Ein Klassiker unter der Lupe
Watchmen ist einer der großen Meilensteine der Comicgeschichte. Seine herausragende Bedeutung kann man z.B. daran ablesen, dass er als einziger Comic in die Liste der 100 besten englischsprachigen Romane des Time Magazine aufgenommen wurde. Und dass es bereits, man höre und staune, eine andere, zuerst in Deutschland erschienene, wissenschaftliche Arbeit zu Watchmen gibt, nämlich Neue Perspektiven auf die Superhelden. Polyphonie in Alan Moore's »Watchmen« von Karin Kukkonen.
Doch zurück zu Under the Hood. Backe untersucht in seiner Arbeit die intertextuellen Verweisstrukturen der bahnbrechenden Graphic Novel. Zunächst erklärt er in seiner Einleitung Alan Moores Geniestreich als der postmodernen Literatur zugehörig, bevor er in einer umfassenden Analyse die Konstruktionsprinzipien von Watchmen offenlegt. Auf diese Weise zeigt er auf, dass der Comic eine Fülle an unterschiedlichen Rezeptionsmöglichkeiten bereithält. Denn immerhin, so Backe, behandelt bzw. beinhaltet das Werk Sinnebenen, die über die eigentliche, vordergründige Handlung hinausgehen:
»Watchmen verbindet inhaltliche Verweissysteme mit komplexen formalen Verweissystemen, bei denen die Funktion jeder Sprechblase, jedes Panels und jedes Panelübergangs uneindeutig ist. Dass Watchmen sich als Comic relativ mühelos lesen lässt, liegt daran, dass es stets eine vordergründige Primärfunktion gibt. Dass Watchmen große Kunst ist, liegt daran, dass es fast nie bei dieser Primärfunktion bleibt.«