State of the art
Wie man jene allerdings jene Schieflage elegant wieder ins Gleichgewicht bringen kann, zeigt der anschließende Beitrag von Christoph Baumberger, der sich mit dem architektonischen Funktionsbegriff beschäftigt: »Kuratoren, Künstler und Kunstkritiker fordern immer wieder neutrale Räume als angemessenen Rahmen für das Ausstellen von Kunst. Aber wie muss ein Raum beschaffen sein, um neutral zu sein? Der italienische Sammler Panza di Biumo hatte (…) versucht, den idealen White Cube zu schaffen, indem er Boden, Wände und Decken eines Raumes vollständig weiß streichen und alle Ecken abrunden ließ. Aber anstatt der gewünschten Neutralität erreichte er damit eine Verunsicherung des Betrachters (…).« So einfach, wie es sich Maak macht, scheint es nun also doch nicht zu sein, ist es doch gerade das neutrale Assoziationspotential des weißen Raums, das ihn in einem Akt performativer Setzung – wie sie Maak ja selbst vornimmt – zu einem quasi-sakralen Raum machen kann.
Doch natürlich sind es genau jene Widersprüche, die den fünf Bänden den Rang einer diskursiven, streitbaren Beschreibung des ästhetischen state of the art zukommen lassen. In den logischen Brüchen einiger Beiträge manifestieren sich auch die Bruchlinien des ästhetischen Diskurses, der notwendigerweise zwischen Zeitbezug und – vermeintlich – allgemeingültigen Wahrheiten zu changieren hat. Die Museologie, die sich als eigenständige Wissenschaft die Reflexion über die objektbezogene Trias von Sammeln, Bewahren und Zeigen zu eigen gemacht hat, wird hier aus dem Munde der Analytischen Philosophie durchaus fruchtbare Anstöße finden – gerade weil der Objektbezug bei einigen Beiträgen im Wabern des Theorienebels unterzugehen droht. Wer das Nachdenken über die angemessene Präsentation von Kunst intensivieren will, wird derzeit jedenfalls an diesen fünf Bänden nicht vorbeikommen.
