Sweet home Alabama?
Ein nächtliches Telefonat später weiß man außerdem, dass der Schwarze seinem Bruder aus der Patsche helfen will. Er muss Geld besorgen, damit er eine Kaution stellen kann. Da ist es natürlich von Vorteil, dass er zufällig das dicke Geldbündel in der Handtasche der Frau erblickt, während diese schlafend im Bett liegt. Doch schläft sie wirklich? Immerhin hatte ihr der Verfolger, der von ihrem männlichen Begleiter nichts gewusst hat, während des Telefonats einen kurzen Besuch abgestattet.
Ein schneller Griff in die Handtasche, ein kurzer Druck auf den Abzug. Der schwarze Mann und der Weiße, beide meinen, sich ebenso schnell aus dem Staub machen zu können, wie ihre beiden Verbrechen vonstatten gingen. Was die beiden Protagonisten aber noch nicht wissen, ist, dass die Folgen ihrer niederen Motive schon sehr bald kollidieren werden. Ihre von Rassismus und Eifersucht, Habgier und Mitgefühl geprägten Handlungen entfesseln einen wahren Strudel der Gewalt.
Das Verbrechen, das den Anfang der Erzählung markiert, zieht aufgrund schicksalhafter Verstrickungen Komplikationen nach sich, mit denen keiner der Handlungsträger rechnen konnte – trotz aller kühlen Planung und Berechnung. Der Spannungsbogen erklimmt Seite um Seite neue Gipfel. Daneben schwingt ständig ein merkwürdig-komischer Hauch des Irrwitzigen mit. Aufgrund dieser Verflechtung entfaltet Die Straße nach Selma eine Sogwirkung, wie sie z.B. die Coen-Filme Fargo oder Blood Simple kennzeichnet. Und das mit ungeheurer Dynamik und dem Drive eines guten Road Movies.