Eine leere Hülle, ein verschrumpelter Ballon
Glücklicherweise erkennt seine Frau Ada die ersten Vorzeichen und sucht nach Hilfe. Doch Schlösser hat noch einen heißen, umtriebigen Sommer in Berlin vor sich: eine Off-Produktion in den riesigen Hallen des Postfuhramtes, eine pulsierende Stadt, eine neue Liebesaffäre. Der Wahnsinn ist nicht mehr zu bremsen. Doch plötzlich – kurz vor einer Premiere – bricht Schlösser mit einem Weinkrampf zusammen: »Ich heule wie seit Jahren nicht mehr. Wie ein übermüdetes Kind kann ich gar nicht mehr aufhören […] Ich bin nur noch eine leere Hülle, ein verschrumpelter Ballon, dem die Luft ausgeht.« Weder der spontan angereiste Vater noch die besorgten Kollegen noch eine vierköpfige Polizeistreife können ihn beruhigen. Vollkommen überdreht landet Schlösser in der psychiatrischen Notaufnahme der Charité. Diagnose: manisch-depressiv – oder bipolare Störung.
Diese ausgeflippte Vorgeschichte, die ernüchternde Zeit in der Psychiatrie und die langsame Rückkehr ins »normale Leben« hält Schlösser in zahllosen Briefen an seinen geliebten Sohn Matz fest, der zu diesem Zeitpunkt erst anderthalb Jahre alt ist. Dazu ermuntert wird er von einer Therapeutin, die traumatisierte Kinder von psychisch kranken Eltern betreut. Was passiert, wenn der eigene Vater in eine »Irrenanstalt« eingeliefert wird? Warum hat er eine Meise? Wieso verhält er sich nicht so wie andere Väter? Schlösser gelingt es, Fachvokabular weitgehend auszusparen und zu umschreiben. Die Psychiatrie wird so zum »Wolkenkuckucksheim«, chronisch Manisch-Depressive zu »Meisenprofis«. Genetische Disposition, Diagnose und Therapie werden kindgerecht und leicht verständlich dargestellt.