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Freitag, 25. Mai 2012 | 23:31

Toms Schnellgericht

22.09.2011

On / off the floor

(Wieder-)Veröffentlichungen für Clubspotter und Soundchecker. Von TOM ASAM.

 

Zwanzig Jahre Label-Dasein sind heutzutage eine reife Leistung. Das in Glasgow gegründete, heute in London ansässige Haus Soma Records feiert sein Jubiläum. Und lädt mit einer reich bepackten 3-fach CD zum mitfeiern ein. Über dreihundert Veröffentlichungen zwischen Acid House und Trance, zwischen Detroit und Berlin, zwischen später zu größerem (und zu einem anderen Label) Berufenen wie Daft Punk und einmaligen Aufhorchern wie Scott Grooves Mothership Reconnection hat Soma so einiges rausgehauen. Highlights kann man nun auf der CD Soma Classics sowie auf dem Slam Dj Mix und dem Silicone Soul Mix gebündelt an Land ziehen. Oldschool ist die new School und es wird wieder geblasen zum Desert Storm.

 

Joakim entfernt sich auf seinem vierten Werk Nothing Gold doch ein gutes Stück vom Dancefloor. Der Franzose, der sich auch als Remixer einen Namen gemacht hat, taucht so einiges aus dem Pop-Pool uns setzt es zu einem tollen Album zusammen, dass nebenbei gehört genauso Spaß macht, wie mit nerdig aufgestelltem Lauschwerk. Da begeben sich Brian Wilson und Bryan Ferry gemeinsam in die Disco, cheesy Synthiesounds gehen in komplexeren Zusammenhängen auf und EBM flirtet mit Rave-Ansätzen. Klingt im besten Falle seltsam bekannt und überwältigend gleichzeitig. Wie die Collage aus Sonnenuntergang am Meer und schneebedecktem Schloß Neuschwanstein auf der CD-Rückseite. Leicht kitschig, aber gerne genommen.

 

Und noch ein beeindruckender Franzose: Olivier Mateu, besser bekannt als Rodriguez Jr. Ist Teil des französischen Electro-Acts The Youngsters, mit denen er auf Laurent Garniers Label F-Communications erfolgreiche Platten veröffentlicht hat. Solo firmiert er beim Berliner Label Mobilee Records und bewegt sich im poppigen Deep-House Umfeld. Wie der Titel schon andeutet werden hier Gegensätze vereint. Technoide Beats treffen auf verspielte Synthiemelodien. Groovy und dubby – aber auch melodiös. So funkioniert das im Club wie zu Hause. Diverse Vocal-Beiträge (bei Shapes I see nimmt Rodriguez das Mikro mal selbst in die Hand) lockern die Sache angenehm auf.

 

So, jetzt aber nach Berlin. Sascha Ring, bestens bekannt als Apparat, will bis auf weiteres erst mal nichts mehr hören von wegen »tanzflächenorientiert«. Nach zehn Jahren tauscht er Computer gegen Instrumente und tritt im Bandkontext auf. Das Ergebnis wird unterschiedlichste Reaktionen auslösen. Wichtig ist zunächst, dass dieser Kurswechsel sicher keinen Trend-Abwägungen geschuldet ist. Spätestens, wenn man Ring und Co. (etwa beim Melt!-Festival) live agieren sieht, weiß man: da folgt jemand seinen Emotionen. Ein Wort, dass beim Hören von The devils walk eine wichtige Rolle spielt. Ebenfalls: verträumt, verspielt, atmosphärisch – gar romantisch. Da müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn dieses Album nicht gleichermaßen neue, enthusiastische Hörer erreichen sollte wie es gleichzeitig Aufschreie „alter“ Fans geben wird: lahmarschig, nicht elektronisch genug, früher war das aber ... Auf alle Fälle ein soundtechnisch dichter Trip, für den man sich Zeit nehmen und bei dem man eventuelle Erwartungen zunächst mal zurückstellen sollte.

 

Sebastian Szary und und Gernot Bronsert sind Modeselektor, mit Sascha Ring gemeinsam gerne auch Moderat. Monkeytown ist sowohl der Name ihres neuen Albums als auch des neuen Labels, auf dem es erscheint. Alles andere als affig ist sicher die Musik. Schon eher die Maßnahme, die Promo-CD  in reduzierter Audioqualität und mit sogenannten Voiceovers ( in diesem Falle ein absolut nerviges, ständig wiederkehrendes Piepen) zu verschicken. Ja, ich weiß: rippen und online stellen...und Musiker wie Agentur fühlen sich damit auch nicht richtig wohl. Ich mag mir das auf alle Fälle in der Form nicht anhören. Bevor ich Monkeytown in der Qualität, mit der es in den Laden kommt, gehört habe, werde ich nur mutmaßen: ein Kauf wird sich lohnen. Nicht nur, aber auch wegen diverser Gäste, allen voran Thom York. Der hätte vielleicht auch ganz gut auf die neue Apparat gepasst, aber Modeselektor haben sicher keine so große Kursänderung auf ihrem Album vorgenommen, wie Sascha. Check it out yourself.

 

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