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Freitag, 25. Mai 2012 | 23:09

Pratt/Manara: El Gaucho

24.02.2011

Die Frau als Fremdkörper

Den Namen Milo Manara verbindet man mit erotischen Zeichnungen von freizügigen Frauen. Auch im fünften Band seiner Panini-Werkausgabe El Gaucho spielt der weibliche Körper wieder eine Rolle. Doch diesmal wirkt er eher wie ein Fremdkörper, findet DANIEL WÜLLNER.

 

Während der weibliche Körper in der ersten Zusammenarbeit von Milo Manara und Hugo Pratt, Ein indianischer Sommer, noch stellvertretend für das junge Amerika, das es zu erobern galt, und für die Spannungen zwischen den Kulturen stand, wirkt dieser Körper in El Gaucho wie unnützes Beiwerk. Eine Art Ballast, den Pratt und Manara an die britische Flotte gebunden haben, der dem Comic jedoch nicht mehr Tiefgang verleiht.

 

Männliche Machtphantasien

Wir schreiben das Jahr 1806. Die Briten versuchen Buenos Aires zu erobern, das von den Spaniern beherrscht wird. Für dieses Vorhaben schart sich vor der Küste der argentinischen Hafenstadt eine Flotte. An Bord die drei Protagonisten: der Trommler Tom Brown, der als Erzähler fungiert, der bucklige Seemann Matthew Falcon und das irische Mädchen Molly Malone. Während die Briten ihre Invasion planen, spielen sich an Bord Szene alltäglicher Gewalt ab: Seeleute schlagen sich, bösartige Kommandanten werden kurzerhand nachts über Bord geworfen. So präsent sind die Geschehnisse an Bord, dass für die Darstellung der Spanier und der argentinischen Ureinwohner nur wenig Platz bleibt.

 

Selbstverständlich sieht man stattdessen viele  Frauen in expliziten Posen. Während Manara ihre Sexualität in anderen Geschichten langsam in die Handlung einfließen lässt, gelingt diese Verbindung in El Gaucho nicht. So wechseln sich langatmige Monologe über den geplanten Angriff auf die Stadt mit pornografischen Szenen ab, ohne sich dabei wirklich zu verbinden.

 

Überdeterminiert ist die Protagonistin, die eben nicht nur das einfache irische Mädchen Molly Malone ist, sondern durch ihren Namen zur Personifizierung Irlands wird. Das gleichnamige Dubliner Volkslied macht sie zu jedem irischen Mädchen. Obgleich stark und selbstbewusst, bleibt Molly wie alle anderen Frauen im Comic nur passiv. Sie kann den Status des Subjekts nicht einnehmen und bleibt stets Objekt der männlichen Begierde.

 

Das Objekt der Begierde

Vergebens sucht man im Comic nach einem titelspendenden Gaucho. Obgleich die Rahmenhandlung, die sogenannte Ticonderoga, Menschen in der Steppe Argentiniens zeigt, dient diese Szene doch allein dem greisen Helden als Bühne, um von seiner Vergangenheit zu berichten. Eine Retrospektive, die zwar mit den Worten „Ich kann mich nicht mehr genau erinnern“ eingeleitet wird, dann aber en detail die Handlung sowohl erzählerisch wie auf grafisch wiedergibt. Von den komplexen Verstrickungen der Logen, die die Invasion planen, bis hin zur Darstellung der Takelage und des argentinischen Dschungels, den Manara nie selbst zu Gesicht bekommen hat. Manaras Zeichenstil widerspricht der von Pratt gewählten Erzählform.

 

Schleppend schwer wie die britische Flotte lesen sich die Dialoge. So kommt El Gaucho langsam in Fahrt, nur um immer wieder von Sexszenen unterbrochen zu werden. Bis auf eine drei Seiten überspannende Tanzszene geht Manara recht explizit zu Werke und scheut auch nicht davor zurück eine Vergewaltigung zu zeigen.

 

Handlung und Sexualität kreuzen sich in El Gaucho unentwegt, doch gelingt es Pratt und Manara nicht, beide Stränge zu vereinen. Sie zeigen keine Parallelen auf, die die Behandlung des weiblichen Körpers in der dargestellten Art und Weise rechtfertigen würde. So bleibt die Frau in El Gaucho leider nur pornografisches Beiwerk in einem mittelmäßgigen Comic.

 

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