»Für einen Erstling ein Meisterstück«
Voltaire hat sich, während er in der verrückten Tierwelt war, immer wieder Notizen gemacht, die er nach der glücklichen Heimkehr zu einem langen Bericht ausarbeitet. Sein Onkel, ein richtiger homme de lettres, will ihn als Buch verlegen und lobt seinen Neffen: „Für ein Erstlingswerk ist das ein Meisterstück.“ Dieses listig eingefügte Urteil wünscht sich Autor Loïc Jouannigot vermutlich auch für sich selbst. Denn der 1953 geborene Bretone ist zwar ein alter Hase als Illustrator von Kinderliteratur und als Mitarbeiter an Zeichentrickfilmen, Der Geheimgang ist aber sein erster Comic. Vorausgegangen ist ihm eine Bildergeschichte ohne Text namens Das Katzenschloss (im gleichen Verlag erschienen).
Das Album weist dann doch einige Mankos auf, die einem Anfänger wohl leicht unterlaufen – auch wenn es sich um einen fast schon 60-jährigen handelt. Die Schwächen liegen, wie bereits angedeutet, hauptsächlich im Bereich der Story. Der Band erweckt den Eindruck, als hätte Jouannigot frisch drauflos fabuliert, alle Ideen zu einer abgedrehten kindgerechten Fantasywelt, die ihm kamen, wahllos aneinandergereiht und sich dann erst überlegt, wie er seine Geschichte zu einem vernünftigen Ende bringen kann.
In der ersten Hälfte tauchen mehrfach Zitate auf: Die Reise in die Parallelwelt erinnert natürlich an Alice im Wunderland und die Begegnung von Voltaire mit den gerade in dieser Szene ziemlich kleinen Tieren an Gulliver. Obwohl der Autor das liebevoll umsetzt, ist die zweite Hälfte des Bandes dann doch überzeugender, weil die Verfolgungsjagd im Wohnmobil seine ureigene Schöpfung sein dürfte.