Banges Warten auf die Klinge
Von seinen Freunden erfährt er dann, was es heißt, beschnitten zu werden: Man schnippelt ihm die Haut vom Pimmel ab, vielleicht auch ein Stück vom Pimmel, so genau weiß das keiner mehr. Auf jeden Fall bedeutet eine Beschneidung, dass man – so wie Conan, der Barbar, das große Vorbild von Riad und seinen Freunden - »das Rad der Schmerzen ertragen muss«. Das schüchtert einen natürlich ganz schön ein. Nachdem ihm sein Vater aber als Belohnung einen Spielzeugroboter verspricht, stellt sich Riad der Herausforderung. Immerhin wird er dann, wenn er erst beschnitten ist, als richtiger Mann und aufrechter Syrer ernst genommen werden. Zumal der versprochene Spielzeugroboter so groß ist, dass er bestimmt Israelis umbringen kann – wozu sollte er denn sonst da sein?
Der in Paris geborene Riad Sattouf ist in Algerien, Libyen und Syrien aufgewachsen. Inzwischen lebt er wieder in Frankreich, wo er sich als Comic-Zeichner, Synchronsprecher und Regisseur verdingt. In Meine Beschneidung steht das titelgebende religiöse Ritual steht im Mittelpunkt, genauer: die bangen Wochen, in denen sich Riad um sein bestes Stück sorgt, da er überall nur auf Mauern des Schweigens stößt und keiner ihm sagen kann oder will, was sich hinter dem furchteinflößenden Wort genau verbirgt.
Diese Handlung dient Sattouf allerdings vor allem dazu, die traditionell streng patriarchalische Ordnung Syriens inklusive seines idealisierten Männerbildes sowie des institutionalisierten Antisemitismus zu kritisieren. Dabei verfährt er ziemlich schonungslos – der ungefilterte Blick des Jungen stellt die streng religiöse syrische Provinz als einen Ort bloß, an dem Härte und Grausamkeit sowie Unwissen und Doppelmoral bewusst aufrechterhalten werden.