Viva la Vulva!
Hinter dem nüchternen Titel Das weibliche Geschlecht verbirgt sich kein Anatomiehandbuch für den Medizin-Grundkurs, sondern ein „ziemlich ungenierter“ Bildband, der nichts anderes zeigt als: Vulven. Das mag man als pornografisch oder zumindest als monothematisch erachten, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Diese Bildersammlung ist aus ästhetischen, politischen und didaktischen Gründen sehr wichtig, findet MARTIN BEYER.
Prof. Dr. Dschungelkind
Seit sich jeder Quadratzentimeter belebte Natur per Knopfdruck auf den Bildschirm holen lässt, seit keine noch so abseitige Frage im Netz länger als fünf Minuten unbeantwortet bleibt, spätestens aber seitdem die Bilder von mit Speeren nach Hubschraubern werfenden Wilden um die Welt gegangen sind, ist das noch Unbekannte wieder aufregend, das Unentdeckte sexy. Von STEFAN BEUSE
Wie unsere Zukunft planbar wurde
Einst lag die Zukunft in Gottes Hand, heute leben ganze Industriezweige von ihrer Berechenbarkeit. Den Startschuss gab ein Briefwechsel im 17. Jahrhundert. Eine Reise vom Spielertisch zum Derivatenhandel - eingängig geführt vom Mathematikprofessor Keith Devlin. Von BRIGITTE HELBLING
Wachstumsbeschleunigung als Falle
Roger de Weck bietet kluge nützliche Reflexionen zu Status quo und nötigem Wandel des Kapitalismus. Von ANSELM BRAKHAGE
Kleine, fiese Theoriegiftpfeile
In seinem neuen Essay „Nach den großen Erzählungen“ steigt der Schweizer Beat Wyss vom Olymp der Theorie herab, um seinen erstaunten Lesern zuzurufen: Wendet euch wieder den Dingen zu! Ein sehr angriffslustiges Stück feinster Wissenschaftsprosa. Von SEBASTIAN KARNATZ
Die Entzauberung des Selbst
Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik. Von KARSTEN HERRMANN
Schott sei Dank!
Nicht ohne Selbstironie verorten die beiden Herausgeber ihr Jetztikon in die Reihe jener Belanglosigkeiten-Verzeichnisse, die mittlerweile veröffentlicht wurden. Das Buch soll allerdings nicht dem Zweck der bloßen Auflistung dubioser Fakten dienen... Von CHRISTIAN NEUBERT
Gegen ,,organisierte Verantwortungslosigkeit"
Wolfgang Englers Plädoyer für „Aufrichtigkeit“ im „Abstrakten Kapitalismus“. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Die Kraft des Fußballs
Der blutige Angriff auf das Nationalteam Togos während des Africa Cup of Nations hat tiefsitzenden europäischen Ängsten und Vorurteilen neue Nahrung geben. Einen differenzierten Blick auf den Fußball in Afrika bietet diese Reportagesammlung von Bartholomäus Grill, der objektiv berichtet und gleichzeitig überzeugend für eine notwendige afrikanische WM 2010 plädoyiert. Von PETER MÜNDER
Unser Neger ohne Schamgefühl
“Die kapitalistische Entwicklung hat die Menschheit auf ein so niedriges Niveau hinuntergedrückt, dass sie nur noch ein Motiv kennt und kennen kann: das Geld. Das Geld ist der große Motor, das Alpha und Omega aller menschlichen Handlungen geworden.” Ausgehend von dieser Erkenntnis verfasst Paul Lafargue, der Schwiegersohn von Karl Marx, die grimmig-heitere Entlarvungsschrift Die Religion des Kapitals. Von CHRISTOPH POLLMANN
Musikalisches Literarisieren
HANS-KLAUS JUNGHEINRICH über die Edition Elke Heidenreich bei Bertelsmann, die sich mit musikalischen Sujets beschäftigt und deren erste vier Bände ein erfreulich breites Spektrum der Musikkennerschaft (von Hans Neuenfels über Verdi bis zum West-Eastern Divan Orchestra) aufscheinen lassen.
Mehr Entdeckerfreude!
Der Koch des Jahres heißt Wahabi Nouri und beglückt die Gäste des Piment in Hamburg. Der Aufsteiger das Jahres kocht am anderen Ende der Republik und kann sogar mit einem Punkt mehr aufwarten: Jakob Stüttgen von der Terrine in München. Das Menü des Jahres wird – na, wo wohl? – in Baiersbronn serviert, aber nicht da, wo man es vermutet, sondern in der Köhlerstube... THOMAS ROTHSCHILD lässt sich überraschen.
Jenseits von Sisi und Sachertorte
Falsche Heldenverklärung und Opfermythen, politische und mediale Hetzkampagnen, Filz und Korruption – eine deutsche Journalistin demaskiert das Idealbild Österreichs. Von INGEBORG JAISER
Lovely Planet
Paul Theroux merkte einmal an, dass es in der Reiseliteratur eigentlich nur um den Reisenden selbst geht. Hier geht es aber auch noch um Sex, Drogen und Verlogenheit. Und das nicht zu wenig. Von INGEBORG JAISER
Der unsichtbare Feind
Die Spanische Grippe und der Erste Weltkrieg: Der Medizinhistoriker Manfred Vasold schildert die globale Ausbreitung der Spanischen Grippe 1918/19 und analysiert die Wechselwirkung zwischen Weltkriegsgeschehen und Pandemie. Von MONIKA THEES
Das Dorf - Wandel und Identitätsbewahrung
Klaus Brill erkundet die große Welt in der kleinen. Am Beispiel seines Heimatortes Alsweiler/Saar schildert der Auslandskorrespondent der „Süddeutschen Zeitung“ die Auswirkungen der Globalisierung in der kleinsten Einheit – dem Dorf. Von MONIKA THEES
Tour de Wolga
Mit einem normalen Tourenrad durchquert der Autor Polen, die Ukraine und Russland – doch zuweilen staunen die Einheimischen, als ob da jemand auf einem blauen Elefanten daher geritten käme. INGEBORG JAISER verfolgt eine abenteuerliche Reise.
Zugriff auf die Welt
Am 1. September 1989, wenige Wochen vor dem Sturz der Mauer, übersiedelte Ronald M. Schernikau aus der BRD in die DDR und wurde deren Staatsbürger; nicht nur deswegen wird er der „letzte Kommunist“ genannt, wie auch das in diesem Frühjahr erschienene Buch heißt, das sein langjähriger Begleiter Matthias Frings über ihn schrieb. Von TINA MANSKE
Sleeping around the world
Fremde Stätten und Betten: beim Couchsurfen übernachtet man kostenlos bei (frei)willigen Gastgebern auf der ganzen Welt. Wie anregend und inspirierend dies sein kann, hat INGEBORG JAISER in einer Neuerscheinung von Brian Thacker entdeckt.
Kontext
Kriminalliteratur ist ohne Kontexte nicht denkbar. Keine Literatur, keine Kunst existiert ohne Kontexte – literarische und außerliterarische –, aber Kriminalliteratur braucht sie konstitutiv. Außer sie erzählt Märchen, aber dann vermeidet sie Kontexte nur, braucht sie aber ex negativo doch. Deswegen kümmern wir uns ab heute kompakt um Bücher, die mit den direkten Kontexten von Gewalt & Verbrechen und allen kriminalliterarisch relevanten Faktoren zu tun haben. Heute: Geld. Von THOMAS WÖRTCHE
Beeindruckendes Argumentarium wider den Obrigkeitsstaat
Steuern wir auf einen Überwachungsstaat zu? Wer weiß was von uns? Und was geschieht mit diesem Wissen? Wie sinnvoll ist gesunde Paranoia? Juli Zeh und Ilija Trojanow haben einen Realiätscheck vorgelegt. THOMAS WÖRTCHE checkt den Check.
Die Waffen des Westens
Jan Roß stellt kluge, verstörende Überlegungen über die Zukunft der westlichen Staaten an. Von DANIEL KRAUSE
Der globalisierte Zorn
Arjun Appadurai versucht, die neue Gewalt auf der Welt zu verstehen – jenseits hochspekulativer Terrorexpertisen. Von CARL WILHELM MACKE
Italienische Reise
Enthusiastisch, ja geradezu euphorisch stellt ein fundierter Rom-Liebhaber und -Kenner seine Lieblingsstadt mit all ihren Facetten, Eigenarten und Genüssen vor. INGEBORG JAISER ließ sich begeistern.
Schwarzbunte Gedanken
Im letzten Jahr ist Florian Werner Vater geworden – doch die Ankunft von Töchterchen Ada ist beileibe nicht die erste Geburt, die bei dem Autor und Literaturwissenschaftler einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, weiß FRANK SCHORNECK.
Die wunderbare Welt des Zufalls
Nicht viele Phänomen beschäftigen die Menschen so ausdauernd wie Zufall und Wahrscheinlichkeit, wahrscheinlich weil beide in einem engen Beziehungsgeflecht zu einer unbestreitbaren Größe menschlicher Weltbewältigung stehen, dem Schicksal. Von BENJAMIN BORGERDING
In 60 Storys um die Welt
Was kommt heraus, wenn ein Schreiber sein Schatzkästchen öffnet? Im besten Fall ein gutes Buch, das einen fesselnden Abend verspricht. Wenn Deutschlands bekanntester Reiseautor seinen Geschichtenkoffer öffnet, ist das Ergebnis ein besonderes Buch. Das, so meint ANNETTE CHRISTINE HOCH, Stoff für mehr als einen Abend liefert.
Das Dreimaleins der Wirtschaftskrise
Wenn etwas derzeit Konjunktur hat, dann sind es Bücher über die Finanzkrise. Vielleicht nicht unbedingt präsent in der Spitze – sprich in den Bestsellerlisten – aber definitiv in der Breite. Drei aktuelle Beispiele aus dem Crash-Buch-Boom werden von Anselm Brakhage auf den Prüfstand gestellt.
Bericht aus einem Inferno - über die Tragödie von Srebrenica
Die Lektüre dieses Buches ist nicht leicht. Eine einzige Zumutung für diejenigen, die noch an das Gute im Menschen glauben. Von Carl Wilhelm Macke
Oder: Die Kunst der Verstellung
Ein Buch, das (so frau nicht dem eigenen Geschlecht zugewandt ist) qua Titel über die Hälfte der Menschheit ausschließt – wer braucht denn sowas? Ich. Der Titel klingt so vielversprechend, dass meine Abwehr vor der Neugier die Waffen streckt. Und ich bin eine Frau. Von ANETTE CHRISTINE HOCH
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Nackt unter Türstehern
Alle 14 Tage berichtet STEFAN BEUSE von den Erhabenheiten und Fallstricken der Welt. Heute: Muskelhengste im Fitnessstudio.
Ach, Philis!
Netten, gebildeten Männern mit Bart, die gerne Wein trinken, sollte man zuhören. Oder? Von CHRISTOPH POLLMANN
Niederauffahrt von Pier Paolo Pasolini
Neues & Unbekanntes von, über, gegen den italienischen Poeten. Zwei deutsche Publikationen erinnern an Pier Paolo Pasolini: der Dichter als Journalist der italienischen Badestrände ...
2000 Jahre Dekadenz
Jetzt also die Griechen. Man dachte ja eigentlich, Guido Westerwelle hätte die größten Schmarotzer des deutschen Gemeinwesens ein für allemal identifiziert - da kommen ihm die ...
Das Recht der Bilder betrachtet zu werden
Ästhetisch von berückender Wucht, motivisch geradewegs provozierend hermetisch – so könnte man das Oeuvre des großen deutschen Malers Max Beckmann (1884-1950) auf eine ...
"Erklären Sie mir, warum ich ein Konzept-Künstler bin!"
Anlässlich der Retrospektive des Lebenswerkes von John Baldessari „Pure Beauty“, die nach der Tate Gallery in London, nun vom 11. Februar bis zum 25. April 2010 im Museu ...
Die Frau, die ihr Zittern mit einer Krankheit verwechselte
Von der glamourösen Erfolgsschriftstellerin zu einem schlotternden Häuflein Elend – Siri Hustvedts neues Buch ist schonungslos offene Lebensbeichte, minuziöser ...
Eine gehörige Portion Galgenhumor
„Arbeitslager waren nicht zum Überleben gedacht. Um zu überleben, brauchte man eine gewisse Findigkeit, Freunde, ...
Voll abgekackt
Tommy Jaud präsentiert sich mit Hummeldumm auf der Höhe seines Schaffens. Mutig: Der schriftstellernde Komödiant schreckt auch vor kotigen Kalauern nicht zurück. Der ...
Herr und Knecht
Der Knast als Topos des Kinos. Audiards Experimente mit dem Setzkasten des Genres zeigen die Kehrseiten von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Von NICOLAS OXEN
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