Reaktionen in den USA
Der Gaza-Krieg und die internationalen Reaktionen darauf haben die US-Öffentlichkeit stark verunsichert. Trotz aller offizieller verbaler Hilfestellung für Israel ist nach zahlreichen Umfragen der bisherige nationale Pro-Israel-Konsens am Umkippen. Stärker noch hat die jüdische öffentliche Meinung in den USA durch Gaza gelitten, ganz besonders weil der UN-Berichterstatter Richard Goldstone nicht nur ein anerkannter internationaler Jurist und selbst Jude, sondern auch prominenter Zionist ist. Zu widerlegen war nicht viel und Beschimpfungen, die es dennoch hagelte (Präsident Peres: »ein unbedeutender Mann bar jeden Gerechtigkeitssinns«, S.150), führten offenbar zu nichts. (Erst nach Erscheinen von Finkelsteins Buch veröffentlichte Goldstone am 1. April 2011 in der Washington Post eine halbherzige Relativierung von Teilen seines Berichts.) Finkelstein konstatiert ein deutliches Abbröckeln der Sympathien für die israelische Politik bei US-Juden. Bedingungslose Befürworter finden sich fast nur noch in der älteren Generation. Ob dies künftig zu einer Änderung der US-Politik führen kann, bleibt abzuwarten, denn schließlich unterstützen die USA wie Europa Israel ganz gewiss nicht »den Juden zuliebe«, sondern aus massivem Eigeninteresse.
Der Band ist faktenreich und gut lesbar geschrieben, stellenweise sarkastisch (wie wohl kaum zu vermeiden) und hervorragend dokumentiert. Da die Zielgruppe des Buchs zuerst das jüdische Amerika war, arbeitete Finkelstein fast ausschließlich mit jüdischen und israelischen Quellen. Großes Lob gebührt dem Verlag dafür, dass er, wo das möglich war, auf deutsche Versionen von Belegdokumenten verweist. Großes Lob auch der Übersetzerin Maren Hackmann, die die Namen für deutsche Leser übertragen hat (also Schimon statt Shimon, Chalid statt Khalid).