Green Fields of France
Die ersten Seiten des Comics kommen noch recht bunt daher – schließlich ist man zu Beginn des Krieges noch euphorisch und die blitzsauberen Uniformen zeigen keine Verschleißerscheinungen. Aber je länger der Krieg andauert, desto mehr verblassen auch die Farben. Die in den Anfangstagen des Krieges noch grünen Wiesen Frankreichs weichen schnell einer immer dichter werdenden Schicht aus Schutt und Asche, während sich auch die für Abgrenzung sorgenden Uniformen der „Erbfeinde“ im Morast der Gräben bald kaum noch unterscheiden lassen. Im dritten Kriegsjahr ist es schließlich nur noch Feuer und Blut, das die graue, von unzähligen Gefechten gezeichnete Landschaft einfärbt.
Die einzelnen Seiten des Comics sind – wie schon bei Grabenkrieg – zum allergrößten Teil durch drei untereinander angeordnete, die gesamte Breite beanspruchende Panels gestaltet. Dieser Panoramablick auf die zerstörten Kriegsschauplätze und die geschundenen Menschen ist insofern weise gewählt, als dadurch die Erzählerfigur nur selten in den Vordergrund des Bildes tritt, wodurch verdeutlicht wird, dass der Schützengraben keine Individuen kennt. Krieg entmenschlicht, der einzelne Soldat ist Kanonenfutter – auf beiden Seiten des Niemandslandes zwischen den Gräben. Die symmetrische Panelstruktur zeigt diesen tragischen Sachverhalt sehr deutlich, wenn sich auf zwei spiegelbildlich angeordneten Comicseiten deutsche und französische Frontkämpfer zunächst im Graben gegenüberstehen, dann auf beiden Seiten von der Artillerie Gebrauch gemacht wird und schließlich durch zwei blutgetränkte Bilder vorgeführt wird, worin der Zweck der abgefeuerten Geschosse besteht.
Mit der Hilfe von Verney hat Tardi sein Lieblingsthema abermals mit einem wunderbaren Comic bereichert. Wer Grabenkrieg und Soldat Verney kennt, muss mit sich selbst ausmachen, ob dieses weitere Stück ungeschminkter Weltkriegsdramatik einer Anschaffung wert ist – und wird dies im Wissen um die Qualität von Tardis Oeuvre wahrscheinlich bejahen. Der zweite Band, der den Zeitraum von 1917 bis 1919 abdeckt, ist übrigens auch schon erschienen.
