Insgesamt fragwürdig
Doch nicht nur bei der Handlung fragt man sich, was das alles soll – die Frage nach dem Warum setzt sich auch auf der graphischen Ebene des Comics fort. Der Akribie, die von der Archäologie verlangt wird, werden unfertig wirkende Zeichnungen gegenübergestellt. Den Bleistiftskizzen, die den Comic in der Rohfassung darstellen, wurden Outlines mit Tusche verliehen, die Hilfslinien in den Panels aber nicht entfernt. Stand die Autorin vielleicht unter Zeitdruck, da der Abgabetermin ihres Comics als Diplomarbeit bevorstand? Oder sind diese schludrig wirkenden Linien gewollt, um ihren ziemlich statisch wirkenden Bildern eine unruhige Dynamik zu verleihen?
Insgesamt meint man, dass Marijpol die im Ansatz guten Ideen ihres Comics nicht zu Ende gedacht und stattdessen, um die Geschichte weiter zu spinnen, ihren Fokus auf immer neue Details gerichtet hat, die schließlich mehr schlecht als recht auf ein Ende hinauslaufen, das in Anbetracht der am Anfang geweckten Erwartungshaltung den Leser ratlos und unbefriedigt zurücklässt. Falls dies als Stilmittel gedacht sein sollte, dann geht dieser Schuss nach hinten los, denn derart von Handlungsfetzen erschlagen, hat der Leser längst aufgehört, Interpretationsversuche anzustellen.
So sind das Beste an diesem Comic die bereits erwähnten ganzseitigen Zeichnungen, die zwischenzeitlich eingestreut werden. Diese sind interessant in ihrer Eigenwilligkeit, symbolträchtig und mitunter komisch; letzteres nicht nur im Sinne von merkwürdig. Sie sind all das, was auch der ganze Comic sein will, aber aufgrund einer mangelhaften Erzählstruktur leider nicht kann. Und sequenzielle Kunst, die am Sequenziellen scheitert, kann nicht plötzlich »einfach nur« Kunst sein.
