Georg Brunold (Hg.): Nichts als die Welt. Reportagen und Augenzeugenberichte aus 2500 Jahren PlatinumGames: Bayonetta Wunderkind Hegemann hat abgeschrieben - Ullstein reagiert mit Liebesentzug Get Well Soon: Vexations Ulf Stolterfoht und der Lyrikkurs des Literaturinstituts Leipzig präsentieren Cowboylyrik Shamini Flint: Die tödliche Familie Lee
Dienstag, 09. Februar 2010 | 09:24

 

Ladenhüter

Clemens Kuhnert

stammtisch neukölln

 

Vorgestellt von Daniel Ketteler

 

Liebe TITEL-Leserinnen & -Leser,

heute fügen wir dem Neuen Wort Schatz ein Gedicht von Clemens Kuhnert hinzu, dessen unaufdringliches Pathos aus den „guten alten Ingredienzen Melancholie, Männerfreundschaft, einer Prise Anarchie und Restalkohol“ besteht, wie DANIEL KETTELER erfreut feststellt.  ANDREAS MARTIN WIDMANN klärt uns ...

 

Was in einer hessischen Schlangengrube alles möglich ist

„Bis wohin & wie lange – Richterin Karin Wolski, resp. Roland Koch - willst du unsere Geduld noch missbrauchen?” WOLFRAM SCHÜTTE über ein erneutes Beispiel für den mafiotischen Filz, der sich unter der Patenschaft Roland Kochs in Hessen entwickelt hat.

 

Sogar die Entschuldigung ist geklaut!

Seit zwei Wochen überschlägt sich der Literaturbetrieb ob des theoriegeschwängerten, drogensexgewaltgesättigten, geradezu penetrant lebensklugen wie -überdrüssigen Debüts der siebzehnjährigen Helene Hegemann. Die ZEIT sprach von einem „literarischen Kugelblitz“, die Süddeutsche war eingeschüchtert ("Phänomen"), und selbst Deutschlands Dauerbeleidigter Maxim Biller hat für kurze Zeit das Schmollen eingestellt. Man wusste, es ist die Tochter eines Oberintellektuellen, die Volksbühne war ihre Ganztagsschule, ihre Kumpels heißen Pollesch, Schlingensief und Sophie Rois. Der Verdacht der kollektiven Autorschaft lag also nahe; das Feuilleton jedoch war einhellig überzeugt von Hegemanns Originalgenie.

 

Unter Brüdern

In dem jungen Wiener Dichter und Kunsthistoriker Klaus Demus fand der noch unbekannte Paul Celan einen Freund und Bewunderer, zu dem er ein besonderes Vertrauen fasste. Ihr Briefwechsel dokumentiert den Dialog zweier Außenseiter der deutschsprachigen Nachkriegslyrik und die erschütternde Ohnmacht der Freundschaft gegenüber Celans seelischer Erkrankung. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Hervorragende Subjektivität gegen nüchterne Faktizität

Georg Brunolds ehrgeiziges Unternehmen zur Ehrenrettung der Reportage kann sich sehen lassen. Aber es ist ehrlich gesagt schon schwer genug, diesen prächtigen Folianten voller Augenzeugerei überhaupt zu übersehen. Von CHRISTIAN NEUBERT

 

Klischeefrei, unterhaltsam, ernsthaft

Martin Büsser gelingt, was die wenigstens bisher ernsthaft versucht haben: ein Kurzschließen zwischen innerem und äußeren Konflikt, zwischen Geschlechterdiskurs und versuchter Revolution. Von TINA MANSKE

 

Vom Dehnen der Zeit

Magischer Realismus aus Deutschland – Stefan Petermann hat sein beachtenswertes Debüt im noch jungen asphalt & anders Verlag gegeben. Von FRANK SCHORNECK

 

Einen Platz bei Ringelnatz

Zwei opulente Hörbücher bringen den 2008 verstorbenen Dichter Peter Rühmkorf zum Swingen. Sie sind Trost und Trotz gegen den Tod, beweisen sie doch, wie stark Rühmkorf gewirkt hat – und nachwirken wird. Von THOMAS SCHAEFER

 

Liebes Samstag-ist-Krimitag-Publikum,

heute in SiK, dem Kriminalmagazin: HENRIKE HEILAND war im Kino und hat sich den Sherlock-Holmes-Film von Guy Ritchie angesehen. CARLO SCHÄFER denkt in seiner Krimischmiede über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nach. JAN CHRISTIAN SCHMIDT hat den ausführlichen Nachruf auf Robert B. Parker geschrieben. CHRISTINA BACHER hat mit Pavel Kohout ge- und seinen neuen Roman besprochen. PETER MÜNDER hat eine neue Autorin aus Singapur entdeckt: Shamini Flint. BRIGITTE HELBLING begibt sich mit Dmitry Glukhovsky in die Moskauer Unterwelt und zwischen die Genres. ANNA VERONICA WUTSCHEL stellt uns Daniel Depp vor und JOACHIM FELDMANN ist von Jo Nesbø überrascht.

Zur Theologie von Tod & Co. heute ein Klassiker der Lyrik: Andreas Gryphius.

Viel Spaß und gute Unterhaltung wünscht Ihnen aus Berlin

Ihr Thomas Wörtche

 

Where science would take the place of chance

Noch eine Sherlock Holmes Verfilmung? Ja! Und diesmal eine, die die ganze olle Holmes-Folklore nicht wiederkäut und unter dem Rezeptionsgerümpel etwas sehr Taugliches hervorzieht. HENRIKE HEILAND war im Kino.

 

Humbadumpfballera

Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Das passiert regelmäßig alle 14 Tage … Heute beschäftigt er sich mit letzten Dingen, also mit der Frage: Was ist ein Krimi?

 

Sensibler Rowdy

Robert B. Parker, 1932–2010 – Ein Nachruf von www.kaliber38.de-Macher JAN CHRISTIAN SCHMIDT

 

Dreiecksgeschichte mit tödlichem Ausgang

„Ich protestiere im Voraus gegen den Verdacht, es handle sich um ein politisches Buch. Ebenso protestiere ich gegen den Verdacht, es handle sich um ein unpolitisches Buch“, konstatierte Pavel Kohout, als sein Weissbuch C. J. Bucher erschien. Letztendlich sei es einfach ein in Prag geschriebenes Buch. Das war 1971. Mit dem Roman Die Schlinge legt der 82-Jährige nun einen Prag-Roman vor, in dem es nicht nur um Liebe, Korruption und Intrigen geht, sondern vor allem um ihn selbst. Die Frage, ob es ein politisches Buch sei, erübrigt sich dann eigentlich von selbst. CHRISTINA BACHER hat es gelesen.

 

"Meine Geschichten enden tragisch, aber das ist nicht meine Schuld."

Ein Gespräch mit Pavel Kohout über seinen neuen Roman Die Schlinge und über das Glück, mit einem guten Wissen zu leben. Von CHRISTINA BACHER

 

Mit Frust, Bart und Turban: Inspektor Singh greift ein

Es gibt noch echte Entdeckungen im Crime County: Inspektor Singh aus Singapur, ein pummeliger Sikh, ausstaffiert mit Rauschebart, Turban und Turnschuhen, ist ein wunderbarer, unkonventioneller Cop. Die ehemalige Singapurer Rechtsanwältin Shamini Flint schickt Singh in ihrem ersten Krimi Die tödliche Familie Lee auf eine Dienstreise nach Malaysia – und dort ist der Teufel los. Eins steht fest: Flint und ihr Sikh-Inspektor Singh ergeben eine unwiderstehliche Kombination … Eine Trouvaille von PETER MÜNDER.

 

There be Monsters

Mit Dmitry Glukhovskys Metro-Romanen wird die russische Liebe zur Dystopie um eine knisternde Dimension erweitert. Liest sich wie frisch gezapftes Bier, findet BRIGITTE HELBLING.

 

Eine Stadt für Loser

Daniel Depp möchte nicht auf seinen (Halb-)Bruder Johnny angesprochen werden, heißt es. Warum aber steht der dann mit einem mäßig originellen Spruch auf dem Cover? ANNA VERONICA WUTSCHEL hat sich um so was nicht gekümmert und einfach das Buch gelesen.

 

Spitzenmittelmaß

Jo Nesbøs Romane um seinen Helden Harry Hole sind Phänomene. Evidenterweise sind sie eher mittelmäßig und wenig originell, dennoch landete jetzt der Leopard auf allen Listen und Rankings ganz oben. JOACHIM FELDMANN hat sich ein paar Gedanken dazu gemacht.

 

Mitternacht

von Andreas Gryphius

 

"Es ist mir alles immer zur rechten Zeit geschenkt worden"

Hans-Joachim Roedelius ist eines der Urgesteine der elektronischen Musik - und ein Arbeitstier. Aktuell erscheinen zwei neue, unter seiner Beteiligung entstandene Veröffentlichungen ganz unterschiedlicher Art. Von TINA MANSKE

 

Geschichte als Abenteuer

Der „French and Indian War“ in Nordamerika Mitte des 18. Jahrhunderts bildet den historischen Hintergrund für eine klassische Abenteuergeschichte im Stile der Schatzinsel. Überzeugend ist dabei vor allem die visuelle Gestaltung. Von NILS KURFÜRST

 

Anmutige Pop-Epen en miniature oder Schlaumeiermusik?

Nun also der zweite Streich! Als oberschwäbischer Retter der ernstzunehmenden deutschen Pop-Musik wurde Konstantin Gropper, der einsame Mann hinter Get Well Soon, dereinst gefeiert. Daran hat sich auch auf seinem zweiten Album „Vexations“ nichts geändert. Von SEBASTIAN KARNATZ

 

Die Entzauberung des Selbst

Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik. Von KARSTEN HERRMANN

 

Ars moriendi

Die literaturhistorischen Quellen weisen gerne darauf hin, daß Leo Tolstoi als junger Mann in der Welt der großen Literatur keine Einstiegsschwierigkeiten hatte. Das Publikum lag ihm nach der ersten Veröffentlichung sofort zu Füßen, die Brotarbeit brauchte er dank adeliger Besitztümer nicht zu übernehmen. Umso komplizierter gestaltete sich sein Lebensabend, dem sich der Film von Michael Hoffman widmet. Von EKATERINA VASSILIEVA

 

Vergeltung einer Kriegerin

Das frühe Indianerbild in Europa war geprägt von der Vorstellung der „Wilden“ und „Barbaren“, denen die Europäer zu Beginn der Kolonialisierung militärisch und technologisch haushoch überlegen waren. Später dominierte das romantisierte Bild vom „edlen Wilden“ wie es z.B. auch Karl May in seinen Romanen transportierte. Tanya Landman versucht sich an einer differenzierten Schilderung der unvermeidlichen Konflikte, die das Aufeinandertreffen von zwei ganz unterschiedlichen Kulturen mit sich bringt. Von ANDREA WANNER

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| House of Night & Blutsbande

 

Weltreise

"Dunya" ist eine ungemein entspannte Fusion aus Funk, Soul, Afrikana und Jazz - entspannt, aber dennoch fordernd. Man merkt, hier ist einer, der nicht nur Spaß an der Sache hat, sondern auch einen Hintergrund. Von TINA MANSKE

 

Melancholische Traditionspflege

Zwei neue Folk-Veröffentlichungen könnten dazu imstande sein, Freunden gepflegter melancholischer Akustikklänge einen schönen Vorfrühling zu bereiten. Traditionspflege für ästhetisch bewusste Hörer. Von SEBASTIAN KARNATZ

 

Unbeschriebenes Blatt

Ihrem Ruf als „Pioniere des gitarren- und synthielastigen Darkwaves an der Schnittstelle zwischen Punk und Dance“ machen For Against mit diesen neun Songs keine Ehre. Von JÖRG VON BILAVSKY

 

Von Wuppertal nach Paris

Pina Bausch hat das Tanztheater zu neuem Leben, zu neuer Lebendigkeit erweckt, wie auch diese Inszenierung von Orpheus und Eurydike beweist.

 

Stadtführung der besonderen Art

Einen Preis hat es schon, das zweite Bilderbuch des jungen Grafik-Designers Philipp Seefeldt, und ist damit wieder eine dieser bedauernswerten Veröffentlichungen, die bei der Kritik auf viel Gegenliebe stoßen. Der Weg ins heimische Kinderzimmer, ob gekauft oder in einer Bibliothek ausgeliehen, ist hingegen steinig und beschwerlich. Warum eigentlich? Von BEATA MAINKA

 

Dichte Beschreibungen

Längst sind Computerspiele nicht mehr das Privileg pubertierender Jugendlicher, längst fesseln sie als spannendes Kulturgut jeden Tag Millionen von Menschen jeden Alters und Geschlechts.  TITEL wird in Zukunft besonders gelungene (oder misslungene) Exemplare vorstellen und diskutieren. Doch zuerst steht die Frage: Wie kann eine Spielekritik aussehen, die sich von der banalen Rezensionsformel entfernt, mit der uns viele der blinkenden Fachpublikationen oft genug langweilen?  Eine kurze Programmatik von RUDOLF INDERST

 

Stets eine blutige Antwort parat

Bayonetta ist überwältigend, eine atemberaubende Farbenexplosion, eine Netzhaut transzendierende Erfahrung und … ein recht banales Videospiel. RUDOLF INDERST über den „teuersten Softporno der Welt“.

TITEL - Kulturmagazin bringt jeden Montag, Donnerstag und Samstag Neuigkeiten aus Literatur, Krimi, Musik und Film.

 

Das Gebet des Pilgers

Peter Handke hat mal in einem Interview gesagt, dass sich dem, der Goethe liest, Lichtadern einziehen. Wenn das so ist, wird der, der Salinger liest, mit Licht geflutet. Ein Nachruf von STEFAN ...

Eine Zeitung als Wunscherfüllungsmaschine

Die neueste Ausgabe von Dave Eggers’ Literaturzeitschrift McSweeney’s Quarterly Concern kommt als eineinhalb Kilo schweres Zeitungspaket daher. BRIGITTE HELBLING hat sie ...

Leistungsschau des Schweizer Filmschaffens

Ein Festivalbericht von THOMAS ROTHSCHILD

For those about to rock

Mit Unter Genies blickt ein Großer des Musikbusiness auf vier Jahrzehnte voller Sex, Drugs & Rock´n´Roll zurück – und klingt dabei an keiner Stelle so ...

Wilder Textnordenwestensüdenosten

Das Leben des Cowboylyrikschreibers ist ein einziges langsames Vernarben, ein stetes Provisorium, ein ständiger Kampf mit den Klischees. LÉONCE W. LUPETTE über eine gut gemachte ...

Substanz und Leichtigkeit

Zum 100. Gaburtstag hat Susie Reinhardt, eine weitläufig mit Django verwandte Musikerin (Hoo Doo Girl) und Journalistin aus Hamburg, 20 Titel zu Ehren des großen Sinti-Musikers ...

Extensions of Man

Die Prämisse von Surrogates klingt nach einer wahren Utopie: Eine Zukunft, in der man die Welt mithilfe eines menschlich aussehenden Roboters erleben kann; ein Leben mit Garantie auf ...

Neues von Bartleby

Der neu und sorgfältig von Eike Schönfeld übersetzte Erzählband Franny und Zooey des verstummten amerikanischen Erfolgsautors J. D. Salinger führt vor, wie man auf sensible ...

Angst und Widerstand

So vieles kann das kleine Mädchen sich nicht erklären, so vieles macht ihm Angst. Woher kommt das Dunkel der Nacht? Aus dem Tintenfass? Und muss man dann nicht darin ertrinken? Das ...

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