Die Ausstellung lebt von dem Spannungsfeld von Symmetrie und Asymmetrie, Harmonie und Disharmonie, Perfektion und Fehlerhaftigkeit – und der Frage, was uns wirklich berührt und menschlich macht. Ist es die Perfektion oder sind es gerade die Makel, die Asymmetrien, die störenden Details?
Scholls Ausstellung umfasst eigentlich drei Bereiche: seine offensichtlichen, politisch motivierten Installationen Gewalt und Zerstörung (im Keller) und Ceuta (im zweiten Stock), seine subtilen, außerirdisch wirkenden Figuren und seine weiteren Keramikarbeiten: Figuren, Schalen, Büsten, Kokons und Dosen.
Der Tittmoninger Künstler Manfred Scholl ist Keramikmeister. Die Drehscheibe und der Brennofen sind seine Werkzeuge. Der Ton sein Material. Das perfekte, symmetrische Ergebnis ist das Ziel seiner Arbeit. Der Versuch, die perfekte, symmetrische Form zu erreichen. Doch schon in der täglichen Arbeit merkt er immer wieder, dass dies nur äußerst, äußerst selten gelingt. Im Gegenteil. Das Asymmetrische, der Schönheitsfehler ist der Normalfall, wie auch beim Menschen und seinen Beziehungen. Konflikte aller Art, Widersprüche aller Art stören immer wieder die Symmetrie, erzeugen Spannungen. Mit seinen Arbeiten verschafft Manfred Scholl diesem Zwiespalt, diesem Widerstreit einen künstlerischen Ausdruck – einen offensichtlichen in den Installationen, einen subtilen, aber umso eindrucksvolleren in seinen Figuren.
Zusammen mit den Künstlerinnen Heidi Hien und Agelinde Scholl schuf Manfred Scholl im Keller des Liebenweintumres mit Gewalt und Zerstörung ein Mahnmal gegen Gewalt und Krieg. Auf den Fotografien von Agelinde Scholl sind jeweils zwei, heile Ziegelsteine zu sehen, die den Baustil von sieben, in Kriegen zerstörten Städten symbolisieren. Darunter auch Dresden, Magdeburg, Mailand, Karthago und Hiroschima.
Vor den Bildern befinden sich auf kleinen Podesten diese Ziegelsteine nach dem Brennofen des Krieges: deformiert, verwunden, zerstört oder – im Falle von Hiroshima – gänzlich verschwunden, nur noch einen Schatten hinterlassend. In der Mitte des Raumes hängen als Zeichen der Hoffnung windleichte Banner mit Worten von Heidi Hien. Ein stilles und daher umso beeindruckenderes Mahnmal.