Zwischen Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaft
Die Entwicklung einer Klimaethik ist immer ein interdisziplinärer Grenzgang. Es gilt zunächst die naturwissenschaftlichen Gegebenheiten zu beachten, da ein Gegenstand (hier: der Klimawandel) überhaupt nur dann ein Fall für die Ethik ist, wenn Menschen mit ihrem Verhalten darauf einen Einfluss haben. Im vorliegenden Fall liefern die einschlägigen Studien hinreichend Daten, die nahelegen, dass dem so ist, wir also genauer von anthropogenem Klimawandel sprechen können. Dies wird vom Verfasser gut dargestellt.
Dann gilt es ein geeignetes Begründungsmodell für die »passende Moralität« zu wählen, um den Menschen (individuell, kooperativ und kollektiv) in Bezug auf den Gegenstand zu einem angemessenen Verhalten zu führen. Beim Klimawandel sei dies, so der Verfasser, der Utilitarismus. Dessen Schlüsselbegriff »Verantwortung« bringt er nachfolgend gegen das Konzept der »Gerechtigkeit« in Stellung.
Schließlich sollen die Bereiche des Lebens, die mit ihren Entscheidungen ebenfalls auf den Gegenstand einwirken, mit möglichst konkreten Vorschlägen zur Mitwirkung an der Problemlösung aufgerufen werden. Hier ist das die Politik und die Wirtschaft. Dazu entwickelt Gesang abschließend einen Maßnahmenkatalog, der etablierte und innovative Ideen verbindet, um zu einer Praxis der Verhaltens- und Anreizänderung zu gelangen, die nach Auffassung des Autors in Zeiten des Klimawandels unumgänglich ist.