Paradox und schlüssig zugleich
Natürlich kann Dirt Road insgesamt als eklektisch bezeichnet werden, doch dieses Album darauf zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht und übergeht leichtfertig seine Eigenständigkeit und seine konzeptionelle wie auch sinnliche Tiefe.
Åslund selbst nennt Progressiv Rock in Kombination mit Jazz und Neo Klassik als stilistische Eckpfeiler, auf denen sein Werk ruht. Um diese Begriffe jedoch nachvollziehbar miteinander verknüpfen zu können, genügt keine intellektuelle Kombinatorik, es bedarf höchst aufmerksamen und bestenfalls mehrfachen Hörens. Belohnt wird man dann mit einem gänzlich organischen Zugang zu diesen zunächst komplex bis kompliziert wirkenden Werk, das in seinen Einzelkompositionen teilweise eine Länge von für das heutige Ohr fast inkompatiblen sieben Minuten erreicht.
Eleganz, Virtuosität, Facettenreichtum, kompositorische Komplexität, Vielschichtigkeit, Kultiviertheit, Detailreichtum, Klangmalkunst, Überreiztheit, ästhetische Manier, Überladenheit, Filigranität und auch Bombast, der ins Melodramatische kippt – all diese Worte mögen einem durch den Kopf gehen, wenn die Musik einem in seinen Atempausen die Zeit dazu lässt. Doch ist dies nur ein Wortwirbel, der lange kein Gesamtbild ergibt. Das zeichnet sich erst allmählich im Ausklang, in der Beruhigung, vielleicht im Wiederhören.
Åslund bedient sich bei seiner Arbeit vielerlei musikalischer Register, vielerlei Sprachen und Ausdrucksformen. Und dennoch schafft er es, aus dieser Welt des Allvermögens seine eigene künstlerische Stimme herauszuarbeiten, ja vielleicht sogar erst zu finden. Oft führt so ein schlichtes Thema durch die Komposition, genauso oft jedoch löst sich dies auch einfach auf und transformiert zu etwas völlig Neuem. Es gleicht somit eher einer Suchbewegung als einer Vorbestimmung, so paradox das angesichts der Durchkomponierheit von Dirt Road auch klingen mag.
