Zwei Meister - aber auch ein Meisterwerk?
Jodorowsky hat den historischen Background radikal begradigt. Sein Papst Alexander VI. ist ein eiskaltes Scheusal, immer auf den eigenen Vorteil bedacht und verdammenswert anmaßend. Daneben ist er mehr Superheld bzw. -schurke als bloßer Unsympath. Seine Super-Fähigkeit besteht darin, alle Pläne, die er ersinnt, von seinen Untergebenen im Nullkommanix, scheinbar ohne große Mühe und stets mit Erfolg, umsetzen zu lassen.
Ob er nun an die nötigen Stimmen für die Papstwahl dadurch gelangen will, dass er einem Kontrahenten die abgeschnittenen Penisse seiner 150 Liebhaber präsentieren lässt oder seine Macht durch Siege auf weltlichen Schlachtfeldern vergrößern will, ist ganz egal. Stets hat er den Erfolg auf seiner Seite. Doch auch ein Erzbösewicht wie Alexander VI. kennt sein Kryptonit, nämlich seine eigene Familie. Die Intrigen, die er mithilfe seiner Familie schürt, um eben jene in Macht und Einfluss zu stärken, gedeihen in ihr selbst am stärksten.
Die vier Bände der Reihe sind durch recht große Panels konstruiert, die Manaras realistischen Zeichenstil schön zur Geltung bringen. Opulente Kulissen sakraler Bauten unterstreichen den dekadenten Lebensstil der katholischen Würdenträger, während Ausflüge in die Welt jenseits der Mauern des Vatikans expressive Landschaftsbilder zeigen – in bunter, in ihrer Strahlkraft aber eher zurückhaltender Kolorierung.
Ein gefühltes Viertel der Panels sind dabei durch diverse Körpersäfte eingefärbt, weswegen wohl keiner der vier Bände den Einzug in den Schulunterricht finden wird – auch wenn sich die eine oder andere lateinischen Redewendung in die Bände eingeschlichen hat, das hier ist nicht Asterix. Mal ganz abgesehen davon, dass Manara in den Comics des öfteren die Gelegenheit bekommen hat, seiner Meisterschaft – der Darstellung weiblicher Kurven – zu frönen.