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Freitag, 25. Mai 2012 | 23:24

Thomas Bénet/Christian De Metter: Swinging London

14.07.2011

Vermixt und zugenäht

In Swinging London, dem neuen Band aus der noir-Reihe von Schreiber & Leser, werden dem in den Sechzigern angesiedelten Crime-Cocktail gute Zutaten beigegeben – doch leider auch ein paar Zutaten zu viel. Von CHRISTIAN NEUBERT

 

Wir schreiben das Jahr 1967: Während im Vereinigten Königreich Flower Plower das Bild der Straßen prägt, nimmt sich Jasper Brown, gefeierter Frontmann der Queen Bees, in seinem schottischen Landsitz das Leben. Mit 27, wie es sich für einen ordentlichen Rockstar gehört. Doch die von Scotland Yard etwas eilig verkündete Todesursache weckt einige Zweifel bei Browns Freund Indranath Ray, einem mit okkulten Kräften ausgestatteten Guru, und bei Cassandra Jones, einer jamaikanischen Journalistin. Wie es aussieht, sind die Zweifel berechtigt – und so beginnen die beiden, auf eigene Faust zu ermitteln.

 

Bei ihren Recherchen im Umfeld des Musikers stoßen die beiden nach und nach in ein Wespennest aus Korruption und Satanismus, inklusive ritueller Sexorgien, dessen Ausläufer bis in höchste Kreise reichen. Das soll wohl irgendwie einen Kontrast zur Hippiekultur aufzeigen, ist aber eindeutig zu viel gewollt. Denn ganz abgesehen davon, dass man den Eindruck nicht los wird, das alles so ähnlich mindestens schon einmal gelesen zu haben, verpufft in diesem etwas kruden Durcheinander schnell die Wirkung, da die Einzelteile, aus denen der Comic besteht, sich gegenseitig im Weg zu stehen scheinen.

 

Zuviel des Guten

Die Ursache dafür liegt vermutlich darin, dass die mit Übersinnlichkeit und Satanismus gespickte Räuberpistole ihre Bestandteile bei allem Ernst, der hier an den Tag gelegt wird, nicht wichtig genug nimmt. Dem Comic wird nicht die notwendige Zeit gegönnt, um seine Zutaten jeweils zur Entfaltung zu bringen. Es hätte dem Genre-Mix gut getan, wenn man ihn ein wenig epischer angelegt hätte. Dann könnten die einzelnen Handlungselemente bestimmt auch Spannung und Schauder hervorbringen. Aber so hoppla-hopp, wie in Swinging London große Teile der Handlung abgehakt werden, erscheinen einem auch die satanischen Riten eher beiläufig und belanglos als erschreckend und verstörend.

 

Bénet und De Metter scheinen diese Gefahr sehr wohl im Auge gehabt zu haben, denn immerhin verfolgen sie die vertrackte Handlung recht geradlinig auf den knapp 100 Seiten des Comics – auch wenn sie sich die Zeit nehmen, den Leser an ein paar Visionen, die die übersinnlich begabte Hauptfigur empfängt, teilnehmen zu lassen. Doch da diese im Nichts verhallen, ohne einen erkennbaren Zweck innerhalb der Story zu erfüllen – sie locken weder auf falsche Fährten noch tragen sie wirklich zur Stimmung bei –, erscheinen sie ebenso überflüssig wie die Cameo-Auftritte von Michael Caine, Mick Jagger und William S. Burroughs.

 

Um den Bösewichten gegen Ende ein Gesicht und eine Motivation zu verleihen, werden schnell noch Aleister Crowley und Friedrich Nietzsche bemüht. Doch dem Genre-Mix wurden bereits an früherer Stelle einige Zutaten zu viel beigefügt. Und da diese willkürlich zusammengeschüttet die Basis des Cocktails bilden, blieb den Autoren nur noch übrig, ihn hinterher zu verwässern, damit man ihn überhaupt irgendwie herunter bekommt.

 

In schöne Bilder gepackt

Schade ist dies vor allem in Anbetracht der wirklich gelungenen Zeichnungen De Metters. Seine krakeligen Striche, die irgendwo zwischen Reduktion und Realismus rangieren, generieren in Verbindung mit der schwammigen Kolorierung, in die er blumige Muster und Schriftfetzen hat einfließen lassen, stimmige, kraftvolle Bilder. Die Atmosphäre des Bedrohlichen und Mysteriösen, die dem Band innewohnt, wird fast einzig durch die zeichnerische Umsetzung genährt, obwohl sie unweigerlich bereits aus der Story wachsen müsste.

 

Eine Sache haben die schönen Bilder allerdings mit der etwas schwachen Handlung des Comics gemein: Sie entfalten kaum Tiefenwirkung, sie verharren erstaunlich flach vor den Augen des Lesers. Dieser Aspekt, der bei den Zeichnungen interessant und kunstvoll erscheint, ist, da er leider auch auf die Handlung zutrifft, verantwortlich dafür, dass Swinging London nicht über die Qualität einer mittelmäßigen Crime-Story hinauskommt.


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