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Freitag, 25. Mai 2012 | 23:16

Grant Morrison / Andy Kubert: Batmans Sohn

28.04.2011

Jumping the Shark

Im Jahr 2007 übernahm Grant Morrison das Steuer auf DCs Comic-Flaggschiff Batman. Doch leider, findet MATTHIAS ROSS, hat der Autor mit seiner ersten Storyline Batman & Son dieses Schiff versenkt.

 

Es gibt einen Ausdruck in der amerikanischen Medienbranche, der den Zeitpunkt beschreibt, wann eine Serie ihren kreativen Höhepunkt überschritten hat. Diesen Moment kennt man unter dem Namen »Jumping the Shark«. Für gewöhnlich macht man ihn daran fest, dass Charaktere sich in unglaubwürdige Richtungen entwickeln, dass völlig absurde Geschichten herauskommen oder dass abrupt neue Hauptfiguren eingeführt werden, die einfach nicht zum etablierten Personal passen, sich aber dennoch in die Mitte der Figurenkonstellation drängen. In Batmans Sohn hat sich Grant Morrison dafür entschieden, gleich auf alle drei der genannten Arten über den Hai zu springen.

 

Der Sohn des Fledermausmannes

Bruce Wayne macht Urlaub in London, als er gleich über eine ganze Reihe von alten Feinden stolpert, die ihm extra hinterhergereist sind, um ihm das Leben schwer zu machen. Da ist einmal Kirk Langstrom, auch bekannt als Man-Bat, mit einer ganzen Einheit an neu geschaffenen Fledermausmutanten. Und dann auch noch Talia al Ghul. Die hat für Batman eine besondere Ausgeburt des Bösen dabei: ihren Sohn Damian, der, wie Bruce Wayne erfahren muss, auch sein Sohn ist; denn Talia hat Batman vor einiger Zeit »in einer Nacht am nördlichen Wendekreis unter dem Wüstenmond« den Samen geraubt.

 

Batman ist aber nicht lange schockiert, sondern nimmt den Jungen unter seine Fittiche. Damian soll der neue Robin werden. Doch als jemand, der von den Meistern der Mordliga aufgezogen und ausgebildet wurde, hat Damian gewisse Anpassungsprobleme: Daran, niemanden umbringen zu dürfen, muss er sich erst gewöhnen.

 

Der Sohn des Fuchses

Klingt diese Zusammenfassung hanebüchen? Yep, aber genau so ist die Story von Batmans Sohn. Möchte man als alter Batman-Fan bei so was das Ende des Abendlands ausrufen? Yep. Es ist kein Zufall, dass Neil Gaiman, der die Serie nach Morrison übernahm, seine Interpretation mit dem Tod und der Wiedergeburt Batmans begann – es musste ein frischer Start her.

 

Dabei ist Grant Morrison eigentlich einer der besten und profiliertesten Comicautoren unserer Zeit. Der Schotte, dessen gälischer Name frei übersetzt »Sohn des Fuchses« bedeutet, hat mit Animal Man, Arkham Asylum, Mystery Play, The Invisibles oder Doom Patrol einige der interessantesten und besten Comics der letzten dreißig Jahre geschaffen. Sein Markenzeichen war dabei stets seine überbordende Phantasie, die es ihm ermöglichte, pro Seite mehr kreative Einfälle zu verbraten als andere Autoren in ihrer gesammten Schaffenszeit.

 

Dass ausgerechnet er zu dem abgedroschenen Handlungselement greifen muss, plötzlich einen adoleszenten Sohn Batmans wiedereinzuführen, der wohlweislich Jahre zuvor aus der Continuity der Serie verbannt worden war, kommt, was Morrisons Kreativität angeht, schon einer Todeserklärung gleich.

 

Der Sohn des Meisterzeichners

Wenn man von einem Mangel an Kreativität spricht, sollte auch das Artwork von Andy Kubert nicht unerwähnt bleiben. Andy ist der Sohn von Joe Kubert, der als so etwas wie der Gottvater des modernen amerikanischen Comic-Zeichenstils gilt. Nach einer langen und erfolgreichen Karriere als Zeichner eröffnete er in den siebziger Jahren seine »Joe Kubert School of Cartoon and Graphic Arts«. An dieser Schule studierten auch Andy und sein Bruder Adam.

 

Andy und Adam Kubert haben den Stil ihres Vaters zur Perfektion getrieben: klar, dynamisch, heroisch. Nur leider absolut ununterscheidbar. Gemeinsam verkörpern sie den modernen amerikanischen Comic-Zeichenstil so perfekt, dass individuelle Eigenheiten nicht mehr erkennbar sind. Individualität ist es aber, die einen Zeichner erst interessant macht. Ihr Fehlen in Andy Kuberts Artwork lässt Batmans Sohn deshalb seelenlos wirken. Das, verbunden mit der lächerlichen Geschichte Morrisons, führt dazu, dass man von dem Comic nur abraten kann. Schade.


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