Protagonisten mit Verweigerungshaltung
Schlägt man zum Vergleich ein paar Seiten seines vor über 10 Jahren ebenfalls bei Carlsen erschienen Detektivcomics Kunz auf, entdeckt man, dass Autor und Zeichner Andreas Dierßen, der damals hohe Qualität abgeliefert hat, sich in vielen Dingen treu geblieben ist: Seine stimmungsvollen, in Grautönen gestalteten Zeichnungen passen gut zu seinen immer etwas melancholischen, abgeklärten Geschichten die ganz eindeutig in einem deutschen Setting spielen, das man als Leser wiederkennen kann.
Die Qualität der Zeichnungen hat sich noch ein weing verfeinert, nur die Story ist leider etwas durchwachsen. Während die Nebenstänge, die fast allesamt am Ende eine eher ungute Wendung nehmen, phantasievoll, pointiert und mit einer gewissen Schadenfreude erzählt sind, bleibt der Hauptstrang leider tatsächlich ein wenig »farblos« - die zwei namenlosen Antihelden, mit denen die Geschichte ihren etwas schleppenden Anfang nahm, gewinnen bis zum Ende nicht wirklich an Profil, während sie mehr oder weniger lutlos auf ihr vages Ziel zusteuern.
Es scheint, als hätte Dierßen an den etwas bösartigeren Figuren, denen dann vom Schicksal auch ordentlich eingeschenkt wird, mehr Spaß und Interesse gehabt, als an den »Hauptfiguren«, die bei ihrer Aufgabe, den Leser durch die Geschichte zu leiten, eine gewisse Verweigerungshaltung an den Tag legen. Auch die Entscheidungen, welche der Erzählfäden am Ende geschickt miteinander verknpüft und welche einfach lose hängen gelassen werden, wirken etwas willkürlich. Ein wenig erschwerend kommt dann noch hinzu, dass Dierßen zwar sehr lebensnahe Figuren zeichnet, aber irgendwie ein großes Fabel für alternde Männer mit rundlichen Köpfen, Halbglatze und Hakennasen zu haben scheint, die in seinem Werk so gehäuft auftreten, dass man manchmal zurückblättern muss, um zu klären, ob dieser oder jener nun schon einmal aufgetaucht ist, und an welcher Stelle.
Die besten Zeiten ist ein optisch ansprechender, unaufgeregter, an manchen Stellen vielleicht etwas zu ausführlich erzählter Comic, dessen zahlreiche gute Einfälle und schön beobachtete Situationen von keiner wirklich starken erzählerischen Prämisse zusammengehalten werden und der daher trotz einiger Highlights tatsächlich wie ein verbummelter Nachmittag dahinplätschert. Für einen solchen Nachmittag sollte man ihn sich vielleicht auch aufheben.