Schweizerinnen auf dem Vormarsch?!?
Wer fällt Ihnen ein, wenn Sie an starke Schweizer Frauen denken? Wenigstens irgendeine Frau? Frau? Fühlen Sie sich nicht zu schlecht, wenn Ihnen zu dem Land, in dem die Frauen erst 1971 das Stimm- und Wahlrecht erhielten, nicht spontan eine Reihe von Namen einfällt. Füllt doch, laut dem Vorwort der Journalistin Margrit Sprecher, der schmale im Limmat Verlag erschienene Band eine Lücke. ANDREA WANNER hat sich den »Schweizer Geschichtsunterricht der besonderen Art« näher angeschaut.
Der sanfte Aufklärer
Albrecht Puhlmann ist Unrecht geschehen. Er hatte das Pech, dass ein paar selbstverschuldete Fehler und ein paar Schnitzer, wie sie an jedem Theater passieren, just zu einem Zeitpunkt zusammenkamen, als sein Vertrag vor der möglichen Verlängerung stand. Gleich danach lieferte er eine Serie von Leistungen, mit denen sich die Stuttgarter Oper im nationalen und internationalen Vergleich sehen lassen konnte. Für Puhlmann persönlich ist die Entlassung eine berufliche und menschliche Tragödie. Aber wen interessiert schon das Schicksal eines in Misskredit Geratenen. Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg ist ein Waisenkind. Und das Publikum ist hartherzig. Von THOMAS ROTHSCHILD
Nährboden des braunen Terrors
Wer je vom Nazistaat gehört hat, kennt den Namen Horst Wessel. Den einen fällt das von ihm getextete, nach ihm benannte SA-Kampflied (Die Fahne hoch!) ein. Andere haben Bilder von notorischer Randale zwischen Rechten und Linken im Hinterkopf, die Ende der 20er Jahre auf Berliner Straßen öfter auch mal tödlich ausging. Von Goebbels zum multimedial orchestrierten Mythos verklärt, war Wessel nach 1945 Objekt kompletter Verdrängung oder neonazistischer Begierden, aber kaum der seriösen Forschung. 2009 erschien endlich die glänzende, detailreiche Biographie des Historikers Daniel Siemens, Horst Wessel – Tod und Verklärung eines Nationalsozialisten, jetzt hat Siemens gemeinsam mit dem Historiker Manfred Gailus ediert, was Wessel an eigener Inszenierung hinterlassen hat, »Hass und Begeisterung bilden Spalier« Die politische Autobiographie von Horst Wessel. Von PIEKE BIERMANN
Abenteuer Grimmelshausen
Riecht das zart nach einer Renaissance des größten Romanciers deutscher Zunge? Seit 2005 erscheinen bei Suhrkamp / Insel wohlfeile Taschenbuchausgaben der von Dieter Breuer betreuten Grimmelshausen-Werkausgabe und des Abenteuerlichen Simplicissimus. 2009 bringt Die Andere Bibliothek Reinhard Kaisers vielgepriesene Übertragung ins neuere Deutsch heraus, Ende 2011 folgt ebenda Grimmelshausen. Leben und Schreiben. Vom Musketier zum Weltautor – eine neue, von Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz verfasste Biographie. Beide Ausgaben sind preislich zwar noch nicht für ein großes Publikum offen, aber das muss ja nicht so bleiben. Zumal Die Andere Bibliothek Ende 2011 von Eichborn zu Aufbau umgezogen ist. Von PIEKE BIERMANN
»Zwischen mir und dem Vaterhaus liegt das Abenteuer«
Wenn man überhaupt etwas über Frida Strindberg weiß, dann sind es die pikanten Details ihrer dramatischen Ehe mit dem »Frauenhasser« August Strindberg, die mit der Scheidung und in Unfrieden endete. Bisweilen findet auch ihre Liaison mit dem Dramatiker Frank Wedekind Erwähnung, auch diese nicht weniger zermürbend für diese Frau, die sich vornehmlich für männliche Künstler mit unübersehbarem Hang zu Egozentrik und Misogynie aufopferte. Dementsprechend marginal ist Frida Strindbergs Rolle in der europäischen Literaturgeschichte: Als Verfasserin zahlreicher Feuilletons, Literaturkritiken und begnadete PR-Frau findet man sie in keiner Sparte einschlägiger Nachschlagewerke. Diesen undankbaren Status will Friedrich Buchmayr mit Madame Strindberg: oder die Faszination der Boheme ändern. Von SVENJA HOCH
Komm! Ins Offene, Freund!
Der Germanist und Historiker Thomas Knubben kennt seinen Hölderlin in- und auswendig. So sehr, dass er auf dessen Spuren eine legendäre Winterreise heraufbeschwört. Von INGEBORG JAISER
Leben, Gesellschaft, Theater
Esther Slevogt hat ein dickes Buch geschrieben über einen Theatermann, dessen Name jedem DDR-Bürger vertraut war und den man in den Jahren des Kalten Krieges im Westen kaum zur Kenntnis nahm: Wolfgang Langhoff, der Vater von Thomas und Matthias Langhoff. Von THOMAS ROTHSCHILD
Anleitung zum Zusammensein
Im Grunde genommen ist jedes Paar in seiner Einzigartigkeit ein Sonderpaar. Jenseits von Alter, Herkunft, Religion und Geschlecht. Die Autorin Christine Haiden und die Fotografin Petra Rainer porträtieren eine Auswahl außergewöhnlicher Beziehungen und ihrer Geheimnisse. Von INGEBORG JAISER
Gefährlich leben
Künstler sind immer besonders, aber Hans Neuenfels ist – ohne Zweifel – besonders besonders. Als Schauspiel- und Opernregisseur polarisierte der heute Siebzigjährige Publikum und Fachwelt. Indem er seinen Lebenserinnerungen den Titel Bastardbuch gab, verlieh er sich das Prädikat eines Nichtangepassten, eines Unzugehörigen, gar eines Ungehörigen, gleich selbst. Sicher ist auch ein wenig Theaterpose dabei. Doch hinter der Selbststilisierung steckt der unerbittliche Ernst einer beispiellosen Kunstbesessenheit. Eine (existentialistische) Haltung, die das Leben prägt. Ein »gefährliches« Leben jedenfalls, nach der Formel Nietzsches. Da kann der Anschein bürgerlicher Geordnetheit täuschen. Von HANS-KLAUS JUNGHEINRICH
Träumen, schreiben, zeichnen: Die Traumprotokolle der Meret Oppenheim
Wer kennt sie nicht: die berühmte Pelztasse (1936) von Meret Oppenheim. Oder den Tisch mit Vogelfüßen, eine weitere Ikone surrealistischer Objektkunst. Ihre Werke sind in allen wichtigen Ausstellungen zur Kunst des Surrealismus vertreten und derzeit u.a. in der groß angelegten Überblicksschau Surrealismus in Paris der Fondation Beyeler bei Basel (bis 29. Januar 2012) zu bestaunen. Die kleine und feine Neuauflage ihres Buches Träume. Aufzeichnungen 1928-1985 lässt die Schweizer Künstlerin aus dem Dunstkreis der Surrealisten heraustreten, indem es mit den Traumprotokollen eine essentielle Quelle für das Verständnis ihres eigenwilligen Lebens und Werks aufdeckt. Von ANNA-LENA KRÄMER
Der Solidarsolitär
Zelebritäten gehören angezweifelt. Das ist nun mal ihr Beruf. Die meisten implodieren nach gründlicher Prüfung von selbst, mitsamt ihrem Sockel. Kaum jemand in der Welt der veröffentlichten Meinung hat die Prüferei so schonungslos betrieben wie Christopher Hitchens, kaum jemand hat deshalb einen so verlässlich guten schlechten Ruf – als »ewiges Enfant terrible«, »geistiger Pyrotechniker«, »einer der letzten der aussterbenden Gattung der public intellectuals«. Inzwischen ist er selbst seit über einem Jahr todkrank, hat aber bisher jede Deadline schnöde ignoriert. Gerade mischt er in seinem Blog die neuesten Fronten auf – in Sachen Libyenkrieg, iranisches Mordkomplott gegen Saudis in den USA. Bei uns ist jetzt sein vorletztes Buch erschienen. Von PIEKE BIERMANN
Schuldig, aber frei
John Demjanjuk ist über 90 Jahre alt. Seit Ende der 1970er Jahre steht er immer wieder vor Gericht und wird verurteilt. Was aber bedeutet eine Gefängnisstrafe für einen Greis? Ist sie nicht immer zu hoch, angesichts seines Alters und auch der Jahre, die Demjanjuk ohnehin schon im Gefängnis verbracht hat? Und sind die von der Münchner Staatsanwaltschaft geforderten fünf Jahre Freiheitsstrafe nicht viel zu wenig, angesichts der grauenhaften Taten, die offiziell »Beihilfe zum Völkermord« heißen? Diese Fragen versucht Heinrich Wefing in Der Fall Demjanjuk zu beantworten. Von SVENJA HOCH
Die Intimität der Distanz
Natalia Ginzburg prägte das intellektuelle Leben Italiens seit den späten 1940er Jahren ebenso nachdrücklich, wie das politische und intellektuelle Leben Italiens seinerseits sie beeinflusste. Eine eigenständige, eher spröde Persönlichkeit und meisterliche Beherrscherin der Sprache, ist Ginzburg alles andere als leicht nahezukommen. Mit der Wiederauflage Maja Pflugs Lebensbeschreibung Natalia Ginzburg. Eine Biographie ehrt der Wagenbach Verlag gleichermaßen die Autorin, wie er noch einmal an die Schriftstellerin erinnert, die heute vor 20 Jahren in Rom starb. Von MAGALI HEISSLER
Einer flog über das Wolkenkuckucksheim
Hesse und Hemingway, Fassbinder und van Gogh galten als manisch-depressiv. Auch der künstlerisch tätige Theaterdramaturg Sebastian Schlösser wurde von der tückischen Krankheit eingeholt. Mit Lieber Matz, Dein Papa hat 'ne Meise schrieb er rührende Briefe über seine Zeit in der Psychiatrie. Von INGEBORG JAISER
Von wegen bieder! Frauenliebe im 19. Jahrhundert
Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens-Schaaffhausen leiden – wie so viele Frauen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert als Wissenschaftlerinnen, Salonières oder Schriftstellerin einen Namen gemacht haben – auch heute noch unter wissenschaftlicher Vernachlässigung und finden auch im populären Diskurs kaum statt. Angela Steidele hat mit der Geschichte einer Liebe beiden Frauen ein Buch gewidmet, eine fundierte Untersuchung sowohl ihrer Lebensläufe als auch ihrer gewählten Lebensform: der lesbischen Liebe. Von SVENJA HOCH
In der Weite liegt die Kraft
»Das Meer und die Berge rufen, die Wüste fasziniert« – findet Florence Hervé. Zusammen mit dem Fotografen Thomas A. Schmidt hat sie in mehreren Erdteilen Frauen der Wüste besucht, begleitet und porträtiert. Von INGEBORG JAISER
Der Zaunkönig in seinem Distelnest
Paul Léautaud beobachtet in seinem Kriegstagebuch 1939-1945 die Franzosen unter der Wehrmacht. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Ein unspektakuläres Musikerleben
Man glaubt, ein Bändchen der rororo-Monographien in der Hand zu haben, aber Christoph Schwandts Bizet-Biographie ist, wie auch diejenige über Janácek vom selben Autor, Bestandteil einer (vorerst) kleinen Komponistenreihe des Mainzer Schott-Verlages. Der erste Eindruck trügt vielleicht auch deshalb nicht, weil Schwandts Bizetbuch 1991 schon in der Rowohltserie ediert worden war. Im Schott-Kontext mit etwas weniger knapp bemessenem und formalisiertem Umfang konnte nun eine nicht bloß aktualisierte, sondern auch erweiterte Version präsentiert werden. Von HANS-KLAUS JUNGHEINRICH
Familienlegenden und Wahrheiten
Keine Dynastie in der arabischen Welt hat sich als so schreibfreudig erwiesen wie die der Herrscher von Jordanien. Wie sein gleichnamiger Urgroßvater, der erste König Abdullah, Großvater Talal und Vater Husein hat nun auch der seit 1999 regierende König Abdullah II. seine Autobiografie veröffentlicht, diese mit dem Titel Die letzte Chance. Von PETER BLASTENBREI
Zeitgenössische Betrachtungen eines Unzeitgemäßen
Franz Overbeck war Nietzsches bester Freund. Nach dem Tod des Philosophen hat er seine Erinnerungen an ihn einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies geschah 1906. Nun liegt diese Aufzeichnung zum ersten Mal als Buch vor. Von CHRISTIAN NEUBERT
Moderne Kosmopolitin
Caroline von Humboldt ist nicht nur liebende Mutter und kluge Ehefrau, sondern auch Weltenbummlerin und Mäzenin. Dagmar von Gersdorff porträtiert eine selbstbewusste Frau, deren Anschauung über Freiheiten in der Ehe und im Leben weit über die Postmoderne hinausweisen. Von SVENJA BRÜCK
Nicht immer quick and dirty
In Krimis ist der Tod meist eine saubere Sache: hier ein telegenes Einschussloch an der Schläfe, dort ein rot durchgefärbtes (aber größtenteils noch weißes Hemd), schlimmstenfalls mal eine Blutlache, genau abgezirkelt. Im wirklichen Leben kommt das Sterben oft wenig formschön daher. Wie, das wissen Polizei- und Rettungskräfte, Feuerwehrleute – und Menschen wie Peter Anders. Er ist Tatortreiniger und beschreibt in Was vom Tode übrig bleibt seine Arbeit. Von ANNETTE CHRISTINE HOCH
Musikbiographisches Junkfood
Mund- und termingerecht serviert Oliver Hilmes Liszt – Biographie eines Superstars. HANS-KLAUS JUNGHEINRICH hat einen Bissen gekostet.
Auf eine letzte Gitanes mit dem Thin White Duke!
Marc Spitz und sein persönlicher Blick auf David Robert Jones. Von STEFAN HEUER
Copy and Paste
Konstantin Simonides war der geschickteste, schamloseste Fälscher alter Handschriften im 19. Jahrhundert. In Die Odyssee des Fälschers folgt Rüdiger Schaper Spuren des geheimnisvollen Griechen, der einst Sammlerherzen betörte, Museen eroberte und bis zu seinem Verschwinden durch die europäischen Metropolen wirbelte. Von MONIKA THEES
Staunen und Schrecken der Welt
Olaf B. Rader schält Stauferkaiser Friedrich II. aus Mythos & Nachrede.
Von WOLFRAM SCHÜTTE
Zeitgeschichte mit Rauhaardackel
Es gibt, vereinfachend typisiert, zwei Arten von lesenswerter Memoirenschreiberei. Die eine stellt geistreich ihr Licht unter den Scheffel, die andere lässt es geistreich funkeln und leuchten. Pavel Kohouts Wälzer, der im Untertitel Erlebnisse – Erkenntnisse verspricht, gehört ganz entschieden zur zweiten Kategorie. Daran lässt schon der Haupttitel, Schwejk’sche Ironie hin und her, keinen Zweifel: Mein tolles Leben mit Hitler, Stalin und Havel. Angesagt ist also ein biographisches Stück vor großen Kulissen. Schrille Wehmut und bleibende Erkenntnisse entdeckt HANS-KLAUS JUNGHEINRICH.
Der Polarisierer
Der Frontmann von Wikileaks polarisiert. Den einen gilt Julian Assange als Weltverbesserer, anderen als Verräter. Welche Rolle man ihm auch zuschreiben mag - mit seiner Whistleblower-Webseite hat er Geschichte geschrieben. Kathrin Nord und Carsten Görig skizzieren in Der Mann, der die Welt verändert seinen Werdegang. JÖRG FUCHS folgt ihnen von Australiens Ostküste bis in englische Gefangenschaft.
Schaut mir in die Augen!
Es sind diese Augen, unglaublich schwarze, durchdringende Augen. Sie blicken so ernst und arrogant auf den Betrachter, dass man beschämt versucht ist, die Toten ruhen zu lassen. Ist es denn erlaubt, in ein Leben einzutauchen, das nicht erforscht werden wollte? Pünktlich zum 150. Geburtstag zieren Rudolf Steiners Augen gleich drei neue Biographien (Miriam Gebhardt: Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet / Heiner Ullrich: Rudolf Steiner. Leben und Lehre / Helmut Zander: Rudolf Steiner. Die Biografie). Die Klappentexte sprechen von Weleda-Kosmetik, Waldorfschulen, biologisch-dynamischer Landwirtschaft und ganzheitlicher Medizin. Dem allen können wir skeptisch gegenüber stehen, aber unsere Meinung wird dazu, siehe Dioxin-Skandal, fast täglich gefordert. Von VIOLA STOCKER
Mammutbäume, Regenwürmer und der Heilige Gral
Das Glück, sich ganz und gar in einer Sache zu verlieren, wird nicht jedem zuteil. Er muss es suchen, auch finden. In Der Rosinenkönig folgt der schwedische Schriftsteller und Biologe Fredrik Sjöberg mit Hingabe den irrlichternden Spuren eines fast vergessenen Genies, des Sonderlings und Naturforschers Gustav Eisen. Von MONIKA THEES
Klug, nüchtern, feinsinnig
Der Dirigent Christoph von Dohnányi, vornehmlich in Selbstzeugnissen, herausgegeben von Klaus Schultz. Von HANS-KLAUS JUNGHEINRICH
Menschen aller Länder - lest mich! Schon wieder!
Rolf Hosfeld hat erneut eine Karl-Marx-Biographie verfasst und begibt sich damit auf schwieriges Terrain. Marx ist wohl einer der linken Lieblingsintellektuellen der Deutschen und wird nach wie vor sehr kontrovers aufgenommen. Entsprechend ausgiebig erfolgte die Rezeptionsgeschichte und entsprechend umfangreich fiel die Zahl der Veröffentlichungen zum Thema aus. Selbst Hosfeld hat bereits vor einem Jahr eine Marx-Biographie vorgelegt. Was also kann die nun erschienene Biographie? Von VIOLA STOCKER
Der Typ im Zentrum
Wer sein erstes Soloalbum Birth of Cool nennt, ist entweder ein Genie oder verrückt. Miles Davis war beides, fein abgeschmeckt mit unerbittlicher Coolness. Wolfgang Sander hat eine exzellente Biographie des Ausnahmemusikers vorgelegt, die viel mehr ist als nur das Bekenntnis eines Fanboys. JAN FISCHER hat sie gelesen.
Daheim bei Gustafssons
Er gehört unter den Schriftstellern zu jener literarischen Spezies, die durch hell leuchtende Intelligenz, enzyklopädisches Wissen und spielerischen Witz in ihren Romanen, Erzählungen, Gedichtbänden und Essays ebenso zu bezaubern wie zu faszinieren versteht. Gemeinsam mit seiner Frau verfasste er ein Handbuch für das Leben. Von WOLFRAM SCHÜTTE
West-östliche Melancholie
Hinter dem transparenten Schutzumschlag wirkt sein Gesicht verschwommen, aber wenn man die Hülle abnimmt, erblickt man auf dem Pappdeckeleinband ein ungemein sprechendes, scharf konturiert schwarzweißes Porträtfoto. Von HANS-KLAUS JUNGHEINRICH
Deutsch-jüdisches Dirigentenleben, abgeknickt
Eva Weissweilers Otto-Klemperer-Biographie. Von HANS-KLAUS JUNGHEINRICH
Die lange, dunkle Nerd Night der Seele
Dieser Band ist ein Beispiel dafür, wie man über das Populäre reden kann. Von JAN FISCHER
Salzburg am Meer
Zuerst sagte Neil Shicoff ab. Der amerikanische Star, der die Titelrolle in Benvenuto Cellini singen sollte, war von der österreichischen Kunstministerin bei der Besetzung des Direktorspostens an der Wiener Staatsopern schnöde übergangen worden, den ihm der Bundeskanzler in einem sonderbaren Verständnis von Demokratie zuvor versprochen hatte. Gekränkt wollte Shicoff auch mit Salzburg nicht mehr zu tun haben ... Von THOMAS ROTHSCHILD
Mehr Schopenhauer im Speziellen, mehr Philosophie im Allgemeinen
Arthur Schopenhauer zählt zu den populäreren Denkern, die man auch ohne gezieltes akademisches Interesse in seiner Freizeit liest. Von JOSEF BORDAT
Ins Gelingen verliebt oder: Was ich getan habe
Der Verleger Siegfried Unseld verfasst seine “Chroniken”. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Der kritisierte Kritiker
Merkwürdig ist es schon. Welchen Hass, welche Wut vermag ein Kritiker wie Gerhard Stadelmaier auf sich zu ziehen. Mit welchem Eifer wird er beschimpft und begeifert. Wie milde wird im Vergleich dazu mit der maßstablosen Kritik von Abiturienten umgegangen, mit den landauf landab nachgedruckten Rezensionen von dpa-Korrespondenten, denen ein Repertoire von maximal dreißig Attributen zur Verfügung steht und die es kaum schaffen, zwei korrekte deutsche Sätze in Folge zu formulieren. Von Stil wagen wir gar nicht zu sprechen. Wir sind ja schon zufrieden, wenn die Grammatik beherrscht wird. Von THOMAS ROTHSCHILD
Prädikat ,,Gutmensch"?
Jane Goodalls milde lächelndem Gesicht in diesen Tagen zu entkommen fällt schwer, kaum eine Zeitschrift oder Zeitung lässt den Filmstart von Jane´s Journey unkommentiert. Da darf das Buch zum Film nicht fehlen, oder? Von BEATE MAINKA
Zur Verbesserung der Welt beitragen
Die “Politischen Lehrjahre” des Verlegers André Schiffrin. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Weit, weit weg
Dieses Projekt entstammt einer kraftvollen Idee: mit einem Schiff die Donau hinab bis zum Schwarzen Meer zu fahren, um mit Musikern aus den Anrainerländern Konzerte zu veranstalten. Der oberösterreichisches Künstler Hubert von Goisern hat das scheinbar Unmögliche realisiert – und ein umfangreiches Logbuch seiner Reise verfasst. INGEBORG JAISER ist seinem Traum gefolgt.
Ein Meister in neuem Licht
Das Bild dieser zentralen Geistesgröße des Mittelalters ändert sich. Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zwingen zum Umdenken. Kurt Flasch zieht Bilanz. Von FRANK KAUFMANN
Disney von hinten
Für Prosa nicht literarisch genug, für ein Sachbuch nicht gehaltvoll genug, für Voyeurismus nicht explizit genug, meint JAN FISCHER nach dieser Lektüre.
Der `Tod des Autors´
Roland Barthes Tagebuch erscheint inmitten einer Konjunktur des Privaten. Noch nie wurde der Buchmarkt mit so vielen Tagebüchern, Offenbarungen und Beichten überschwemmt; noch nie wurde das Intime, Profane und Banale so gefeiert. Ob schonungslos ehrlich oder narzisstisch inszenierend, es scheint, der öffentliche Raum ist begierig danach, dem Intimen seine Absolution zu erteilen. Kritischer Einwand gegen solchen Konsum wird erstickt in der Befriedigung voyeuristischer Gelüste. Von ANDREA SAKOPARNIG
Kinds- & Penidenkopf
Der Biograf, der sich vornimmt, das Leben eines herausragenden Romanciers erzählend darzustellen, steht natürlich in Konkurrenz zur überlegenen Kunst des von ihm zu Porträtierenden. Er hat Glück, wenn er – als Verlierer von Beginn an – sich dennoch gut aus der Affäre zieht. Johannes Willms hat in dieser Hinsicht eine lesenswerte Stendhal-Biografie geschrieben, findet WOLFRAM SCHÜTTE.
Der "Mozzer" gibt Auskunft zu Leben und Werk
Manchmal spürt man sofort, dass man etwas Bedeutsames in den Händen hält: das "Low"-Album von David Bowie, "big science" von Laurie Anderson, die beiden LPs der Nina Hagen Band - das alles Beispiele für Produktionen, die seinerzeit geeignet waren, STEFAN HEUERS Sozialisation auf musikalischem Gebiet voranzutreiben. Und eben auch das 1984 erschienene Debüt-Album der Smiths, mit dem die Stimme von Morrissey und das unverkennbare Gitarrenspiel eines Johnny Marr in sein noch junges Leben traten: eine Offenbarung mit nachhaltiger Wirkung!
Der scherzartikelsammelnde Hühnerbaron
Es gibt Prominente, die der geneigte Medienkonsument aufgrund ihres Auftretens in der Öffentlichkeit zu kennen glaubt. Hans-Peter Kerkeling, der immer und überall Faxen machende Entertainer, war so ein Beispiel, bis er irgendwann mit seiner Wanderlust überraschte und/oder in ernsthaften Fernsehrunden auftauchte und über den Sinn des Lebens philosophierte. Auch die inzwischen zum Allgemeingut zählende "kaiserliche Lichtgestalt" Franz Beckenbauer, von dessen Stehvermögen auf vereinsinternen Weihnachtsfeiern zumindest so einige überrascht waren. Und auch bei Bernhard Grzimek hatte man durch seine gefühlte Dauerpräsenz auf bundesdeutschen Bildschirmen den Eindruck, viel über ihn zu wissen ... Von STEFAN HEUER
Abenteuer Vipassana
Wer meint, Vipassana-Meditation sei nur etwas für Esoterikfans, wird durch den literarischen Reisebericht von Andreas Altmann eines Besseren belehrt. Fernab jedes religiösen Hokuspokus und mit beiden Beinen im Leben stehend, begibt er sich in die Stille, wo das eigentliche Abenteuer auf ihn wartet: das Abenteuer des eigenen Geistes. Von FRANK KAUFMANN
Back in the good old world
Eine Biografie zu schreiben beziehungsweise schreiben zu lassen, ist etwas durchaus Legitimes, vor allem dann, wenn der Porträtierte auf lange Jahre künstlerischen, politischen oder wie auch immer gearteten Schaffens zurückblicken kann. Eine Biografie zu schreiben beziehungsweise schreiben zu lassen, ist aber auch die größte etablierte Unart unserer Zeit, vor allem dann, wenn der Porträtierte gerade die Pubertät beendet hat und bis dato kaum einen einzigen sinnvollen Gedanken zu fassen im Stande war. Tom Waits zu sein und Biografien scheiße zu finden, ist legitim und trotzdem eine Unart, findet ANICA RICHTER.
Die Frau, die ihr Zittern mit einer Krankheit verwechselte
Von der glamourösen Erfolgsschriftstellerin zu einem schlotternden Häuflein Elend – Siri Hustvedts neues Buch ist schonungslos offene Lebensbeichte, minuziöser Krankheitsbericht und wissenschaftliche Abhandlung in einem. Von INGEBORG JAISER
Eine gehörige Portion Galgenhumor
„Arbeitslager waren nicht zum Überleben gedacht. Um zu überleben, brauchte man eine gewisse Findigkeit, Freunde, hier und da einen Akt der Güte und vor allem – Glück“, meint Anatol Chari. Er muss es wissen, schließlich hat er es geschafft. Von CHRISTIAN NEUBERT
For those about to rock
Mit Unter Genies blickt ein Großer des Musikbusiness auf vier Jahrzehnte voller Sex, Drugs & Rock´n´Roll zurück – und klingt dabei an keiner Stelle so abgedroschen wie die eben gebrauchte Floskel, um die CHRISTIAN NEUBERT partout nicht herumkommen wollte.
This is your captain speaking!
Rot steht für Hölle und Krankheit, Türschwellen stellen ein unüberwindbares Hindernis dar und manche Bewegungen können nur im 45-Grad-Winkel absolviert werden. Wer könnte die Innenansicht eines Touretters besser beschreiben als ein Betroffener? Von INGEBORG JAISER
Weimaraner Gipfeltreffen
Rüdiger Safranski hat wieder zugeschlagen! Nachdem schon der 200. Todestag Friedrich Schillers in der literarischen Nachbereitung von Safranski dominiert wurde, scheint auch die Feier des 250. Geburtstags des Dramatikers nicht ohne ihn vonstatten gehen zu können. Und wieder irrt das kaufende Publikum nicht: Goethe und Schiller ist eine höchst vergnügliche Studie. Von SEBASTIAN KARNATZ
Der Mantel der Großartigkeit
Hugh Trevor-Roper erzählt vom genialen Fälscher Edmund Backhouse. Von GEORG PATZER
Lass mich mit Deutschland in Frieden
Vor acht Jahren starb der Schriftsteller Thomas Brasch im Alter von nur 56 Jahren. Brasch, der 1977 aus der DDR in den Westen ging und dort als jemand gefeiert wurde, der er nicht sein wollte, rang den Zuständen auf beiden Seiten des geteilten Deutschlands ein literarisches Werk ab, das nur noch wenige Leser kennen. Die nun erschienenen Interviews zeigen ihn als Dissidenten wider Willen, als Übersetzer aus Not und als Seismographen des eigenen Schreibens. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN
Bob, der Lichtbildner
Einer der bedeutendsten Fotoreporter Deutschlands erzählt die Stationen seines Lebens, gibt Einblick in sein umfangreiches Schaffen und seine unermüdliche Jagd nach Bildern. Von INGEBORG JAISER
Neues vom Alleskönner
Vegetarier, Lebensschützer und Erfinder von Kriegsmaschinerie, Maler, Architekt und Wissenschaftler – Leonardo da Vincis Vielseitigkeit und die Paradoxien seines Lebensweges geben uns auch heute noch etliche Rätsel auf. Stefan Klein widmet sich nun dem Naturwissenschaftler Leonardo. Von SEBASTIAN KARNATZ
Ein lebenssattes Buch
Hoffentlich sorgt Frings medienwirksame und prämierte Biografie dafür, dass Roland M. Schernikau gelesen wird. Von TOM THELEN
"Ich war ein hyperaktives Kind!"
Mick hält nicht viel davon. Keith überlässt es den Medien. Charly zieht die Trommelstöcke dem Stift vor, aber Ronnie Wood, „ewiger Lehrling“ der Rolling Stones, hat’s getan: Ronnie – Die Autobiografie liegt nun auf Deutsch vor. Von HARTMUTH MALORNY
Momentaufnahmen der Erinnerung
Der Übersetzer und Essayist Joachim Kalka und der ihm befreundete Übersetzer und Verleger Heinrich von Berenberg sind darauf spezialisiert, abseits des literarischen Mainstreams erfolgreich fischen zu gehen oder im internationalen Fundus der abgelegten Literatur glückhaft fündig zu werden. So hat der kleine Berenberg-Verlag schon manche Entdeckung gemacht, die man nicht mehr missen möchte, nachdem er sie erstmals oder wieder vorgelegt hat. Jetzt überraschen Kalka und Berenberg mit den Doppelmemoiren von Jean Giraudoux. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Freundschaftliche Belagerung & Unterminierung
Jorge Semprún, politischer Aktivist, Buchenwald-Häftling und spanischer Kulturminister, ist einer der großen europäischen Schriftsteller. Er legt mit seinem Œuvre (u.a. Die große Reise, Was für ein schöner Sonntag!, Leben und Schreiben) auch Zeugnis ab vom gefährlichen Leben im „Zeitalter der Extreme“. Franziska Augstein hat ihm eine Porträtstudie gewidmet, die den Mann in seinem Jahrhundert beschreibt. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Innen- & Außen-Biografie in Briefen & Dokumenten
Jean Améry (1912-1978) war unter den Intellektuellen, die in den Sechziger -& Siebzigerjahren der Bundesrepublik das Wort ergriffen, der unabhängigste. Ein Humanist, der aufs Ganze ging. Jetzt ist die verdienstvolle Sammlung seiner “Werke” mit einem Briefband und “Materialien” zu seinem Oeuvre geschlossen worden. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Vom Spannungsreichtum der Kultur
Bernauer und Miller versammeln neue Blicke auf das Werk Wilhelm Heinses auf Grundlage des neu edierten Nachlasses. Von BJÖRN VEDDER
Iggy-Roman
Kratzer und Blutergüsse trug Iggy Pop nicht nur von seinem spektakulären Autounfall 1965 davon, den er mit Freundin Lynn Klavitter in einem 57er Chevy-Kombi glimpflich überlebte. Verwundungen bis hin zur selbst aufgeschlitzten Brust während eines Konzertes zählten zum blutigen Rockeralltag des Sängers. Von KLAUS HÜBNER
Doppelte Buch-Führung
Keiner hat wohl je von den großen Autoren der Weltliteratur so sehr daran geglaubt, mit seinem Gänsekiel Millionär zu werden als Honoré de Balzac. Johannes Willms hat Balzacs vielfältiges Unternehmertum biographisch nach- & hochgerechnet. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Der heilige George Jahrzehntelang hat sich die deutsche Literaturwissenschaft mit dem Dichter Stefan George schwer getan. Und dies durchaus nicht zu Unrecht: Der legendäre George-Kreis mit seinem pathetischen Unterwürfigkeitskult, Georges unrühmliche Rolle als Stichwortgeber der deutschnationalen Kräfte und viele andere äußere Umstände haben den Blick auf seine Dichtung nachhaltig getrübt. Thomas Karlaufs kluge und gewichtige Biographie versucht mit erfreulich differenziertem Blick nun erstmals, Georges Leben jenseits der bekannten Mythen nachzuzeichnen.
Ungeschützt und uneitel
Es macht seine Größe und die besondere Qualität dieses Buches aus, dass Clapton gar nicht bestrebt ist, sich ständig ins rechte Licht zu setzen.
Berserker und Verschwender
Herbert Debes über die revidierte Neuausgabe der im Diogenes Verlag erschienenen „schönsten Romane und Erzählungen“ des Honoré de Balzac, eine ungewöhnliche Erregung seines Verlegers Daniel Keel und die grandiose Balzac-Biographie von Johannes Willms.
"Womit ich nicht fertig (geworden) bin"
Der 78jährige Literatur- & Geisteswissenschaftler George Steiner hat eine Sammlung von 7 Essays veröffentlicht, in denen er seine “Ungeschriebenen Bücher” doch noch, wenigstens als Skizzen, geschrieben hat: ein großes intellektuelles Vergnügen. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Auf den Platten die Iche
Ob Studentenfeier, Sonntagsausflug oder Stammrestaurant: Holger Hof macht die gesamte Bandbreite von Benns Leben in einer aufschlussreichen Bilderfolge sichtbar
Melville und seine Zeit
Die ganz ausgezeichnete Biographie über Herman Melville wirft eine neue und sehr berechtigte Sicht auf Leben und Werk dieses großen Schriftstellers. Zum ersten Mal findet der kulturhistorische und politische Kontext ausführlich die Beachtung, die ihm zukommen muss, will man das Scheitern des genialen Autors nachvollziehen.
Burgtheaterpunks
Ob "Unter falscher Flagge" oder bei der "Damenwahl" – Die Toten Hosen fanden immer irgendwo einen Knackpunkt zum Andocken. Ihre Lieder gingen um die Welt und verbreiteten überall "Ein kleines bisschen Horrorschau".
Die Häutungen und Wandlungen des Joschka Fischer
Schreiber argumentiert nicht, er polemisiert, das aber durchaus herzerfrischend und fundiert.
Nietzsches Winken gefolgt
Wolfgang Matz unternimmt eine Ehrenrettung von Stifters „Nachsommer“, den er zu einem Gründungstext der literarischen Moderne erklärt. Eine aufregend-eindringliche literaturhistorische Recherche und Verhandlung .
Beat the Devil
“Er besitzt die gleißende Farbigkeit eines Renaissance-Prinzen und die Kaltblütigkeit eines adligen Schurken.” (Orson Welles)
Wie viel Leid passt in einen Menschen?
Noel Martin möchte im Juli sterben. Doch vorher erzählt ein Buch von seinem Leben und davon, wie Neonazis ihn zum Querschnittsgelähmten machten.
Rhapsodie der Hyperrealitäten
Das Lynch Universum: Eine straighte Story oder warum kalifornische Highways von Abgründen umgeben sind
Literatur über die Currywurst und andere Entgleisungen
Die Currywurst als literarische Hauptmahlzeit oder wie Uwe Timm die Bedeutungslosigkeit des Alltags aus ihrem Tiefschlaf weckte. In der Biografie von Martin Hielscher zeigt sich ein aneckender Schriftsteller, der auch als Kinderbuchautor sehr bekannt wurde.
“Umso schlimmer für die Tatsachen” Eine Bildmonografie und Essays: Ernst Bloch zum (Wieder-) Entdecken Vor dreißig Jahren starb im Alter von 92 Jahren Ernst Bloch. Er hat die Utopie - als Impulsgeber eines individuellen und gesellschaftlichen “Träumens ins Voraus” - in der philosophischen Literatur rehabilitiert. Zwei jüngste Bücher können Anlass sein, sich erneut mit dem großen Schriftsteller, der er auch war, zu beschäftigen.
Wir sind hart wie Marmelade
wir sind zäh wie ... wer weiß, wie es weitergeht?
Spitzweg in Brandenburg
“Es ist eine aus Sentimentalität und Schnodderigkeit großstädtisch gemischte, mokante, selbstironisierende Art der Dichtung, launisch und spielerisch, direkt von Heinrich Heine abstammend ...”(Hermann Hesse)
“Pavane” und “Bolero”: literarisch
Über Maurice Ravel, den größten französischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, ist wenig Persönliches bekannt. Der französische Romancier Jean Echenoz hat jetzt eine biographische Skizze über Ravels letzte Lebensjahre geschrieben, die ein großes literarisches Vergnügen ist.
Am Hofe der Underground-Königin
Stille Momentaufnahmen, wüste Bühnenpräsenz, Porträts, die unter die Oberfläche blicken und unter die Haut gehen – das Image von Patti Smith erlaubt viele Blicke aus unterschiedlichen Standorten. Und zeigt doch stets nur eine Frau, die nicht und nie einzigartig sein wollte und die trotzdem aus dieser Haltung heraus respektvolle Distanz aufschichtete.
Es war alles ganz anders Ihr Klassiker „Menschen im Hotel“, der in über 20 Sprachen übersetzt und brillant mit Gerta Garbo verfilmt wurde, verhalf der Autorin Vicki Baum zu einem internationalen Ruf als Bestseller-Autorin. Doch kaum einer weiß um die vielen anderen Gesichter dieser Frau: Konzertharfenistin, Ghost-Writer für ihren ersten Ehemann, Ullstein-Redakteurin, Drehbuchautorin, Gattin eines Generalmusikdirektors, Mäzenatin und Expertin im Selbstmarketing. Die erste Biographie dieser überaus agilen Schriftstellerin blättert nun all diese Facetten auf.
Auf der Fährte des Ich
Selbstentblößung auf hohem Niveau – so könnte man in wenigen Worten das jüngste Buch von Imre Kertész beschreiben, in dem er seiner Lebensbahn nachgeht und auch der Frage, in welchem Verhältnis Roman und Wirklichkeit stehen.
Sozialdemokratisches von Spree und Donau Der Eine war Bundeskanzler, der Andere ist Bundespräsident. Jener hat sich aus der Politik zurückgezogen in die Wirtschaft, dieser lässt, weil er in der Politik geblieben ist, seine Parteimitgliedschaft ruhen, wie es sein Amt nahe legt. Beide sind überzeugte Sozialdemokraten. Ihre Bücher sollten Aufschluss geben über die Autoren – und über den Zustand der Sozialdemokratie.
Film, ein finnischer Tango
“Ich liebe es, wenn die Menschen sich vergnügen, solange ich nicht dabei sein muss.” (Aki Kaurismäki)
Cool, calm and collected
“Ich hasse Underground und unbequem sein und diesen akademischen Mist.”(Klaus Lemke)
Eine Lebensgeschichte in Momentaufnahmen
Am 1. November 2006 ist Ilse Aichinger – eine der bedeutendsten und zugleich eigenständigsten Vertreterinnen der Gegenwartsliteratur – 85 Jahre alt geworden.
Glauben Sie diesem Mann kein Komma!
Höchst unterhaltsam tritt die Autobiographie von Wilhelm Voigt einen Beweis an: «Der Hauptmann von Köpenick» war kein kleiner Gauner, sondern ein Schelm und Schlitzohr von Format.
„Nun war ich gescheitert.”
Ein Satz der Lisa Moos. Gegen ein endgültiges Scheitern allerdings spricht der Fakt, dass wir gerade am Anfang des neuen Buches sind. Vor uns 265 Seiten des bekannten Themas, darum schauen wir mit einer gewissen Erwartungshaltung rein, nicht ahnend, ob Glück oder Fluch ihre Wege kreuzen werden.
Das beste Buch über Sigmund Freud
Sachlich und spannend zugleich. Eine ganz besondere Biografie über den Begründer der Psychoanalyse.
Wie das Private öffentlich wird Jemandem, der in seinen intimen Aufzeichnungen oder in Notizbüchern blättert, heimlich über die Schulter schauen, um vielleicht ein Wort, einen Namen zu identifizieren, hält neben dem Reiz des Verbotenen auch die Befriedigung der Neugier bereit. Aber der Voyeur hat es schwör, nicht von ungefähr waren und sind die Poesiealben mit kleinen Schlössern ausgerüstet.
Eine Kunstfigur schreibt Geschichte
Hinter dem Alpenkönig und Menschenfreund versteckt sich eine Person, die in diesem amüsanten Buch ein paar Geheimnisse enthüllt.
Unbekannter Superstar
Sympathisch an Ernstings Buch ist nicht zuletzt die Unaufgeregtheit, mit der er Dean Reed und seinem Leben nachgeht. Frei von Sensationslust und wilden Spekulationen ist Der rote Elvis eine Biographie wie sie sein soll: gut recherchiert, ansprechend geschrieben und zurückhaltend in der Bewertung letztlich unklarer Sachverhalte.
Eines Österreichers “Sudelbuch”
Franz Schuhs autobiografische Essays & Gedichte
Die Kunst des Essays wird bei uns noch immer unterschätzt. Der Österreicher Franz Schuh, der sein gesamtes “Schreibwerk” auf seinen Kopf und sein Lebenserleben gestellt hat, ist deshalb immer noch zu entdecken: jetzt mit seinem Mixtum compositum “Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche”.
Einfühlsame Hommage
Der Witz und die Ironie, die Lodges Campus-Romane auszeichnet, kommt bei diesem fein ausgepinselten Porträt etwas zu kurz, aber als einfühlsame Hommage eines bedeutenden zeitgenössischen Schriftstellers an einen großen Vorgänger entwickelt der Roman über Henry James mit seinen Reichtum an feinen Beobachtungen und genauen Details einen sanften Sog, dem sich Lodge-Fans ebenso getrost überlassen können wie erklärte "Jamesianer".
Bamboozled Morality
How to do the right thing? Wie einen der “umstrittensten und einflußreichsten Filmemacher der USA” beschreiben? Noch dazu, wenn er, wie Spike Lee, von schwarzer Hautfarbe ist?
Die echte Lili Marleen schreibt über Sigmund Freud Die Nichte Freuds schreibt ein persönliches Porträt über den Gründer der Psychoanalyse.Freud wäre soeben 150 Jahre alt geworden und die Verlage freuen sich über diesen Anlass. Derzeit häufen sich am Buchmarkt Bände über Freud: Abhandlungen, Biografien, Kurzfassungen, Kritiken, Aufsatzsammlungen, Briefwechsel.
Überlebensstrategien
Die Lebensgeschichte der Monika Göth, Tochter des KZ – Kommandanten aus Schindlers Liste
Klarheit und Widerspruch
Peter Palitzsch steht wie kaum ein anderer seiner Generation für die intelligente, durchdachte und zugleich theatergerechte Regiearbeit. Penible Analyse und visuelle Üppigkeit oder jargonhaft ausgedrückt, Kopf und Bauch bedeuteten für Palitzsch niemals einen Gegensatz.
“Wo ich mich zeige, liegt Mobbing in der Luft” Während er als Autor des mehrbändigen "Echolots" ganz und gar hinter diese Montage von Stimmen zurücktrat, aus denen Walter Kempowski sein Requiem auf den 2.Weltkrieg komponierte, hat der Schriftsteller in seinen Tagebüchern die nahe und ferne Welt ganz und gar nur durch sein Temperament wandern lassen und intime Einblicke in seine Psyche und Befindlichkeit exponiert. Nun ist, nach "Sirius" und "Alkor", mit "Hamit" das dritte dieser öffentlichen Journale erschienen. Grund genug, auch einmal den Ort dieser solitären literarischen Arbeiten im Werk Kempowskis zu bestimmen.
Der amerikanische Traum
Fast 5.000 gefahrene Kilometer, 300 Liter Benzin, umgerechnet 370 Euro, und der „Heimatroman“ – das ist das Resultat einer Reise quer durch Europa in eine fast vergessene Vergangenheit. Es ist die Geschichte einer Suche nach Spuren, die der Vater von Nicol Ljubić vor 45 Jahren bei seiner Flucht aus dem damals kommunistischen Jugoslawien hinterlassen hat.
DIALOG DER STILLE
Und Blick auf die bleierne Zeit
Ein „Andenken“ an den Kanzlervater Willy Brandt
Fellini, ein Kontinent
Wer die Biographie eines Filmstars schreibt, der tut es meist, um sich selbst in den Vordergrund zu rücken. Wie erfreulich ist es da, dass die neue und erweiterte Version der Fellini-Biographie von Tullio Kezich gerade das Gegenteil tut!
Eine Landung auf dem Mond
Dackel, saftige Erdbeeren und andere Selbsteinschätzungen deutscher Stars. Von MAGGIE THIEME
Beim Köcheln zu beobachten
Man müsste schon ein sehr spezielles philologisches Interesse daran haben, dem jungen Martin Walser bei der “Verfertigung seiner Gedanken” zu Figuren, Personen und Stoffen als bestellter Kiebitz über die Schulter zu sehen - um während dieser Parade von Vorarbeiten, Varianten oder Irrläufen bei der Stange zu bleiben. Kurzum: an diesem inneren konzeptionellen Widerspruch von “Leben und Schreiben” dürften die meisten seiner Käufer schließlich als seine Leser scheitern. Aber ein paar blitzende literarische Edelsteine konnten sie doch unterwegs auflesen. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Jetzt bist du dran
»Die Hauptsachen« von Martin Amis ist ein Väterbuch voller chaotischer Schönheit und lotet die Vaterschaft auf verschiedensten Ebenen aus.
"Betrunken zur Arbeit"
Eine neue Biografie erzählt die Geschichte von Attila Ambrus. Der ungarische Bankräuber begegnete dem osteuropäischen Turbokapitalismus der Neunziger mit Verbrechen, für die er als moderner Robin Hood gefeiert wurde.
Dick und doof?
Michael Moore ist eine Rampensau und beherrscht die Kunst der Simplifizierung. Er fand in George W. Bush einen ebenbürtigen Gegner und steht nun wieder einmal unter Beschuss.
Musik als Mosesstab Der 1927 in Dresden geborene Dirigent und Komponist Michael Gielen ist international nicht so bekannt wie z.B. Pierre Boulez oder Lorin Maazel. Zum Dirigenten-Jetset gehört er nie; sein stetiges Engagement für die musikalische Avantgarde hat ihn und das falsche Bild von ihm lange Zeit geprägt. Spät erst jedoch (1977/87) wurde die “Ära Gielen”, seine Zeit als Chef der Frankfurter Oper, herausragende Musiktheatergeschichte. Nun hat der temperamentvolle Intellektuelle mit dem Taktstock seine Erinnerungen geschrieben, ebenso persönlich wie entschieden in seinen Urteilen.
Faszinierender Bildspaziergang
„Dieses Buch versteht sich nicht als eine weitere Biografie oder Studie über Mozart. Es lädt ein zu einem ungezwungenen Spaziergang durch das Leben des Musikers...“
Ein Jude aus Odessa
Reinhard Krumms Darstellung hat den Vorzug, trotz zahlreichen Anmerkungen, die der Forderung wissenschaftlicher Überprüfbarkeit genügen, in lebhafter, gut lesbarer Sprache abgefasst zu sein.
Fern und nah
Zwei Genies, Vater und Sohn, machen sich auf die Suche. Entfernen sich voneinander und sind sich am Ende so nah wie die beiden Seiten einer Gleichung.
Ein Buch für Alle
Zum 10. Todesjahr Alexander Langers. Florian Kronbichlers Biografie über Südtirols bedeutendsten Oppositionspolitiker.
Der Wanderer und sein Schatten
Bücher über Schriftsteller werden häufig wie unliebsame Stiefkinder behandelt und oft sind sie nur für die Wissenschaft von Interesse. Trotzdem können diese Arbeiten einen sehr präzisen Einblick in das Innenleben eines schriftstellerischen Werkes vermitteln. Zu W.G. Sebald sind 2004 zwei Bücher erschienen.
Abend mit Goldrand
„Sonnenfinsternis auf dem Berg“: György Konráds „autobiografischer Roman“
Von Wolfram Schütte
„Detlef, mir ist so bang um Dich“
Der Briefwechsel Gretel Karplus/Adornos mit Walter Benjamin
Von Wolfram Schütte
„Mit Grauen/Lachen aufgewacht“
Zu seinen Lebzeiten hat der Frankfurter Philosoph Theodor W. Adorno alles Biographische bedeckt gehalten. Jetzt sind seine „Traumprotokolle“ erschienen, die ernoch aus vielen geträumten Stücken ausgewählt hatte und tiefe Einblicke in seine Psyche gewähren. Eine ebenso bizarre wie problematische Edition des „Theodor W. Adorno Archivs“.
Heftig ins Brett gebohrt
Rechtzeitig zur Publikation von „Abgesang ´45“ ist ein Buch mit Aufsätzen zu Werk und Leben Walter Kempowskis erschienen. Fernab vom verschwitzten Universitätsjargon bietet der Band einen Einblick in die literarische Vielfalt eines umfangreichen Werkes.
Auf dem Weg zum „Abenteuer der Treue“
Zwei Frauen spielten im Leben und der Philosophie des Philosophen Ernst Bloch (1885/1977) große Rollen: seine erste Ehefrau, die baltische Adlige Elsa von Stritzky (1883/1921) und die polnische Jüdin Karola Piotrkowska (1905/1994), die er 1927 kennenlernte, 1934 heiratet und die während des amerikanischen Exils (1938/49) für die Existenz der Familie sorgte. Jetzt sind Blochs Liebesbriefe an sein "Kulmchen" erschienen.
Musikalischer Lumpenproletarier
Anlässlich des neuen Albums von Tom Waits, ”Real Gone“, liefert Cath Carroll ein aktualisiertes Portrait des Rockmusikers.
Laissez moi – eine Passion
Marcelle Sauvageot hat in ihrem dreiunddreißig Jahre kurzen Leben nur ein einziges Buch geschrieben. Der 1930 entstandene dünne Band der 1900 geborenen Pariser Lehrerin ist jetzt auf Deutsch erschienen.
Mythos Einstein – Mensch und Wissenschaftler
Jürgen Neffe begibt sich in einer Einstein-Biografie auf Spurensuche. Das Ergebnis ist die Geschichte eines genialen Wissenschaftlers. Der Autor bleibt Einstein dicht auf den Fersen - dem Mensch und dem Wissenschaftler.
Der verkannte Künstler
In einer intelligent gemachten Romanbiographie erzählt uns Luigi Guarnieri die Geschichte eines verkannten Künstlers, der sich zum König der Kunstfälscher und Volksheld aufschwingt und schließlich über die verachtete Kunstwelt triumphiert.
Sisyphos am Ziel
Mit Abgesang ’45 hat Walter Kempowski seine nunmehr zehnbändige Zitatmontage Das Echolot zum Abschluss gebracht. In seinem Tagebuch Culpa dokumentiert er dessen wechselvolle Entstehungsgeschichte, das Ringen um die rechte Form und die inneren und äußeren Widerstände, die es zu überwinden galt.
"Der Traum ist mein einziges Leben"
Die Tagebücher der Anaïs Nin – ein Kaleidoskop ihres übervollen und sinnlichen Lebens voller Freuden und Qualen, Liebe und Selbstzweifel.
Humorvolles Tellerwäscher-Märchen
Der erste Band von Bob Dylans lang ersehnter Autobiographie ist da: ein eigenwilliger, gar nicht chronologischer, relativ schmaler Band.
„Ich kenne keinen unabhängigeren Menschen“
Deutsche Leser verdanken es dem eben von dem Kasselaner Amerikanisten Daniel Göske zusammengestellten Band „Ein Leben“, daß sie nun tiefe Einblicke in das seltsame & traurige Leben Herman Melvilles gewinnen können.
Von Wolfram Schütte
Große Individualistin
Christian Schröder legt die erste umfassende Biografie des deutschen Weltstars vor, in dem manches klarer beleuchtet und deutlicher in den historischen und gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt wird als in in Hildegard Knefs Autobiografie Der geschenkte Gaul.
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Die Faszination des Grauens
Kaum ein Werk der Weltliteratur hat, sieht man einmal von der Bibel ab, so viele Künstler unterschiedlicher Epochen und Stilrichtungen zur Umsetzung ins Bildmedium angeregt. Die ...
Schweizerinnen auf dem Vormarsch?!?
Wer fällt Ihnen ein, wenn Sie an starke Schweizer Frauen denken? Wenigstens irgendeine Frau? Frau? Fühlen Sie sich nicht zu schlecht, wenn Ihnen zu dem Land, in dem die Frauen erst 1971 ...
Harder. Faster. Louder!
Frank Schäfer, mit universitären Würden ausgestatteter Geisteswissenschaftler, Autor, Kritiker, Hobbymusiker und eingefleischter Metal-Fan hat eine Interviewsammlung zum Thema Heavy ...
Alles, nur kaum Eier
Verrückte Hühner kennen alle – kein Zweifel, dass es sie wirklich gibt. Heinz Janisch erzählt, wie ein Bauer an seinem jedoch fast verzweifelt. Sein verrücktes ...
Vertrauen, hoffen, lieben
Gewichtige Worte und Werte von ebensolchem Gewicht findet man in diesem Buch. Was man gleichfalls findet, ist sind die Pendants, Einsamkeit, Leid, und Wut. Es ist ein Buch der Extreme und ein Buch ...
Am Ende: die Väter mit ihren Lebenslügen
Überall im Verdi Kosmos: die Väter. Manchmal nerven sie (wie in La Traviata, trotz arioser Doppelrahmstufen-Nobilität oder gerade deswegen), manchmal geben sie ...
»John Le Carré sagte, es sei die beste Adaption eines Buches, die es je gab.«
Gary Oldman über seine Rolle als Georg Smiley in dem Film Tinker Tailor Soldier Spy (Dame, König, As, Spion). Ein Interview von LIDA BACH
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