Botticelli lebte von 1444 bis 1510 hauptsächlich in Florenz. Er war in dem Stadtstaat ein angesehener, unabhängiger und erfolgreicher Maler – allen politischen Wirren zum Trotz. Botticelli prägte die Blütezeit der Renaissance, er gab der Dynastie der Medici einen künstlerischen Ausdruck und litt auch nicht unter dem Wirken von Savonarola. Botticelli war, so Dombrowski, »ein innovativer Gestalter (...) und ein unabhängiger Kopf«. Botticelli war - bei aller Gegenständlichkeit – ein abstrakter Maler, ein Maler, der mit seinen Arbeiten abstrakten neuplatonischen Ideen und Vorstellungen einen künstlerischen Ausdruck verlieh. Ein Maler, der die Spannung zwischen Tradition und neuem Selbstverständnis auslotete, ihr einen künstlerischen Ausdruck verlieh.
Egal ob es Darstellungen der Mythologie oder der römisch-katholischen Heilslehre und Legenden sind – immer ordnete Botticelli den Bildaufbau, die Darstellung und Ausstattung der Figuren und des Raumes, ja sogar die Perspektive seinem inhaltlichen Konzept unter. »Botticelli nimmt das Bildthema zum Anlass für ein subtiles Wechselspiel von Zeigen und Verbergen«, schreibt Dombrowski über Die Anbetung der Könige. Zugleich ist es die These, nach der der Würzburger Kunsthistoriker die Arbeiten des Florentiner beschreibt, einordnet und erklärt.
Dombrowski hat sich 20 Arbeiten des Florentiners ausgewählt. Den Anfang macht die Fortitudo (1470), den Schluss bilden Venus und Mars (1499/1500). Dombrowski schildert genauestens, für welchen Ort und für wen die Arbeiten gedacht waren. Er ordnet das Werk zeitlich und in seinen gesellschaftlichen, historischen und politischen Kontext ein. Er analysiert den Bildaufbau und die Gestaltung. Er führt den Betrachter und Leser über die Komposition zu den Eigenheiten und damit auch zu den philosophischen Gedanken und Überlegungen, die Botticelli geleitet haben könnten.
Der Weg führt sozusagen zurück: vom Ergebnis hin zu seiner ursprünglichen Idee, von der konkreten Ausgestaltung zur abstrakten Überzeugung. Dombrowski fügt der reinen Betrachtung eine philosophische Ebene hinzu und macht so das »Lesen« der Gemälde zu einem intellektuellen Genuss.
Dombrowski ist ein lesenswertes Büchlein gelungen, das bei keinem Museumsbesuch fehlen sollte. Ein Büchlein, das in jede Jackentasche passt und daher nur einen Nachteil hat: die Arbeiten, die besprochen werden, sind zwar abgebildet, aber nur in schwarz-weiß und winzig klein. Das reicht zwar, um den Ausführungen zu folgen, vermittelt aber nicht den vollen Kunstgenuss. Aber der ist ohnehin wohl nur dann zu erleben, wenn man vor dem Original steht und die Zwiesprache zwischen Dombrowski und Botticelli »live« erleben kann.
