Wenig Philosophie ...
Die derzeit angesagtesten französischen Comic-Künstler lassen hier den Pöter Sokrates im philosophischen Wettstreit - nach dem Modell der berühmten platonischen Dialoge - gegen diverse Gegner antreten.
Ihr Held folgt seinem Herrchen, dem Halbgott Herakles. Dessen Heldentaten treten dabei in den Hintergrund, sie werden nebensächlich. Zur Hauptsache wird Herakles' Interesse am anderen Geschlecht und wie er es für sich gewinnen kann. Anstatt die Ansichten des Herrchens - die wenig mit platonischen Beziehungen zu tun haben - im Wortgefecht zu hinterfragen, wird der beste Freund des Menschen zur reinen Reflektionsfläche für den Semi-Gott.
Dabei wäre doch die simple Panelstruktur von sechs identischen Bilderrahmen pro Seite perfekt für einen philosophischen Disput. Die Form könnte Freiraum für verbale Konter schaffen, für beissende Ironie und für aporia, die gedankliche Sackgasse, in die man den Kontrahenten verbal leiten möchte. Sokrates redet aber lieber mit dem Leser, stellt sich und sein Leben vor und erzählt ein bisschen von Herakles. Ein sehr einseitiger Dialog, da der Leser nicht anworten kann. Die paar wirklichen Streitgespräche, die nur auf zwei der 48 Seiten zwischen Sokrates und den Frauen stattfinden, zeigen, was es für Möglichkeiten gäbe.