Back to the roots
Nicht, dass dadurch das Lesevergnügen getrübt würde, im Gegenteil: Die durchaus einfallsreichen, gut geschriebenen und mit dem richtigen Maß von Brutalität und Düsternis versetzten Stories leben geradezu davon, dass der Titelheld am Ende nicht als strahlender Sieger da steht. Constantine ist eigentlich (nicht unähnlich seinem bis hin zum Kleidergeschmack mit identischen Lastern ausgestatteten Comic-Kollegen Inspektor Canardo) ein klassischer Film Noir-Held, nur dass seine Geschichten neben Verbrechen auch noch Magie, Monster und Untote enthalten.
Die Zeichnungen des bereits bewährten Leonardo Manco fügen sich bestens in den etablierten Stil der Serie ein, erinnern im besten Sinne an die Anfänge der Serie in den 80ern, manchmal aber auch an Steve Dillon (den Stammzeicher vom späteren Preacher-Autor Garth Ennis, der eine Weile lang wirklich neue Facetten der Figur Constantine ausgelotet hat) oder an einen sehr gebremsten Todd McFarlane.
Man fragt sich also einfach nur, warum so ein Gewese um den „Neuanfang“ der Figur gemacht werden muss, wenn man am Ende doch lediglich jenen Status Quo bedient, der vor einiger Zeit die große Qualität der Serie um den zynischen Magier ausgemacht hat. Die Stories, die in Spritztour abgeliefert werden, sind textlich und zeichnerisch solide bis richtig gute Arbeit und genau das, was man bekommen möchte, wenn Hellblazer draufsteht – egal, was John Constantine jetzt unter seinem Mantel anhat.
Ein wenig schade ist es allerdings auch, dass der ohnehin überlange Band mit einer weiteren Geschichte „abgerundet“ wird, die offensichtlich den Auftakt zu einem ganz neuen Zyklus um afrikanische Magier darstellt. Die Geschichte an sich ist zwar super, aber man hätte ruhig auch genug Vertrauen in die Qualitäten dieses Bandes haben können, um einen neuen Mehrteiler auch in einem neuen Band beginnen zu lassen, anstatt die Leser darüber hinaus noch mit einem Cliffhanger an sich zu binden. Wenn die Autoren und Zeichner so gute Arbeit abliefern wie in diesem Fall, sollten solche Sperenzchen eigentlich unnötig sein.
