In die oft dargestellte Tristesse der Welt der englischen Minenarbeiter, deren Kampf ums Überleben und gegen die Gewerkschaften, versetzen den Hörer dieses absolut gigantischen Werkes ein sechzehnköpfiges Blechblasinstrumenten-Ensemble, das begleitet wird vom gebürtigen Niederländer Robert Houssart an der soundtechnisch perfekt harmonierenden und höchst imposant klingenden Durham Cathedral Orgel. Und genau dort, in der Durham Cathedral in – na wo wohl – Durham, einer Stadt im Nordosten Englands, die für ihre Minen und ihre Kathedrale bekannt ist (nicht zuletzt weil dort Teile der Harry-Potter-Filme Stein der Weisen und Die Kammer des Schreckens gedreht wurden), wurde The Miners' Hymns aufgenommen und an zwei Abenden im Juli 2010 live aufgeführt. Separiert von Ensemble und Orgel machte Jóhannsson Aufnahmen von subtilen Elektro-Sounds, deren Klang durch die in der Kathedrale entstehenden Echos verfremdet und noch sphärischer wurde.
Es ist schwer in Worte zu fassen, was Jóhann Jóhannssons The Miners' Hymns bietet. Es ist mehr ein Fühlen als ein Hören. Selten fröhliche Melodien, überwiegend düstere, sämige Schwere. Ein kaum hörbares, flüsternderndes Unbehagen, das sich unheimlich, beängstigend steigert zu einem bestialisch-kämpfendem Gebrüll: The Miners`Hymns ist ein emotionales Kunstwerk, das keine filmischen Bilder braucht, um eine Geschichte zu erzählen.
