Im Wandel der Zeit
Der erste der insgesamt vier Räume der Ausstellung ist ganz der »Ordnungsmacht und den Ordnungssystemen des Wissens« gewidmet, dargestellt anhand von über 80 Büchern aus der rund 50 000 Bände umfassenden Sammlung der »Stiftung Bibliothek Werner Oechslin« in Einsiedeln, dem Haupt-Kooperationspartner der Schau. Es ist kein leichter Einstieg in die Thematik, die die Ausstellungsmacher da gewählt haben, denn die Argumentation der Exponate erschließt sich eigentlich erst dann, wenn man den dazugehörigen, 80-seitigen Beitrag Oechslins im empfehlenswerten Begleitband der Ausstellung durchgearbeitet hat. Dieser Auftakt mag den Besucher verschüchtern, bisweilen erschrecken, sicherlich fordern, vielleicht manchen auch überfordern.
In den beiden anschließenden großen Ausstellungsräumen wird die Genese des Bautyps Bibliothek von der Antike über die mittelalterlichen Klosterbibliotheken, den Bibliotheksräumen der Renaissance und des Barocks, den großen Nationalbibliotheken des 19. Jahrhunderts bis hin zu den Entwicklungen unserer Zeit exemplarisch in Wort, Bild und – besonders eindrucksvoll – vielen Modellen vorgestellt. Alte Bekannte haben sich da versammelt, wie Michelangelos Bibliotheca Laurenziana in Florenz oder die Wiener Hofbibliothek, gebaut von dem großen Barockarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach. Aber auch der Allgemeinheit weniger bekannte Vertreter dieser Baugattung, wie Alvar Aaltos Stadtbibliothek von Viipuri aus den Jahren 1928-1935, die nicht mehr wie die beiden vorher genannten Bücherräume der Repräsentation sondern dem Nutzer verpflichtet ist, oder I. M. Peis John F. Kennedy Presidential Library werden vorgestellt.
Durch diese Auswahl erkennt der Besucher, dass die Entwicklung der Bibliothek nicht linear verlief, sondern geprägt wurde; neben dem jeweiligen Zeitgeschmack, von dem Zwang immer mehr Bücher geordnet zu beherbergen, zu erschließen und zugänglich zu machen. Dass im Mittelalter die Ansprüche der wenigen Nutzer gänzlich andere waren als diejenigen, die heute an eine Universitäts- oder Stadtbibliothek gestellt werden, erklärt sich dadurch jedem. Ergänzt wird die Zusammenstellung durch einen Blick auf die Bibliothek in Literatur, Comic und Film. Zu guter Letzt werden dem Besucher noch 60 in Endlosschleife projizierte Filmausschnitte vorgeführt, denen gemeinsam ist, dass sie in einem Bibliotheksraum spielen. Einen didaktischen Zweck verfolgt das Ganze nicht, – und steht damit konträr zum ersten Raum der Schau – das muss es aber auch nicht.