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Freitag, 25. Mai 2012 | 23:27

Die 29. Lange Nacht der Museen - diesen Samstag!

25.08.2011

Eine große Nachtmusik

Wem am 27. August am Berliner Kulturforum der Gamelan-Gong die sechste Tagesstunde schlägt, erwartet eines langen Tages Reise in die noch längere Nacht. Was bisher nur dem Werbespot des MB-Spiels des Monats und der Tagesschau gebührte, eröffnet nun auch die Lange Nacht der Museen. Bald schlägt es dreißig, wenn der symbolische kulturelle Paukenschlag zum 29. Mal bis kurz vor Morgengrauen zahlreiche Berliner Kunst- und Kulturhighlights den Besuchern auftut. Um Kunst und Kultur geht es indes nur am Rande der sieben Routen, auf denen Shuttle-Busse den musealen Marathon zum Art-House-Hopping perforieren. Es geht um Highlights. Von LIDA BACH

 

Ihres Status als ein solches ist sich die Lange Nacht der Museen so bewusst, wie es ihr Publikum ist. Die Eröffnung am Kulturforum ist eine Großveranstaltung, zu der das Gong-Zeremoniell nicht nur aufgrund des musikalischen Themas der 29. Langen Nacht der Museen passt. Das Motto Viva la Musica dient am 27. August als Startschuss zum kulturellen Wettrennen vom Kantorei-Chor im Alten Museum zu Madrigalen und Chansons von Debussy bis Ravel in der Gemäldegalerie zum Electric-Boogie im Museum für Kommunikation, dann Improvisations-Tintenorchester im Kindermuseum Labyrinth, weiter zum Musizieren auf Klangsteinen im Mineraliensaal des Naturkundemuseums und zum ohne Berührung zu spielenden Theremin im Science Center Spektrum, rüber ins Zille-Museum zu Schiebe-Schorschs Berliner Gassenhauern, Reinschauen in Das Cabinet des Dr. Caligari begleitet auf der Wurlitzerorgel im Musikinstrumente-Museum und nicht zu vergessen in den Berliner Dom: HardChor.

 

© Foto: Sergej Horovitz © Foto: Sergej Horovitz

Kult-Tour

Letzteres ist nur der Name der dort auftretenden Musiker, doch er räsoniert auch mit dem Ton des Kulturerlebnisses der Langen Nacht. Was 1997 mit ausgewählten Häusern erfindungs- und facettenreich als Experiment begann, hat sich zum Geheimtipp entwickelt. Einem Geheimtipp, der wie fast alle von dem massenmedialen Schlagwort bezeichneten Ereignisse längst kein Geheimtipp mehr ist, sobald er als solcher beworben wird. Die nächtliche Erkundungstour, zur der im Sommer und im Winter alljährlich bis zu 200 Museen locken, ist eine touristische Institution, die zahlreiche Ableger in anderen Städten und anderen Sujets inspiriert hat. Wer noch nie dabei war, ist ein Kulturbanause – fast so groß wie jene, die immer dabei sind. Der ungewöhnliche Blick, den die späten Öffnungszeiten auf die faszinierenden Schätze der Kunsthorte gewährend, ist kaum noch der auf Verborgenes und Unbekanntes aus Archiven und Magazinen, sondern der auf Altbekanntes in überfüllten Räumen über den Rand eines Rotwein-Plastikbechers bei gleichzeitigem Schielen auf die Uhr.

 

Immer mehr Besucher bewältigen in der Langen Nacht immer mehr Museen von den immer mehr Museen, die regelmäßig teilnehmen. Es wird eng in den Bussen, besonders denen der Route 4, die den zentralen Anlaufpunkt mit Jüdischem Museum, Topografie des Terrors, Mauermuseum am Checkpoint Charlie und dem Museum für Film und Fernsehen verbindet und so einen kulturellen Querschnitt durch die populärsten und bekanntesten Museen der Hauptstadt bietet. Dass der Kunstgenuss irgendwann auf der Strecke bleibt, wenn auf ihr im Bus-Shuttle mehr Zeit verbracht wird als in Sälen und Galerien, scheint unvermeidlich. Die Beliebtheit der Veranstaltung beeinträchtigt es kaum. Die Lange Nacht der Museen ist buchstäblich ein kulturelles Event: »Event« großgeschrieben, »kulturell« nur ein Attribut von vielen – wie trendig, kulinarisch, prestigeträchtig.

 

Doch, die Lange Nacht der Museen hat noch immer Kunst zu bieten. Man muss sie nur suchen; an den abgelegenen Orten und unscheinbaren Stätten jenseits der Publikumsmagneten. Und muss sie finden, in der Ruhe, sich auf einzelne Kunstwerke einzulassen. Anstatt sich zu übersättigen an musealem Fast Food, zu dem Caravaggios Gemälde und Dinosaurierskelette, Helmut Newtons Fotografien und Anne Franks Gedenkstücke, Hohenzollern-Gruft und Dürers Kupferstiche für eine Lange Nacht geraten.

 

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