Drei ungleiche Freundinnen
Der Comic lässt seinen Leser in knappen Kapiteln an einzelnen Etappen aus dem Leben der drei ungleichen Mädchen teilhaben. Man wohnt jeweils ihrer Geburt bei und verfolgt nach und nach ihr Älterwerden im Paris der Gegenwart. Lepage hat dafür ansprechende Bilder gefunden, die vor allem durch die gelungene, fein abgestufte Kolorierung punkten können. Kühlere Töne dominieren die Optik des Bandes, doch niemals das Geschehen; das Wechselspiel der Farben, in das bei Bedarf auch mal kräftigere Töne gestreut werden, weiß stets der Dramaturgie zu entsprechen.
Die Darstellung der Protagonisten ist dabei, gemäß dem Sujet, das den Alltag herkömmlicher Mädchen beschreibt, dem Realismus verpflichtet. Und die Panelstruktur gehorcht einem ziemlich strikten Muster, weswegen der Erzählfluss gleichmäßig und unaufgeregt bleibt. Die ganz wenigen Abweichungen, in denen die Struktur aufgehoben wird, zeigen dann z.B. Chloé beim Ballett, um das Energetische eines solchen Moments besser zu transportieren. Auch dass größere Panoramabilder neben die kleinen Panels montiert sind, ist eher die Ausnahme; so wird das Geschilderte, bei aller zwischenzeitlicher Turbulenz, mit angenehmer Ruhe vermittelt.
Der episodenhafte Aufbau, der jeweils kurze Einblicke in das Leben der drei Mädchen gewährt, sorgt natürlich dafür, dass sich die Geschichte an den üblichen Ups and Downs, die der Alltag von Kindern und Jugendlichen mit sich bringt, entlang hangelt. Die sich ständig ablösenden Momente von Freude und Trauer, von Erfolg und Hilflosigkeit werden von Lepage sensibel eingefangen, und es ist schön zu beobachten, wie die einzelnen Figuren nach und nach an Tiefe gewinnen. Auch mit sozialkritischen Untertönen, die über die Personen der Mädchen hinausweisen, wird nicht gespart. Doch leider holt einen bei der Lektüre schnell das Gefühl ein, dass bei Oh diese Mädchen! alles etwas zu typisch verläuft.