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Freitag, 25. Mai 2012 | 23:32

Kasabian: Velociraptor!

29.09.2011

Die neue Großartigkeit

Wenn man wissen will, wie man eine Platte NICHT bespricht, konsultiert man am besten die Kritik zu Velociraptor! im FOCUS. Wer schon – und nicht anders liest es sich – Wikipedia bemüht, um Hintergrundwissen zu suggerieren, sollte doch zumindest die richtige Reihenfolge der Alben verwenden. Denn die ganze Argumentation geht flöten, wenn man die auf dem »letzten Album« aufbaut, das gar nicht das letzte Album ist. Und die Information, dass Kasabian der Nachname von Charles Mansons Fluchtwagenfahrerin ist, muss man auch nur mitte-60-jährigen FOCUS-Lesern erklären. Von MARTIN SPIESS

 

Amplitude an Archaik und Action

Das tatsächlich letzte Album West Ryder Pauper Lunatic Asylum war mit seinem zur Amplitude getriebenen Reichtum an Club-Musik, Archaik, Rock&Roll-Action und gleichzeitiger Tanzbarkeit das beste der bisher drei Alben gewesen. Und es hatte die Frage aufgeworfen, wie Kasabian danach weitermachen würden. Die Antwort, so unvorstellbar sie ist, lautet: »Einfach noch einen musikalischen Einfluss oben drauf packen.«

 

So nimmt sich der Opener Let’s Roll Just Like We Used To Klavier, Bläser und Synthie-Streicher hinzu, ohne dass das irritierend wirkt. Und diese neue Seite haben Kasabian in Velociraptor! integriert, ohne dabei aber ihren Sound zu verlieren.

 

Gewohnt rumpelig und clubby

Days Are Forgotten, Track Nummer zwei, der auch gleichzeitig die zweite Single des Albums ist, kommt genauso gewohnt rumpelig und clubby daher, wie man es erwarten würde. Und das Ennio-Morricone-Western-Hintergrund-Gekreische passt sich genauso wunderbar ein wie die akzentuierten Streicher.

 

Und so geht es weiter. Dabei lassen Kasabian in keinem Song ihre Wurzeln vermissen. Ganz im Gegenteil sind sie entweder noch mehr da, als zuvor oder sie treten zugunsten neuer Sounds in den Hintergrund. So etwa in La Fee Verte, einer Hommage an Absinth: Die klingt genauso wie der dämmerig-weiche Zustand, in dem man ist, wenn man zwei, drei Gläser der grünen Fee intus hat. Genauso im fast poppig-synthielastigen I Hear Voices.

 

Stampfende Masse aus den Boxen

Weg aber sind sie nie, die Wurzeln. Und manchmal sind sie so weit im Vordergrund, dass man wieder an West Ryder Pauper Lunatic Asylum zurückdenkt: Im Titelsong Velociraptor! etwa, bei dem der Gesang mehr an Schreie erinnert, in Re-wired, bei dem sich eine stampfende Masse aus den Boxen bewegt oder in Switchblade Smiles, der ersten Single des Albums, bei dessen Treiben man an Take Aim denken muss.

 

Es bleibt zu konstatieren, dass so viel neue Großartigkeit nicht zu erwarten war. Dass der FOCUS eben die nicht wahrzunehmen weiß, im Gegensatz schon.

 

 

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