Das Auffälligste an Peter Anders sind seine Augen: Sie wissen alles. Alles scheinen sie schon gesehen zu haben, alle Arten von Tod, Leichen in jedem Stadium, Tote in sämtlichen Variationen. Vom Titel seines Buchs schaut der Tatortreiniger dem Leser direkt in die Augen. Unaufgeregt und wissend. Mehr noch: Es liegt etwas in seinem Blick, das sich nicht beschreiben lässt. Vermutlich braucht es Tausende Tode, Tausende Schicksale, Tausende Abgründe, bis ein Mensch so schaut wie Peter Anders.
Manchmal ist es erstaunlich viel, was vom Tode übrig bleibt – das vollkommen vermüllte Zimmer eines 23-jährigen Alkoholikers mit Hepatitis B, dessen Mutter auf Anraten des Notarztes nach einer Fachkraft sucht, die die sechzehn Quadratmeter desinfiziert. Die hühnersuppenartige Flüssigkeit in der Badewanne einer alten Dame. Oder das rote Schlachtfeld in der Wohnung eines Amokläufers, das sogar für den erfahrenen Todesputzer eine Premiere bietet: »Etwas Derartiges hatte ich noch nie gesehen.«
Manchmal bleibt auch gar nicht so viel übrig. Vielleicht ist es ein Fleck auf dem Boden, an der Stelle, an der ein Mann den Sommer verbrachte. Nachdem er mit einer ausreichenden Dosis Tabletten für sein Ableben gesorgt hatte und während der Geruch seines zerfallenden Körpers in den Estrich tropfte. Vielleicht ist es noch nicht einmal ein Fleck, sondern »nur« der Geruch – »muffig, süßlich, modrig« – der schier unauslöschlich in Wohnung oder Treppenhaus haftet und dem Peter Anders und seine Kollegen mit Chlorbleichlauge und Wasserstoffperoxyd, in hartnäckigen Fällen auch mit Bohrmeißel und Motorsäge, zu Leibe rücken.