unergründlichen Tücken einer allmächtigen Bürokratie und die Not vieler junger Leute zwischen Elternhaus, Arbeitslosigkeit und Militärdienst.
Man weiß nicht, was man mehr bewundern möchte, die feinen, aber ebenso ironischen und hintergründigen Bilder oder den frechen und dennoch liebevollen Text (in Deutsch und Türkisch). Klobouk kann aber noch mehr. Als Grafikerin ist sie ein Augenmensch, aber sie bringt die Metropole auch zum Klingen. Ihr Istanbul singt, ruft seine Waren aus, redet durcheinander, hupt und brüllt und ist manchmal so laut, dass man sich die Ohren zuhalten möchte. Aber merke: wer lebt, muss sich bemerkbar machen. Einzige Irritation: das unangenehme »Türkendeutsch« des Titels.

