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Freitag, 25. Mai 2012 | 23:30

Jingo de Lunch: Live in Kreuzberg

15.09.2011

Konzert als Privatparty

Von Jingo de Lunch hat man gehört oder nicht. Wenn, dann kennt man sie als Urgesteine, als Pioniere des Crossover-Sounds Ende der 80er aus dem isolierten Westberlin. Wenn nicht, dann dürfte das alles ziemlich angestaubt klingen. Aber, um fair zu bleiben: Selbst wenn das Konzert-Album Live in Kreuzberg vielleicht wenig neue Fans gewinnen dürfte, KRISTOFFER CORNILS würde trotzdem gern ein Bier mit den Vieren trinken.

 

Als eine der ersten Bands, die mal vom traditionellen Hardcore-Punk aus in Metal-Bereichen fischte, bekamen Jingo De Lunch Anfang der 1990er Jahre nie die angemessen große Portion vom Kuchen ab, auf dem dick und fett mit Zuckergussglasur ›Crossover‹ geschrieben stand. Was sie nicht abgehalten hat, immer weiter zu machen. Mit vielen Pausen und einigen Besetzungswechseln allerdings. 2010 jedoch kam es zu einer Reunion, das Album Land Of The Free-ks wurde eingespielt und alles war irgendwie wieder beim Alten. Klar, den Sound der Band kann man ziemlich überholt finden – das Rad wurde schließlich weitergedreht. Aus Crossover wurde Nu Metal und selbst der ist bei den meisten Fans härterer Musik nicht mal mehr Garant für ein müdes Lächeln. Jingo De Lunch halten trotzdem an dem fest, was die Band seit über zwei Jahrzehnte ausgemacht. Und obwohl der Black Flag-orientierte Hardcore mittlerweile ein Revival feiert: Funk-Einschübe, Metal-Soli – das schmiegt sich nicht unbedingt an den Nerv der Zeit.

 

Bezeichnend, dass das Konzert am 25.11.2010 im Lido mitgeschnitten wurde, einem Club, der an der Grenze zwischen dem immer schnöseliger werdenden Kreuzberg und dem linken Hipstertums Friedrichshains verortet ist. Eine Gegend, die Anlaufstelle für Technotourismus geworden ist, einer der Bereiche Berlins, die sich seit Bandgründung strukturell und kulturell wohl am meisten gewandelt haben dürfte. Das macht der Band jedoch wenig aus, wie man vom ersten Ton merkt. Auch wenn der Sound für Lido-Verhältnisse erstaunlich rau und rumpelig rüberkommt – eher Anhängerkonzi am ersten Mai als große Konzerthalle – er sitzt wie angegossen. Hibbelig wird da von der ersten Sekunde Gas gegeben und das Publikum dankt’s. Der Konzertraum wird zur Privatparty: Die Fans, die zu hören sind, dürften der Band schon seit Jahren treu sein und auch, wenn man sie selten hört, ihre Präsenz ist auf der Aufnahme spürbar.

 

Das macht den Charme dieses Mitschnitts aus – er schwitzt jede Menge Intimität und Passion aus. Dem schlechten Mix, des angestaubten Sounds zum Trotz. Bis in die sehr persönlichen Linernotes, die jeden Song kommentieren, zeigen sich die drei Musiker und ihre charismatisch-energetische Frontfrau Yvonne Ducksworth wie die netten, unprätentiösen Punkfans von nebenan. Mit denen man gern nach der Show ein Bier trinken würde, auf irgendeinem verschlissenen Sofa. Davon könnte der Puls der Zeit etwas mehr vertragen.

 

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