Mittendrin, statt nur dabei
In meinen Augen macht den Leser selbst zur zweiten Hauptperson der erzählten Handlung. Vivès gelingt dieses Kunststück, indem er die Geschichte so inszeniert, dass man in direktem Augenkontakt und im persönlichen Zwiegespräch mit der weiblichen Hauptrolle der Erzählung steht. Und das ist vollkommen wörtlich zu verstehen – die Geschichte hat keine herkömmliche Erzählerfigur, sie spielt sich, nomen est omen, praktisch »live« vor den Augen des Lesers ab.
Dieses Experiment wird von Vivés konsequent durchexerziert – erklärende Worte gibt es keine, nur eine Dialogstruktur. Oder zumindest, um genau zu sein, die Hälfte davon, nämlich die Worte der jungen Frau. Damit die Gespräche – und somit die gesamte Geschichte – zur Entfaltung kommt, ist man eben nicht nur als Leser, sondern viel mehr als Teilnehmer und Handlungsträger gefordert. Mit In meinen Augen nötigt Vivés einem ein Verliebtsein auf! Das darf man ruhig unglaublich finden.