Heute ist der erste Tag der Fastenzeit, aber der Faschingsprinz ist schon letzten Freitag zurückgetreten. Christian, der Erste – seit neuestem auch bekannt als »der Mietnomade von Bellevue.« Die Asche, die er sich als Ministerpräsident eingesteckt hat, musste er sich schließlich aufs Haupt streuen. Und nun spricht der Staatsanwalt den Aschermittwochssegen: »Memento homo, quia Wulffis es, et in Wulfferem reverteris.« Bedenke Mensch, dass du ein Abstauber bist, und zum Abstauben zurückkehrst.
Eine Kolumne von MATHIAS TRETTER
]]>Er ist höflich, zuverlässig und stets korrekt gekleidet – doch ein gern gesehner Gast ist er nicht. Der Protagonist in Thomas Kriebaums neuem Werk Kleiner Tod hat nun wirklich keinen leichten Job. SEBASTIAN DAHM hat ihn bei der Arbeit begleitet.
]]>In der All in One-Reihe des Ehapa-Verlags sind die drei Bände der Krimireihe Nero als Gesamtausgabe erschienen. CHRISTIAN NEUBERT hat dem gleichnamigen Detektiv beim Ermitteln über die Schulter geschaut.
]]>R. A. Salvatore und Todd McFarlane arbeiten an einem Spiel zusammen? Am Ende ein Fantasy-Titel? Genau das. Es handelt es sich um EAs Kingdoms of Amalur: Reckoning. Und genau das beleuchtet RUDOLF INDERST jetzt etwas eingehender.
]]>Wie der Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg durch sein Verhalten, das exakt dem eines geistig minderbemittelten Kleinkriminellen entsprach, nachdem man ihn des Plagiats überführt hatte, das gesamte ethisch-historische Repertoire des Ehrbegriffs, auf das sich der Adel als letzten Distinktionsgrund vom Bürgertum noch etwas zugute hielt, in Verruf gebracht hat, so gehört der unschuldige Terminus der bürgerlichen »Männerfreundschaft«, die es ja auch wirklich gibt, zu den folgenreichen Kollateralschäden, die der in zweifacher Hinsicht jüngste Bundespräsident schon übel zurichtete, bevor er bei dessen Missbrauch erwischt wurde & er daraufhin die Konsequenz seines Rücktritts in ein komfortables Rentnerdasein mit 199.000 Euro pro Jahr zog. Von WOLFRAM SCHÜTTE
]]>Erich Loest setzt in seinem Roman Löwenstadt seinem Leipzig ein Denkmal und erzählt dabei so en passant 200 Jahre deutsche Geschichte – von der Völkerschlacht 1813 bis zur Gegenwart.
Von HUBERT HOLZMANN
]]>Wenn es ein Buch schafft, seinen Leser zum Lachen, Staunen, Weinen, Erschauern und Sich-Ärgern zu bringen, dann ist es das bei dtv erschienene Werk von Rafik Schami Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat. All diese Gefühlsregungen, vor allem aber Hochachtung dem Autoren gegenüber, empfand LIA DOLFUS beim Lesen.
]]>Der Großvater erzählt von Diskriminierung, Willkür und dem Geheimbund Klu-Klux-Klan. Und von Rosa Parks, die vor über 50 Jahren mutig im Bus sitzen blieb, während er aus Angst versuchte, sie zum Nachgeben und Aufstehen zu bewegen. Von MONIKA THEES
]]>Trash ist das englische Wort für Müll. Gigantische Abfallberge türmen sich am Rande der Stadt Manila, wo tausende von Menschen ihr Dasein fristen, darunter unendlich viele Kinder. Sie suchen nach recycelbarem Müll, nach Dosen, Papier, Plastik, nach allem, was Geld einbringt. Andy Mulligan hat aus ihrem Schicksal eine Geschichte gemacht. ANDREA WANNER hat sie gelesen.
]]>In den Wind geschlagen
fünfundneunzig Thesen
nach Korinth getragen
Dort wird sie niemand lesen
]]>Vor gut vier Jahrzehnten, als das Internationale Forum des jungen Films in Opposition zum offiziellen Wettbewerb und als Provokation für diesen gegründet wurde, durfte man unter »jung« zugleich »experimentell«, »frech«, »verstörend« verstehen. Davon ist heute, zumal in den deutschsprachigen Ländern, kaum noch etwas zu bemerken. Ein großer Teil der Beiträge zum Forum ist thematisch belanglos und formal brav und konventionell. Es scheint sich in den Künsten wie in der Politik zu verhalten: Die alte Regel, dass man mit zunehmendem Alter konservativer werde, gilt nicht mehr. Es sind die Alten, die mit Regelverstößen irritieren. Der Nachwuchs hat sich, mit Ausnahmen, versteht sich, in den bestehenden Verhältnissen eingerichtet. So viel Einverständnis war selten. Kritik bewegt sich im engen Rahmen liberaler Selbstbestätigung. Formale Neuerungen überschreiten kaum je die vom Fernsehen und vom kommerziellen Film vorgegebenen Normen. Von THOMAS ROTHSCHILD
]]>Sand, Staub und Hitze. Aus ihnen besteht die erste der Wohnstätten, die Habiter/ Construire besucht. Vor dem Zeltlager spielen nackte Kinder mit Blechgeschirr. Das Trinkwasser wird in Plastikkanistern aufbewahrt. Ziegen und Kamele traben gemächlich an den Tuchbahnen zum Sonnenschutz vorüber. Eine Gruppe Feldarbeiter schneidet Muskelfleisch von einem Lamm und gart es über dem offenen Feuer. Von LIDA BACH
]]>»Ich hatte eigentlich nicht vor mitzumachen«, sagt Christian. »Aber vielleicht hilft es manchen anderen, aus meinem Leben Lehren zu ziehen.« Die meiste Zeit dieses Lebens hat der Sport- und Lateinlehrer sich versteckt. Vor Familie, Kollegen und auch ein bisschen vor sich selbst. Leicht scheint es dem 78-Jährigen nicht zu fallen, vor der Kamera darüber zu sprechen. Aber nun, da er pensioniert und die Zeit eine andere ist, hat er dennoch mitgemacht bei dem dokumentarischen Einblick, den Ringo Rösener und Markus Stein in ein missachtetes Kapitel deutscher Geschichte gewähren. Die mit Humor und jungenhafter Neugier der inhärenten Kontroverse der Thematik trotzende Lebensrückschau der Panorama-Dokumente fragt, wie es damals war Unter Männern – Schwul in der DDR. Von LIDA BACH
]]>»Ich bin keiner dieser Junkie-Penner, klar?«, sagt Leach (Warren Finnerty), als er vor die Kamera tritt. »Schaut euch mein Appartement an. Es ist sauber – abgesehen von diesen widerlichen Typen.« Diese sind Sam (Jim Anderson), Ernie (Garry Goodrow), Solly (Jerome Rapahel), Harry (Henry Proach) und die vier Musiker der Jazz Band. Sie lungern in der schäbigen Unterkunft herum und warten auf den Cowboy. Der Cowboy ist The Connection, Titelfigur des brillanten Beatnik-B-Movies, das Shirley Clarke im Rausch der Mainstream-Drogen »Medien« heraufbeschwört, Antiheld des doppelbödigen Cinema Faux Verité und Messias der Junkie-Protagonisten. Von LIDA BACH
]]>War je ein Genre des asiatischen Kinos geschaffen für dreidimensionale Effekte, so scheint es fernöstliche Variation des Abenteuermärchens, die Fantasy, Kampfaction und Romantik vereint in einem historischen Setting, das von klassischen Helden bevölkert wird. Ihr erster ist Zhou Huai'an. Ein ruchloser Gesetzloser für den unerbittlichen Kaiser, ein Beschützer der Witwen und Waisen für die einfache Bevölkerung, ein maßgeschneiderter Part für Action-Star Jet Li, der prototypische Held für das Publikum, all das ist der verbrämte Kämpfer - und dennoch nichts. Von LIDA BACH
]]>Der Goldene und Silberne Bär der BERLINALE 2012 sind an unsere Favoriten gegangen, nämlich ...
]]>Milos Formans bewegte Vita hat Spuren hinterlassen. Der oscar-gekrönte Regisseur macht keinen Hehl daraus, dass sein Lebenslauf und sein künstlerischer Erfolg in ursächlichem Zusammenhang stehen. »Ich habe immer davon geträumt, etwas Rebellisches zu tun, aber ich hatte nicht den Mut dazu. Also waren diejenigen, die sich trauten, meine Helden. Das ist ganz natürlich, wenn man rund 40 Jahre unter totalitären Regimes gelebt hat - zuerst unter den Nazis und dann unter den tschechischen Kommunisten«, erklärte Forman in einem SPIEGEL-Interview. Von PETER MOHR
Vom Traum ein Rebell zu sein Zum 80. Geburtstag des oscar-gekrönten Regisseurs Milos Forman am 18. Februar*Verschwörerische Passion regierte am Hofe von Versailles unter dem inszenatorischen Zepter Benoit Jacquots; distanzierte Kühle lässt Nikolaj Arcel über dessen dänisches Gegenstück walten. Das Konkurrenzwerk im WETTBEWERB der BERLINALE wirkt wie ein rationelles Vorkapitel des angespannten Kostümfilms, dessen Handlung historisch unmittelbar an die des filmischen Herrschaftskapitels anknüpft. Der dramatische Kontrast und die dramaturgische Kongruenz der gleichermaßen reiz- und geistvollen Schauspiele kündigt sich schon an, bevor das erste Bild auf der Leinwand erscheint und die ersten Worte ihn besiegeln. Von LIDA BACH
]]>»Ich bin allein«, notiert die Frau im trüben Nachmittagslicht auf ein altes Stück Papier. In winzigen Buchstaben beschreibt sie jedes Blatt, das sie finden kann, mit der Chronik ihrer Gefangenschaft. Die Frau (Martina Gedeck), deren gefasste Stimme die atmosphärischen Landschaftsgemälde von schroffen Berghängen und schwarzen Wäldern untermalt, hat keinen Namen. Was sollte sie mit einem Namen, den niemand zu nennen da ist? Hier oben in der Berghütte in Österreich, wo sie Freunde besuchte, gibt es nur sie und die paar Tiere, die mit ihr eingeschlossen wurden. Von LIDA BACH
]]>»Das Staunen über die Welt gehört den Kindern, aber das Staunen über die Kinder gehört den Erwachsenen.« Klingt irgendwie tiefschürfend. Besonders wenn es weiß auf schwarzer Leinwand eingeblendet wird, wie von Jan Speckenbach zu Beginn seines Spielfilmdebüts. Das heißt Die Vermissten und handelt von verschwundenen Kindern. Klingt irgendwie noch tiefschürfender. Die ersten Szenen scheinen sogar Vorzeichen, dass der mystisch eingefärbte Krimi in der Perspektive Deutsches Kino der BERLINALE genau das sein könnte. Von LIDA BACH
]]>Jenny wurde dann Pommesbeauftragte. Dazu muss man wissen, dass es in Apfelweingaststätten an sich keine Pommes Frites gibt. Pommes waren demnach etwas Infamöses. Jennys Grüne Soße war auch immer falsch in den Zutaten. Nicht, dass sie wenigstens die Musik hingekriegt hätte. In hundert Jahren nicht.
Eine Fortsetzungsgeschichte von TANJA und JAMAL TUSCHICK
]]>Seien Sie »beweglich, ungebunden, flexibel«, lassen Sie ihr Schulterzucken á la »Geht mich nichts an« sowie Ihren Wunsch nach leichtlebiger Unterhaltung mit Ihren Geldbeuteln an der Garderobe zurück und lauschen Sie konzentriert Kassandra und ihren Prophezeiungen: »Versteht es als Zeichen, wenn ihr nirgends mehr Liebe findet, und eure Familien sich selbst zerstören, wenn die lang gehegte Wirtschaftsordnung zerfällt und euer Rechtsstaat wie ein Glas zerbricht.« Mit Kassandra, Agamemnon, Aerope und Kafka, allesamt Figuren des Stücks, sind wir aus dem Schneider, könnte man meinen. Alter mythologischer Schuh oder notwendige Völckersche Verfremdung, um im Gewohnten das Reale und gleichzeitig Absurde freizulegen? Von VERENA MEIS
]]>Geige und Wind beginnen den milden Sommertag, an dem Rio durch den Wald zieht, und mit ihnen liegt noch etwas anderes in der Luft: Furcht. »Mitten in finsterer Nacht haben sie deinen Vater getötet, sein Grab haben sie versteckt, sein Herz ist unter Stein begraben. Lauf, Junge, lauf ...«, singen die Musiker auf der Beerdigung, zu der er nicht hinübersehen möchte. Nun sind es fünf. Fünf Familien, die ermordet wurden, alle, auch die Kinder. Rio (Layos Sarkani) läuft. Nicht zur Schule wie seine Schwester Anna (Gyöngyi Lendvai), sondern tiefer ins Dickicht zu der verlassenen Hütte. »Ein Geheimversteck«, erzählt er seiner Mutter Mari (Katalin Toldi). Von LIDA BACH
]]>In diesem Streifen rechnet sich der Ermittler noch halb zum Milieu und bringt zügelloses Leben in die Fahndungsabläufe. Alexander Bukow (Charly Hübner) war selbst kriminell, bevor er die Beamtenlaufbahn einschlug, und ist noch nicht wirklich zivilisiert. Der Einstieg: Ein Gefangenentransporter wird am hellen Tag von zwei Männern in Polizeiuniform überfallen, die den Gefangenen Kevin Schulz, der in zwei Wochen aus der JVA Waldeck entlassen werden sollte, brutal niedertreten. Die Ermittler stellen nur noch dessen Tod fest. Beim Versuch, die Täter zu stellen, wird Kommissarin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) lebensgefährlich verletzt, den Rest des Films liegt sie im Koma. Von WOLF SENFF
]]>»Das Allertraurigste ist Vorhersehbarkeit«, heißt es in Postcards from the Zoo einmal, dem traurigsten Film der BERLINALE des indonesischen Regisseurs Edwin, der auf der Pressekonferenz den traurigsten Satz sagt: »Ich habe selbst oft überlegt, ob ich nicht im Zoo leben soll.« Von allen Orten auf der ganzen Welt ist der Zoo der traurigste, und der traurigste aller Zoos ist der in Jakarta. Dort lebt die traurigste aller Filmfiguren, deren Postcards from the Zoo nie geschrieben wurden oder verlorengingen, genau wie die Protagonistin und die Zuschauer im traurigsten Zoo der Filmwelt. Von LIDA BACH
]]>»Das Glück. So viele Menschen suchen es, und so wenige finden es«, sagt der Geldverleiher im Hinterzimmer eines Kreditinstituts »Und was tun wir? Wir helfen den Menschen, das Glück zu finden.« Eine vernichtend zynische Wahrheit, wie sie immer wieder aufblitzt in Anja Salomonowitz sprödem Kabinettsfilm, liegt in dem Satz für den Spieler. Das Glück findet den verzweifelten Familienvater (Lukas Miko), der den Namen des Erzengels Gabriel trägt, in Gestalt der Ikonen-Malerin, die ihn für ein Porträt zu sitzen bittet. Alles habe er verloren, erzählt er der Fremden, die ihrerseits den Namen einer Heiligen trägt: Magdalena. Von LIDA BACH
]]>Schon der Titel reizt, und nicht nur die Neugier, widersprechen die Begriffe in ihrer Kombination doch allem, was wir in den letzten Jahren über Frauen in der arabischen Welt gelernt zu haben glauben. Die österreichische Journalistin und Cross-Culture-Coach Judith Hornok erschüttert mit ihrem großzügigst aufgemachten Bildband Moderne arabische Frauen. Die neue Generation der Vereinigten arabischen Emirate gründlich herkömmliche Überzeugungen. Von MAGALI HEISSLER
]]>Der Untergang des Abendlandes wird allseits beschworen. Weniger interessiert sein Aufstieg. Eben dort setzt der britische Historiker Niall Ferguson mit Der Westen und der Rest der Welt. Die Geschichte vom Wettstreit der Kulturen an. Statt in Untergangsstimmung zu verfallen schlägt er einen großen globalgeschichtlichen Bogen von der frühen Neuzeit bis in unsere heutigen Tage. Von JULIA MÜLLER
]]>Hilal Sezgin tauschte modische Boots gegen Gummistiefel, städtisches Stubenhocken gegen ein Leben auf dem Land, mit Tieren, weitem Blick auf Wald und Wiese, mit Jahreszeiten. In Landleben. Von einer, die raus zog erzählt sie vom Abenteuer, im ganz persönlichen Glück anzukommen. Von MONIKA THEES
]]>Diese Woche habe ich es mal so richtig krachen lassen. Dreimal war ich zu Gast bei einem Spitzenkoch der Extraklasse: ein Michelin-Stern, drei Hauben von Gault-Millau und vier Kochlöffel vom Schlemmer Atlas. Ich war bei Alfons Schuhbeck! Mein Kassler mit Chili-Wirsing aß ich im ICE 374 nach Frankfurt, an meinen Rindsrouladen würgte ich im IC 2026 nach Hagen und mein Linseneintopf rutschte mir in einer Kurve irgendwo im Sauerland auf die Hose. Wahnsinn, wie der Schuhbeck das schafft? Der arme Mensch ist ja wirklich irre viel unterwegs. Und obwohl die Mahlzeit in einem muffigen Bordrestaurant serviert wurde, muss man sagen, das Essen war gar nicht mal so gut. Und sogar ohne Geschmackverstärker, wie ich der beigelegten Broschüre entnehmen konnte. Sehr löblich, denn gerade den Chili-Wirsing musste man im Geschmack definitiv nicht weiter verstärken.
Eine Kolumne von PHILIPP WEBER
]]>Golden leuchtet in der Herbstsonne das Korn auf der Ebene des weißen Hirsches. Noch wiegen sich die Ähren nur sanft im Wind über der White Deer Plain, die Wang Quanan zum Symbolort seines bildgewaltigen Historienepos sublimiert. Doch sein immer heftigeres Wehen kündet von einem Sturm politischer, wirtschaftlicher und familiärer Umbrüche, der die Menschen der reichen Provinz knicken wird wie die Ähren. Sie sind Daseinsessenz und -ertrag der Protagonisten, deren Lebenskreislauf das epochale Zeitgemälde analog zum Naturkreislauf von Wachstum, Reife und Ernte und Dürre zieht. Von LIDA BACH
]]>Rockmusik wird immer mal wieder für tot erklärt, die Gitarre für obsolet. Mag man das auch manchmal glauben. Bis sich wieder mal Gänsehaut einstellt. Dann weiß man: tierisch. Gut. Rock! Drei aktuelle Beispiele, vorgestellt von TOM ASAM.
]]>Ähnlich fabelhaft und edel wie das letzte Einhorn im Märchenwald sind Motorpsycho seit Jahren die verlässliche Instanz für sagenhaft gute Musik. Nur eben real, wirklich und unverschämt cool! Von DAVID EISERT
]]>Wir hatten Hot Jazz, wir hatten Cool Jazz. Zeit für Subzero Jazz. Povarovo legen mit Tchernovik ein abstraktes, minimalistisches Album ab, kurz über Null Grad. Kelvin, natürlich. Von KRISTOFFER CORNILS
]]>Die Norwegerin Hanne Hukkelberg bleibt auch mit ihrem dritten Album interessant. Ihr Folk kümmert sich nicht um Erwartungshaltungen, gerade deshalb übertrifft sie alle Erwartungen ein weiteres Mal. Von TOM ASAM.
]]>So ein Subwoofer ist ein schönes Hilfsmittel. Entweder erleichtert es mit dem korrekten Timing, den tiefer gelegten VW Golf über Bremshügel zu katapultieren, um fix zur nächsten Zeltdisko zu gelangen. Oder aber er sorgt dafür, dass man Oren Ambarchis neuestes Album Audience Of One voll und ganz genießen kann. Von KRISTOFFER CORNILS
]]>Früher die Hälfte des Duos Tractile, jetzt als Minimal-Tramp alleine im eisernen Dreieck. Interessantes Debüt des jungen Kanadiers Joel Boychuk. Von TOM ASAM
]]>Richtig schnell kann nur der fahren, der seine Bremsen zu benutzen weiß. Alte Speed Freak Weisheit. Von DAVID EISERT
]]>Dieser Pilot ist kein Schönwetter-Purist. Der steigt auch bei Wolken auf und genießt seine Flucht aus der Reizüberflutung in gepflegter Melancholie. Von TOM ASAM
]]>Die britische Indiepop-Formation legt nach. E-Gitarre verträgt sich hier bestens mit akustischen Instrumenten – und Synthies. Von TOM ASAM
]]>Wiederveröffentlichung zweier weitgehend übersehener Minimal-Elektronik-Werke, deren surrealistische Klangabenteuer auch heute noch in keine Schublade passen. Eine Entdeckung, meint TOM ASAM.
]]>Steven Spielbergs Gefährten ist episches Gefühlskino der alten Schule: kitschig, überwältigend, behäbig, bombastisch und je nach Geschmack zum Dahinschmelzen oder Rausrennen. Von STEFAN VOLK
]]>Einmal Belgien-Burkina Faso bitte! Über die neuesten westafrikanischen Ausflüge des umtriebigen Ex-dEUS Bandbegründers Stef Kamil Carlens. Von MIRJAM STUTZMANN
]]>»Das launische Organ herrscht sowohl über den König als auch den Allmächtigen.« Das launische Herz herrscht über den Verstand und Filmkritik. Die Ahnung, meines gehöre Miguel Gomes Wettbewerbsfilm, hatte ich beim Anblick des Poster: eines Schwarz-Weiß-Films mit einem Krokodil drauf, das mit einem Auge aus dem Wasser guckt. Genau den Zuschauer an, als sähe es ihm ins Herz. Darunter steht »TABU«. Genau wie der Titel von Friedrich Wilhelm Murnaus Südsee-Film. Von LIDA BACH
]]>Oben ist der Himmel sonnig statt bezogen. Oben glitzert der Schnee in strahlendem Weiß statt matschig-grau. Oben haben die Leute Geld. Simon heißt der junge Hauptcharakter von Ursula Meiers harscher Fabel und er kennt sich aus, denn er ist ein Höhenkind: Le Enfant d´en Haute. Von LIDA BACH
»Du bist so wunderschön und weißt es noch nicht einmal«, sagt Angelinas Freund. »Du solltest Bilder machen lassen.« Er kennt jemanden der jemanden kennt, der ein paar Mädels sucht. »Für eine Website, 500 Dollar.« Von dem Geld sieht die junge Tochter einer Alkoholikerin nur die Hälfte, doch die unbefangene 18-Jährige, die ihre anfängliche Lolita-Rolle in der Erotikbranche mit dem Titelpseudonym unterstreicht, stellt sich den Spielregeln der Pornoindustrie ähnlich entschlossen wie Stephen Elliot der Filmregie. Sein in jeder moralischen und psychologischen Beziehung leichtes Porno-Potpourri verspricht das gleiche oberflächliche Vergnügen wie die ungeachtet ihrer konformen Attraktivität unangepassten Heldin: Cherry. Von LIDA BACH
]]>Die Intégrales, die edlen Gesamtausgaben französischer Comic-Klassiker, erreichen eine nach der anderen Deutschland. Fans der Ligne claire dürfen sich jetzt über die Hardcover-Version von Harry und Platte freuen. BORIS KUNZ hat sich mitgefreut.
]]>Mit Existenzen und andere Abgründe präsentiert Carlsen eine Werkschau älterer Comics des Gekiga-Pioniers Yoshihiro Tatsumi. Deren Lektüre bereitete CHRISTIAN NEUBERT großes Vergnügen – trotz des ausnahmslos ernsten Grundtenors.
]]>Es gab 5- und 10-Cent-Stores und elektrische Schaukelpferde, damals standen 19 vor dem Friseurgeschäft oder Zigarettengeschäft oder Getränkegeschäft oder irgendeinem der anderen Einzelgeschäfte, die es damals anstelle von Einkaufspassagen gab, und sie zum Schaukeln zu bringen kostete auch nur zehn Cent. Männer schlossen Geschäfte mit einem Händedruck ab, Frauen hatten Dauerwellen härter als Zement und Herzen weicher als Butter, und sie waren Hausfrauen, wenn sie weiß waren und Hausmädchen, wenn sie schwarz waren in einer Kleinstadt im Alabama 1969, wo Billy Bob Thornton eine Runde in Jayne Mansfield´s Car dreht. Von LIDA BACH
]]>»Nicht die Ware beschädigen!«, befiehlt Moreno seinem Wachhund, der aufpasst, dass die Beute der weißen Kolonialherren nicht entkommt. Die Beute kann sprechen und trägt die Namen Maki und Soula. Doch der zehnjährige Junge und das kleine Mädchen entfliehen der Gewalt des Sklavenhändlers, der nicht nur hinter Maki her ist. Noch wertvoller ist für ihn die junge Giraffe Zarafa. Ihrer Mutter hat Maki geschworen, sie zu beschützen. Und mit dem Ägypter Hassan und dem Ballonfahrer Malaparte setzt er alles daran, sein Wort zu halten. Von LIDA BACH
]]>Winter ist die Zeit für Melancholie und Gejammer. Es ist kalt, dunkel und überhaupt - widerlich. Für PETER KLEMENT genau die richtige Zeit, um wehmütig ins All zu blicken.
]]>Wie viel Platz ist auf einer Bühne voller Stars? Tekken steht da vorne rechts, gleich daneben Street Fighter … und wer ist das da? Ah, dieser Virtua Fighter! Selbst die zweite Reihe ist wieder einmal voll besetzt und macht Stimmung: BlazBlue: Calamity Trigger oder Marvel vs. Capcom! Doch da meldet sich das dämonischste aller Breitschwerter der Szene zurück – RUDOLF INDERST sieht sich Soul Calibur V an.
]]>Dancas Ocultas, das sind vier junge Akkordeonisten aus dem Norden Portugals, die sich in den letzten Jahren einen festen Platz an der Spitze der europäischen Weltmusikszene erspielt haben. Und das mit einem denkbar einfachen Konzept: ruhige, lyrische und doch moderne Interpretation traditioneller Musik, dargeboten mit nichts weiter als vier diatonischen Akkordeons. Mit Alento erscheint nun auf Iplay (Galileo Music Communication) eine gelungene Zusammenstellung der besten Momente der vier Studio-Alben von Dancas Ocultas, auf der man die Entwicklung der Band bestens nachverfolgen kann.
»Für Menschen sind Lebensläufe die Behausung, wenn draußen Krise herrscht. Alle Lebensläufe gemeinsam bilden eine unsichtbare Schrift. Nie leben sie allein. Sie existieren in Gruppen, Generationen. Staaten, Netzen. Sie lieben Umwege und Auswege«, heißt es im pünktlich zum 80. Geburtstag des künstlerischen Universaltalents Alexander Kluge im Suhrkamp Verlag erschienenen opulenten Band Das fünfte Buch – die Fortschreibung seiner umfangreichen Kompendien-Reihe, die vor 12 Jahren mit dem assoziativen Mammut-Epos Chronik der Gefühle begonnen hatte. Von PETER MOHR
]]>Alle, die jung und bleich sind
kennen das neue DEICHKIND.
Ü-30 Kadaver: Achtung, weil
BEFEHL VON GANZ UNTEN:
reinhören! Leider geil.
(T.A.)
Interessant und ein Stimmfest. Von HANS-KLAUS JUNGHEINRICH
]]>»Sind wir glücklich?«, fragt Daniel seinen Vater, den Blick in den Nachthimmel gerichtet. »Warum müssen dann diese Menschen kommen?« Die Menschen sind die neue Frau (Agata Roca) seines Vaters, sein Stiefbruder Mario (Pedro Miuno) und dessen Schwester. Die grausamen Spiele der Jungen mit Clara (Cristina Azofra) sind nicht so trügerisch unschuldig, wie der englische Titel des gespenstischen Dictado, Antonio Chavarrias düsterem Wettbewerbs-Beitrag, raunt: Childish Games. Von LIDA BACH
]]>»Du hast mich aufgeweckt«, sagt Natascha und steigt aus der Bodenluke. »Also bist du doch noch zur Arbeit gegangen.« Wolfgang sieht sie nur mit seinen ausdruckslosen Fischaugen an und schweigt. Dieses Schweigen verwirrt das junge Mädchen, das den ungelenken Mann als einen nach Achtung und Beachtung Gierenden kennt. »Stimmt etwas nicht?« Alles stimmt nicht, denn Natascha heißt Gaelle (Agathe Bonitzer) und der Entführer (Reda Kateb), der sie acht Jahre bei sich einsperrt, sagt: »Nenn mich Vincent.« Die Handlung »soll in keiner Weise die Leben realer Personen darstellen oder interpretieren«, behauptet ein Vortext, der annimmt, nach sechs Jahren sei der Fall Kampusch aus dem Gedächtnis der Zuschauer gelöscht. Von LIDA BACH
]]>Journalistische Glanzstücke vom späten Dickens. Von WOLFRAM SCHÜTTE
]]>Ihr Debütroman Scherbenpark war in der Sparte Jugendbuch zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2009 nominiert, ihr zweites Werk Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2010. Nun hat die 1978 in Russland geborene Alina Bronsky ein neues Projekt in Angriff genommen. ANDREA WANNER freute sich auf den Trilogie-Auftakt Spiegelkind.
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