Nichts Greifbares
Die Idee ist, wie schon gesagt, nicht wirklich übel, aber ihre Ausführung wirkt ein wenig lustlos. Es gibt zwar keine himmelschreienden Löcher in der Handlung, dennoch mangelt es an Kohärenz, typische Westernszenen reihen sich aneinander: Ein Kavalleriegefecht, der obligatorische Überfall einer Gangsterbande auf ein Dorf, eine Büffeljagd. Der Plot plätschert von einem Ereignis zum nächsten, ohne dass man hinterher sagen könnte, wie das eine jetzt zum anderen geführt hat: Dinge passieren halt, könnte man es zusammenfassen.
Auch die Figuren sind an sich mehr oder wenig schlüssig, jedoch weit davon entfernt, zu überzeugen oder gar interessant zu sein. Keine von ihnen lädt zur Identifikation ein. Zu holzschnittartig sind sie ausgeführt. Man hat sie alle schon mal gesehen und meistens auch schon mal besser: den rebellischen Jugendlichen, den griesgrämigen Ganoven mit dem Herzen aus Gold und den Sonderling à la Roy Bean, in diesem Fall den Theaterdirektor, aus dem man nicht so richtig schlau wird.
Das Artwork, ebenfalls von Christian Rossi, ist solide, erinnert ein bisschen an Jean Giraud und Leutnant Blueberry, hat aber nicht den Ehrgeiz, dessen Experimente mit Paneldesigns und neuen Erzählformen nachzuvollziehen. Vom Entwickeln eines eigenen Stils wie später in den Reihen W.E.S.T. und Jim Cutlass ist Rossi noch weit entfernt. So bleibt eine ziemlich leere Leseerfahrung, der die markanten Momente abgehen, die eine gute Geschichte braucht. Der Planwagen des Thespis ist ein Comic, den man schon vergessen hat, während man ihn noch aus der Hand legt. Western-Enthusiasten sollten lieber zum zwanzigsten Mal zu einem abgegriffenen Leutnant Blueberry- oder Lucky Luke-Album greifen, das man schon auswendig kennt. Man hat einfach mehr davon.

