»Wenn sich etwas auf sich selbst bezieht, ist das Paradox nicht weit.«
Obwohl Logicomix diese Gratwanderung immer wieder erstaunlich gut gelingt, wird hier nun eine dritte Erzählebene eingeflochten: Die Autoren und Zeichner machen sich und ihre inhaltlichen Debatten zum Teil der Geschichte. Wir werfen also auch einen Blick in das Zeichenstudio, in dem das Buch entsteht, das wir in der Hand halten, bekommen Absichtserklärungen, Selbstzweifel und Interpretationen der Autoren gleich mitgeliefert.
Obwohl diese Selbstreferenzialität in Comics (spätestens seit Art Spiegelmanns Maus) nicht die schlechteste Tradition hat, riecht so ein Mittel natürlich auch immer nach einer Notlösung und lässt erahnen, dass es den Machern nicht so ganz gelungen ist, das was sie vermitteln wollten, in der Geschichte selbst unterzubringen.
Natürlich ist es legitim, einen Computerexperten auftauchen zu lassen, der immer wieder auf die Bedeutung verweisen kann, die die Gedanken Russells und seiner Zeitgenossen sehr viel später für die Informatik haben sollten. Aber wenn der Comic-Autor selbst dem Leser immer wieder eins zu eins mitteilt, worum es in dieser Geschichte nun also gehen soll und worum nicht, fühlt man sich manchmal auch etwas zu sehr an der Hand genommen.
Dies sei dem ansonsten rundweg charmanten und informativen Comic aber gerade im Hinblick auf seine große Leistung verziehen. Natürlich kommt es hier auch sehr darauf an, welche Vorbildung der Leser in Sachen Logik mitbringt. So gelingt es dem Comic, jene Leser abzuholen, denen die Haltung des Wiener Kreises oder Gödels Beweis der Unvollständigkeit mathematischer Systeme nichts sagt.
Für Kenner der Materie bleibt eine optisch anspruchsvolle Biographie, die man an der einen oder anderen Stelle vielleicht als populärwissenschaftlich vereinfacht empfindet. Ich persönlich hätte mir etwas mehr von jenen Passagen gewünscht, in denen z.B. das Russell′sche Paradox (Enthält die Menge aller sich nicht selbst enthaltenden Mengen sich selbst?) anhand mehrerer Beispiele ausführlich erklärt anstatt nur erwähnt bzw. auf seine weltanschauliche Essenz reduziert wird.