Klischees und Fahrradsteuer
So ist das eben mit Klischees. Sie wollen auf alles passen und passen dann doch auf nichts und niemanden, wenn man genauer hinschaut. Aber weil auf den großzügig gesetzten Seiten noch viel Platz ist, sind da noch die schön gezeichneten Bilder von Kai Pannen und die Zitate aus deutschen Zeitungen, mit Meldungen rund um die »Monster« auf zwei Rädern. Hier werden dann mächtige Geschütze gegen die Fahrradzunft aufgefahren. Das große Problem der Mitnahme von Fahrrädern im ÖPNV zum Beispiel, hässliche Fahrradständer, die unsere Innenstädte verschandeln, oder das leidige Thema Fahrradkuriere etwa. Das weiß auch Oma Meier, dass die immer so rücksichtslos fahren müssen.
Aber was muss unser Radler da schließlich verärgert zur Kenntnis nehmen? Er hat es ja schon erwartet, kann ja auch nicht anders sein, in einem Text, der zuweilen wie ein rhetorisches Pfeifen der Autolobby daherkommt. Natürlich: das Eintreten für eine allgemeine Fahrradsteuer – übrigens gelegentlich Thema der großen konservativen Partei Deutschlands. Recht und Ordnung braucht Regeln, die eingehalten werden müssen. Wo kämen wir da hin? Steuern und Fahrradkennzeichen müssen her, dann wird alles gut. Versprochen. Dann könnten die Monster auf zwei Rädern endlich in ihre Schranken verwiesen werden. Nach Darstellung der Autorin wäre die praktische Umsetzung dieses Ansinnens auch kein Problem, und auch die Bürokratie erhöhe dies keineswegs – einfach nur zahlen, das »Kennzeichen kommt per Post«.
Fazit aus dem Biergarten: Außer einem netten, manchmal sogar absolut witzigen Versuch, per se umweltschonende Radler in Misskredit zu bringen, kommt leider nicht ganz so viel dabei heraus. Das Aufzählen gängiger Klischees gegen Fahrradfahrer reicht als Mittel zur Selbsterkenntnis nicht aus. Der Frage nachzugehen, was mit Radlern tatsächlich im Inneren passiert, wenn sie auf dem Fahrrad sitzen und womöglich Regelverletzungen begehen, wäre tatsächlich sehr interessant gewesen, – so etwas sucht man aber vergebens. Der Versuch allerdings, der Fahrradproduktion ein Kohlendioxid-Problem zu attestieren, wo schon der Kraftzelle Mensch nichts vorzuwerfen ist, ist immerhin erstaunlich. Ein Glück, dass unser Radler das Büchlein nach dem dritten alkoholfreien Radler bereits ernüchtert und ein wenig genervt ausgelesen hat.

