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Freitag, 25. Mai 2012 | 23:32

The Rifles: Freedom Run

29.09.2011

Brusthaarloses Kopfstimmengeseiere

The Rifles schießen auf ihrem dritten Album Freedom Run mit Platzpatronen. Wo ihre richtige Munition ist, ist nicht auszumachen. Von MARTIN SPIESS

 

Es ist mit der neuen Platte von The Rifles ein bisschen so wie nach einem Regierungswechsel: Nichts ist so, wie es mal war. Klar bleibt auch das eine oder andere bekannte Gesicht erhalten, aber dann plötzlich an anderer Stelle, sodass man sich fragt: Was hat der denn DA verloren? Und so klingt es auch, das dritte Album Freedom Run: Verloren.

 

Verloren hat die Band aber erstmal Mitglieder: Von der Anfangsbesetzung sind nur noch Sänger Joel Stolker und Gitarrist Luke Crowther geblieben. Das ist an sich erstmal kein Problem, Umbesetzungen haben immerhin ganz andere Bands locker weggesteckt. Nur sind nicht nur Musiker weggefallen, Stolker und Crowther haben auch die Aufgaben umverteilt: Denn Crowther singt jetzt auch.

 

Mainstream-Pop-Sound statt minimalistischer Rumpelgitarren

Und das führt dazu, dass man im Opener Dreamer erstmal denkt, man habe die falsche Platte im Player liegen. Die so markanten, ja, unverwechselbaren working-class-Vocals Stolkers sind erstmal gar nicht da. Dem Titel gemäß steigt Dreamer auch nicht mit den gewohnt minimalistischen Rumpelgitarren ein, sondern mit unerträglich breiten Synthies und snow-patroleskem Stadionrock-Mainstream-Pop-Sound.

 

Titel zwei heißt dann fast ein bisschen zu passend Long Walk Back, denn genau das täte The Rifles gut: Sich auf ihre Stärken zu besinnen und nicht, dem Albumtitel gemäß, die Gewehre beiseitezulegen. Und genau so wie die alte Stärke klingt er dann auch: quietschige E-Gitarren, dünne Akustikgitarren und ein Schlagzeug, das klingt wie Pappkartons. Und es wäre ein Fest, wenn da nicht der erste Song wäre und auch der nachfolgende.

 

Kopfstimmengeseiere und Streichermassaker

Sweetest Thing heißt das Kopfstimmengeseiere, das so brusthaarlos ist, dass man sich die Haare raufen will. Und schwülstig geht es weiter, mit Tangled Up In Love, der mit Streichermassaker beginnt und in seiner ekelhaften Süße zu Tode gestreichert wird. Und auch der nächste Song handelt von einer Frau: Eveline. »I’m gonna be there when you cry«, heißt es da, und es treibt einem die Tränen der trauernden Verzweiflung in die Augen, wie langweilig-poppig The Rifles da herumsingen.

 

Es wundert dann auch nicht, dass auch der nächste Song von der Liebe handelt: Love Is A Key heißt er, und wenn die Rifles auf ihren vorhergegangenen Alben noch scharf geschossen haben, jetzt haben sie nur noch Platzpatronen geladen. Man verstehe das nicht falsch: Über die Liebe zu singen ist ja nicht verboten. Aber wenn man es schon noch macht, dann doch nicht auf so eine weichgespülte Weise.

 

Das geht bis zum bitteren Ende der Platte so weiter, dass man sich ernsthaft wundert, den Herren mal seine Stimme gegeben zu haben. Vielleicht, so denkt man etwas trotzig, sollte man beim nächsten Mal Protest wählen. Oder gleich eine Revolution anzetteln, um daran zu erinnern, dass Gewehre dazu da sind, um abgefeuert zu werden.

 



 

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