Bonsoir Tristesse
Jean Cayrol gehört zu den großen Unbekannten der französischen Nachkriegsliteratur. Sein Roman Im Bereich einer Nacht (L'espace d'une nuit) erschien bereits vor 50 Jahren in der deutschen Übersetzung von Paul Celan. Der Frankfurter Schöffling Verlag hat diese Übertragung der düsteren Vater-Sohn-Geschichte mit einem erhellenden Nachwort von Ursula Henningfeld neu ediert.
Von HUBERT HOLZMANN
Charles Dickens in seiner Welt
Viel ist über Charles Dickens, den britischsten Schriftsteller aller Briten, geschrieben worden. Eine Biographie und leserfreundliche Ausgabe seines Romans Große Erwartungen rücken ihn ins richtige Licht. Von BETTINA GUTIÉRREZ
Kafka und Komik?
Beim Namen Franz Kafka denken die meisten an Beklemmendes wie Der Prozess oder Das Schloss, an Unheimliches wie Ein Bericht für eine Akademie oder In der Strafkolonie. Dabei ist es eigentlich kein Geheimnis, dass Gregor Samsa Züge einer Comic-Figur hat. Im Allgemeinen gilt Kafka weiter als »Schmerzensmann«, sind Kafka und Komik nicht kompatibel. Mit diesem falschen Bild räumt das Buch Kafkas komische Seiten von Astrid Dehe und Achim Engstler gründlich und vergnüglich auf.
Von PIEKE BIERMANN
Subtilitäten & Tricks des Realismus
James Woods Kunst des Erzählens ist ein brillanter Essay & eine Leseanleitung.
Von WOLFRAM SCHÜTTE
Vertrauen, hoffen, lieben
Gewichtige Worte und Werte von ebensolchem Gewicht findet man in diesem Buch. Was man gleichfalls findet, ist sind die Pendants, Einsamkeit, Leid, und Wut. Es ist ein Buch der Extreme und ein Buch der Gegensatzpaare. Wie Realität und Märchen. Aus diese Mischung hat Antonia Michaelis mit Die Worte der weißen Königin eine sehr dunkle Geschichte gewoben. Gut, dass die Dunkelheit einmal endet und nicht nur im Märchen. Von MAGALI HEISSLER
Schneckenfluch mit Pilzen
Wer sich bereits beim Anblick von Nacktschnecken gruselt, wird vielleicht davor zurückschrecken, Das schaurige Haus in die Hände zu nehmen. Wer aber etwas stärkere Nerven hat, dem rät PAULA FRANK (12 Jahre) zuzugreifen.
Alles, nur kaum Eier
Verrückte Hühner kennen alle – kein Zweifel, dass es sie wirklich gibt. Heinz Janisch erzählt, wie ein Bauer an seinem jedoch fast verzweifelt. Sein verrücktes Huhn legt nämlich anstelle der Eier fast immer irgendeinen Klamauk ins Nest. Mit den Bildern von Walter Schmögner entsteht so ein verrückter Lesespaß. Von JOHANNES BROERMANN
Hey, Art, lass uns malen!
Der chaotische Anfänger Max trifft auf Arthur, wirbelt Farben, Formen und Figuren auf und wird schließlich Freund des arrivierten Könners. David Wiesner visualisiert die Möglichkeiten der Kunst und das Wesen des kreativen Prozesses. Witzig, rasant, mitreißend gut. Von MONIKA THEES
Fremd bin ich eingezogen
Der Nürnberger Autor Leonhard F. Seidl bezeichnet seinen Debütroman Mutterkorn als »Geschichte einer Befreiung«. Eine Bestandsaufnahme von HUBERT HOLZMANN
Hank Williams Geist
Warum sollte jemand, der bald zwei Dutzend Alben veröffentlicht, hundert Gitarren gesammelt und sieben Mal geheiratet hat, nicht auch mal einen Roman schreiben? Musiker Steve Earle webt den Stoff seines Romandebuts gekonnt um den Geist von Hank Williams. I´ll never get out of this world alive – besprochen von TOM ASAM.
Wenige von der Sorte
Die Doppel-CD von Trikont gibt mit der Auswahl an Gedichten, Romanauszügen, Kurzgeschichten, Briefen und einem bilderreichen informativen Booklet einen guten Einblick – für Fauser-Neulinge und -Wiederentdecker. Von MIRJAM STUTZMANN
Brummer meets Nachtigall
Besinnlich gibt sich Schauspielopa Mario Adorf auf der bei Polystar erschienenen Text und Lied-Kompilation Der Mond ist aufgegangen. Gemeinsam mit Sängerin Mee Eun Kim gibt er die schönsten deutschen Schlaflieder zum Besten. Rezensent DR. RANDY WEINHEIMER hat mit geschlossenen Augen zugehört.
Ein Geheimtipp der deutschen Literatur
Die Kinder der Finsternis von Wolf von Niebelschütz, erschienen 1959, entführt den Leser in die faszinierende Welt des Mittelalters. Eine Pflichtlektüre findet HUBERT HOLZMANN
Grimmige Geschichten
Arthur Rackham, Walter Crane, Kay Nielsen, Divicia Landrova und der am Art Work für Disneys Schneewittchen beteiligte Gustaf Tenggren sind nur die berühmtesten der Künstler, deren von 1820 bis 1950 entstandene Illustrationen Grimms Kinder- und Hausmärchen zur visuellen Schatzkammer machen. Eigens von Laura Barrett für den die grimmsche Märchenwelt in ihrer ganzen Zauberkraft und symbolischen Tiefe erweckenden Bildband kreierte Silhouetten fügen sich makellos an die aus Originaleditionen aus fünf Dekaden entnommenen Scherenschnitte zum Schmuck der 27 ausgewählten Märchen. Von LIDA BACH

Nachhaltig wortgewaltig
Ich bin es gewohnt, in regelmäßigen Abständen verständnislos angeschaut zu werden – in der Tat dürfte ich wahrscheinlich deutschlandweit einer der wenigen Kulturveranstalter sein, der sich bis heute erfolgreich der Anschaffung eines Mobiltelefons verweigert hat. Wie das denn ginge, werde ich gefragt. Nun, es geht sehr gut. Steigern lässt sich die Verwunderung in den Gesichtern meiner Gesprächspartner nur noch, wenn ich in Sitzungen und Dienstbesprechungen meinen Tischkalender hervorhole, in den ich dann – ja, unglaublich aber wahr - Termine mit dem Stift eintrage. Kalender aus Papier seien in der heutigen Zeit doch nicht mehr notwendig, man könne sein Leben doch auch durch einen elektronischen Helfer in Taschenformat organisieren lassen, werde ich aufgeklärt. Sicher, das kann man, aber wie groß ist meine heimliche Freude, wenn es in den Sitzungen piepst und brummt und alle darüber schimpfen, dass das böse Gerät den vereinbarten Termin aus unerklärlichen Gründen irgendwie verschluckt haben müsse, sorry ... Von STEFAN HEUER
Gegen den Weihnachtsmechanismus
Weihnachten macht müde: Geschenke kaufen, im Stau stehen, das Festessen organisieren, Postkarten verschicken, die ungeliebten Verwandten freundlich begrüßen und immer heimelig drauf sein, das gehört sich doch. Und wenn das »Fest der Liebe« da ist, ist die Liebe längst futsch, das alljährliche Ritual wird zur Farce, nicht immer, aber öfter. Wer braucht da überhaupt Weihnachtsgedichte?, fragt PEGGY NEIDEL.
So zarte Hände und so blutige Arbeit
Sie waren nur noch wenige Monate zusammen und haben dabei doch Die Herrlichkeit des Lebens erfahren: Fanz Kafka und seine letzte Gefährtin Dora Diamant. Diese wahre Liebesgeschichte hat Michael Kumpfmüller kenntnisreich in einen herrlich schwebenden Roman transferiert. Von INGEBORG JAISER
Auf Marcel Prousts Spur
Edmund de Waal Golden Mixture Der Hase mit den Bernsteinaugen. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Wenn alles zerfällt
»Wie fühlt sich das Leben an, wenn die Dinge auseinanderbrechen? Das wollte ich zeigen und weniger den Krieg rekonstruieren«, bekannte der spanische Erfolgsschriftsteller Antonio Muñoz Molina nach der Veröffentlichung seines achtzehnten Romanes, der um eine tragische Liebesgeschichte in den Wirren des Spanischen Bürgerkriegs kreist. Ganz ohne Frage – in diesem opulenten, bisweilen etwas ausufernden Epos hat der ausgebildete Historiker dem 55-jährigen Autor richtungsweisend die Feder geführt. Von PETER MOHR
Pilgerfahrt nach Nirgendwo
Der österreichische Autor Thomas Glavinic hat mit seinem Freund Ingo, einem – laut Klappentext – berühmten Fotografen, der das Aussehen eines Schwerverbrechers hat, eine Busreise nach Medjugorje unternommen. Der neueste Text Unterwegs im Namen des Herrn. Gelesen von MIKE MARKART.
Angst vor Weihnachten
Mit dem Roman Süden (Droemer 2011) hat Friedrich Ani im letzten Frühjahr die literarische Figur, mit der der Münchner Autor berühmt wurde, reanimiert. Zwischen 1998 und 2005 erschienen insgesamt 14 Bücher, in denen der bei der Münchner Polizei beschäftigte Tabor Süden sich um Vermisste bemühte. Nun, in den beiden neuen Bänden, arbeitet der aus Köln in die bayerische Metropole Zurückgekehrte nicht mehr für den Staat, sondern steht in den Diensten einer Privatdetektei. An seinen Methoden freilich hat sich nichts geändert.
Von DIETMAR JACOBSEN
Ein literarischer Sprengmeister
Dieter Kühn reitet in seinen gefälschten Geschichten Den Musil spreng ich in die Luft zwar nicht auf Kanonenkugeln durch die Luft, wird aber von Beethoven und den Musen geküsst. Von HUBERT HOLZMANN
In diesen Nächten weiß niemand, wo er wirklich ist
Unterwegssein ist alles – Tagebuch Berlin-New York – mit einem Wort, das es nur unzureichend zu treffen vermag: beeindruckend! Von STEFAN HEUER
Ironische und aberwitzige Stories über die kleinen Hürden im Alltag
In Small Country versammeln sich gleich vier kurze Erzählungen von Kultautor Nick Hornby. Sie alle handeln von naiven Protagonisten, die in außergewöhnliche, absurde Situationen geraten. Ganz Hornby, werden natürlich auch Themen wie Fußball oder Musik wieder aufgegriffen. VON TANJA LINDAUER
Peter in the sky with diamonds
Am Anfang steht das Wort, respektive der Imperativ: In Peter Sloterdijks Du musst dein Leben ändern tönt der Appell so dringlich, dass man sich ihm nicht mehr entziehen kann. Und das ist auch gar nicht möglich, wie eingehend bewiesen wird, denn längst wollen und müssen wir ihm Folge leisten, wie schon viele Generationen vor uns. VIOLA STOCKER lässt sich von Peter Sloterdijk in die Trainingslager der Menschheit entführen.
Seismograph des Alltäglichen
Seerücken – so heißt eine ländlich geprägte Region südlich des Bodensees. Im gleichnamigen Erzählband von Peter Stamm geht es um Alltagssituationen, die es in sich haben. Von HUBERT HOLZMANN
Die Riesenkrake der mörderischen Vergangenheit taucht auf
Carlos Busqueds Roman: Unter dieser Furcht erregenden Sonne
Von WOLFRAM SCHÜTTE
Ein berückender Entwicklungsroman
»Ich ziehe es vor, als Optimist zu leben und mich zu irren, denn als Pessimist zu leben und immer Recht zu haben.« - Der französische Autor Jean-Michel Guenassia debütiert als Romancier mit dem bereits in Frankreich preisgekrönten Roman Der Club der unverbesserlichen Optimisten. Eine gelungene Mischung aus französischem Charme und Intellektualismus mit einer Prise Kitsch und einer Spur Skurrilität – findet HUBERT HOLZMANN.
Rätsel und Momente des Glücks
Poetisch und melancholisch mutet Ein langer Brief an September Nowak an. Das gelungene Roman-Debut des Erdmöbel-Sängers Markus Berges an. Von TOM ASAM
Kamikaze Katze
Hello Kitty muss sterben – in Angela S. Chois Erstlingswerk ist der Titel Programm. Die junge Autorin will nicht länger der Norm entsprechen und schafft so etwas radikal Neues. Von CHRISTIANE MIETH
Ich wäre gern so wie ein Drehbuch
Ein Debütroman sagt oft mehr über seinen Autor aus, als über dessen Fähigkeit zu schreiben. Im Fall von Gunnhild Øyehaug, bezeugt Ich wäre so gerne so wie ich bin, dass die Autorin lieber Drehbuchautorin hätte werden sollen. Von DANIEL WÜLLNER
Das Bildnis
Sabine Ludwig hat mit Painting Marlene ein Jugendbuch geschrieben, das LIA DOLFUS nicht aus der Hand legen wollte und sie mindestens vier Mal überzeugte, den Täter nun aber wirklich entlarvt zu haben.
Wo das Erzählen noch geholfen hat
Märchenbücher müssen dick sein und geheimnisvoll wirken, so ähnlich wie Zauberbücher voller magischer Zaubersprüche. Und genau so sieht Michael Köhlmeiers Sammlung von 100 Märchen aus: ein unheimlicher Rabe auf uraltem Pergament wartet nur darauf, dass wir uns an 100 Geschichten aus aller Welt wagen. ANDREA WANNER hat sich von der Beschwörungsformel »Es war einmal …« in Bann ziehen lassen.
Traumberuf Model?
Beim Betrachten des Titelbildes denkt man sofort an Iman, das Vorzeigemodel der Moderbranche aus Somalia. Wer jetzt allerdings eine mit Klischees behaftete Aschenputtel-Geschichte über den kometenhaften Aufstieg eines jungen Mädchens zum neuen Star der Laufstege erwartet, der wird eindringlich und überraschend enttäuscht. Von BEATE MAINKA
Erdenschwer
Wer träumte nicht davon, Flügel zu haben, sie auszubreiten und sich hinauf in die Lüfte schwingen zu können, um davon zu fliegen. Lucy Christopher verbindet in Isla Schwanenmädchen diesen alten Menschheitstraum mit klassischen Märchenmotiven und einer ernsten Familiengeschichte. Leider genügt ihr das nicht. Und so werden erzählerische Konventionen zu Bleigewichten, die den Flug – kaum begonnen – mit einer Bruchlandung enden lassen. Von MAGALI HEISSLER
Ein entwischtes Engergieteilchen
Über Buchcover lässt sich streiten. Und wahrscheinlich greift ein junger Leser zielsicher nach genau dem Buch, das ein Erwachsener mit einem einzigen Blick auf das Äußere verschmäht. In diesem Fall hätte der junge Leser Glück und der erwachsene Pech gehabt. ANDREA WANNER spricht aus Erfahrung, denn beinahe hätte sie eines der Highlights des Bücherherbsts verpasst.
Vom Glück des Andersseins
Was ist eigentlich normal? Dass man sich zum Schlafen ins Bett legt und in der Küche isst? Dass Männer Herrenschuhe tragen? Herr Juri lebt anders, er schläft im Schrank und liegt nachts unter der Bank vor dem Haus. Viola Rohner und Erhardt Dietl erzählen von ihm und seinem Weihnachtsfest. Von SUSANNE MARSCHALL
Zwei Geschichten vom Glück
Glück braucht man im Leben, was wären wir ohne es? Glück, das im letzten Moment Unglück wendet, Momente des Glücks, die Leben schön machen, sei es für längere Zeit, sei es für einen Augenblick nur. Glück, das wie ein freundlicher Geist erscheint, um die Sonne in ein dunkles Leben leuchten zu lassen. Davon erzählen jeweils auf sehr eigene Art Will Gmehling in Wie das Glück zu Rita Ricotta kam und Alessandro Lecis in Ich bin nicht Rotkäppchen. Von MAGALI HEISSLER
Ein Fest für die Nase - und die Augen!
In der Masse der Neuerscheinungen – die jüngsten Zahlen haben ergeben, dass im vergangenen Jahr die 8000er-Marke bei Kinder - und Jugendbüchern erreicht wurde – wird leicht vergessen, was für eine Leistung ein Buch eigentlich ist. Hin und wieder aber tauchen aus der Flut einzelne Bücher auf, bei denen Idee, Umsetzung und schieres Können zu einem so meisterlichen Ergebnis zusammenfließen, dass man das Gefühl hat, ein wahres Wunder vor sich zu haben. Silvana D’Angelo und Antonio Marinoni haben mit ihrer Geschichte Der Duft der Dinge ein solches Wunder geschaffen. MAGALI HEISSLER staunt immer noch.
Ganz genau hinschauen!
Wir kennen die Dinge um uns herum, können sie benennen, benutzen sie täglich und wissen genau, wozu sie da sind. Wirklich? Zwei witzige Bilderbücher laden dazu ein, die Welt einmal mit anderen Augen zu sehen. ANDREA WANNER staunte.
Wir werden nicht als Egoisten geboren, wir werden ...
Kleine Kinder sind süß. Äuglein, Näschen, Öhrchen, Patschhändchen, einfach herzig. Ganz klar, dass es auch einmal schief gehen kann, wenn so putzige Fingerchen nach etwas greifen. Daran kann man dem goldigen kleinen Wesen nicht die Schuld geben. Sagen Erwachsene. Sie übersehen dabei allerdings etwas. Gleich, wie süß kleine Kinder sein mögen, eins sind sie nicht: dumm. Thad Krasnesky und David Parkins beweisen es in ihrer witzigen Geschichte Ich mach, was ich will - ich bin doch noch klein. Von MAGALI HEISSLER
Das Grundwasser unserer Existenz
Eine junge Frau schweigt. Ihr Umfeld ist damit völlig überfordert ... Der junge Verlag HOERSPIELPARK von Paul Plamper hat ein mutiges und zugleich außergewöhnliches Psychogramm eines seelischen Ausfalls und der Zerfallserscheinungen eines sozialen Gefüges hörbar gemacht. Von DR. RANDY WEINHEIMER
"We interrupt this programm!"
Diesen Oktober jährte sich Orson Welles Todestag zum 25. Mal. MIRJAM STUTZMANN hat sich zu diesem Anlass den Hörspiel-Klassiker War of the Worlds vorgenommen. Ob diese frühe Form von Dokufiction auch heute noch funktionieren würde?
Von Affen und Aposteln
Axel Hacke und Giovanni di Lorenzo haben sich in Wofür stehst Du? an ein zutiefst emotionales Thema gewagt: Werte. MAXIMILIAN REEG hat ihren Diskurs verfolgt.
Ausgelagerte Ur-Natur
An so einem Migranten hätte Thilo Sarrazin seine helle Freude: TV-Moderator Dieter Moor hat seinen Hof in der Schweiz verkauft, um sich in Brandenburg als Bio-Bauer zu profilieren. Dabei fordern ihm Land und Leute erhebliche Anpassungsleistungen ab. MAXIMILIAN REEG hat sich die Geschichte der gelungenen Integration angehört.
Mensch und Ratte als Duo infernale
Welche Generation spricht hier? Geil? Schlaff? Noch-Nicht oder doch schon so sehr? Julian Schraven erzählt in seinem amüsanten Hörspiel vom orientierungslosen Frischabiturienten und Radiomoderator Luca „Benk“ Merus. Seine Ratte Jerry hat den Durchblick, er nicht. Hätte er sie mal besser nicht überfahren … Von MARTIN BEYER
3627 Zentimeter in die amerikanische Nacht gehaucht
Jack Kerouacs generationenbildender Roman On the Road liegt jetzt in der Urfassung vor. Die ganzen 3627 Zentimeter. Unnötig ist das nicht. Aber auch nicht wichtig. Von JAN FISCHER
Grausame Geschichten
Und der Doktor sitzt dabei und gibt ihm bitt’re Arzenei. Um einen der kleinen Patienten dabei zu beruhigen, entwarf der Frankfurter Kinderarzt Heinrich Hoffmann oft Bildgeschichten und Verse. Wenn sie denen des Struwwelpeter ähneln, waren die Kinder vielleicht mehr von Grauen gebannt als beruhigt. 1844 verfasste Hoffmann den Struwwelpeter als Weihnachtsgeschenk, unzählige Male wechselte es in Interpretationen, Adaptionen und Parodie seine Gestalt. Die Faszination des buchgewordenen Kinderschrecks aber ist zeitlos. Von LIDA BACH
Wirklichkeit und Vorstellung verschmelzen zur Kunst
„Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuß des Ngong-Gebirges.“ Mit diesem Satz eröffnet Karen Blixen (1885–1962), in Deutschland unter dem Pseudonym Tania Blixen bekannt, ihren Weltklassiker. Und bereits mit dem ersten Satz wird der Leser von der Kraft der Erzählung erfasst und in eine fremdartige und unbekannte Welt hineingezogen. TANJA SIEG hat die Neuausgabe des Romans zum 125. Geburtstag der fantastischen Geschichtenerzählerin noch einmal gelesen.
Huck, wo bist du?
Mit Superlativen sollte man in der Literaturkritik sehr vorsichtig umgehen, aber diese Romane gehören ganz eindeutig zu den großen Klassikern der Weltliteratur: Tom Sawyer und Die Abenteuer des Huckleberry Finn sind unverwüstliche Werke eines großartigen Literaten. Eine neue Hörspiel-Adaption führt uns pünktlich zum Mark-Twain-Jubiläum wieder direkt auf den Mississippi. Ein Klassiker-Check von MARTIN BEYER.
Billy Pilgrims Reise durch Zeit und Raum
1969 erschien Kurt Vonneguts Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug. Der Roman avancierte zur „Antikriegsfibel der Vietnam-Generation“, zum literarischen Meisterwerk der US-amerikanischen Postmoderne. Der Rowohlt Verlag legt jetzt eine Neuausgabe vor. Ein Klassiker-Check von MONIKA THEES anlässlich des 65. Jahrestags der Bombardierung Dresdens, deren Schrecken den Kern dieses immer noch berührenden Romans bildet.
Vortreffliche Selbsteinschätzung
Wer die lyrischen Neuerscheinungen ein wenig im Blick hat, der weiß, dass so ziemlich jedes Kalenderjahr mit zumindest einigen interessanten Anthologien aufwarten kann, und ja: Ich lese sie gerne. Neulich wurde ich von einem Journalisten gefragt, was ich denn lieber lesen würde, Anthologien oder Einzelbände – eine Frage, auf die ich keine wahrheitsgemäße Antwort geben konnte. Ich lese auch gerne Einzelbände, aber ob ich einen guten Einzelband einer guten Gedicht-Anthologie vorziehe, oder auch andersrum, kann ich nicht grundsätzlich sagen: frische Nordseekrabben vom Kutter oder Spargel-Quiche – gottseidank kann man ja auch beides genießen, eines nach dem anderen, je nach Tagesform, Lust und Laune. Von STEFAN HEUER
Zu Tinte zerronnen
Nora Bossongs neuer Band Sommer vor den Mauern ist eine vielpolige, in verschiedenen Richtungen verankerte Angelegenheit. Von TOBIAS ROTH
Christoph Grau bebildert die unendlichkeit auf erden
der titel sagt es bereits: projekt ist etwas unabgeschlossenes, unabschliessbares. eigentlich hätte etwas kugelförmiges dabei herauskommen müssen, das pantheon-phänomen zu be- und alle naheliegenden sowie im besten Sebaldschen sinn ab-schweifenden assoziationen aufzuschreiben. stattdessen ist es ein kleiner ziegel geworden, der sich im schaufenster des hamburger textem verlags, der ja auch die hübsch verschwurbelte zeitschrift kultur & gespenster herausgibt, ausgezeichnet ausmacht. Von CRAUSS
Von Tieren und Menschen und Tieren im Menschen
Jahrtausendelang hat die Menschheit mit Tieren unter einem Himmel und unter einem Dach zusammen gelebt. Seit den Fortschritten der Industrialisierung und Automatisierung, die einhergingen mit dem dschungelhaften Wachstum der Städte, gerät diese intime Beziehung zwischen Mensch und Tier immer mehr in den Hintergrund. Von MATTHIAS FALLENSTEIN
Acht Fäuste für ein Halleluja
Wer Anfang der 1990er Jahre in seiner Lieblingskneipe ein gepflegtes Bier trinken, im interkulturellen Treffpunkt die Lokalmatadoren im Kickern herausfordern oder sich in der Justizvollzugsanstalt seines Vertrauens ein paar ruhige Stunden machen wollte, dem konnte es passieren, dass diese Horte der Geselligkeit seit dem letzten Besuch ihr Gesicht verändert hatten. Von STEFAN HEUER
Mit Kurs aufs Weihnachtsgeschäft
Am 7. Februar 2012 vor 200 Jahren wurde Charles Dickens geboren, als zweites von acht Kindern. Das »Leben im Prekariat« lernt er früh aufs Drastischste kennen, als der Vater kurzfristig im Schuldturm sitzt und der elfjährige Charles in einer Schuhwichsefabrik fürs Familieneinkommen sorgen muss. Die Grenze für Bildung heißt Geld, die Grenze für Liebesglück heißt Klassengesellschaft. Charles Dickens wird diese Erfahrung als Gerichts- und Parlamentsreporter und erst recht als Schriftsteller immer wieder variieren, ob als herzzerreißende Erzählung oder als schneidende Sozialsatire. Wie sie auch in sein eigenes Familienleben einfließt, erzählt das von Alexander Pechmann zusammengestellte Buch Mary und Charlie Dickens: Unser Vater Charles Dickens. Von PIEKE BIERMANN
Drei gegen den Rest der Welt
Don Winslow ist ein Phänomen. In knapp zwei Jahrzehnten hat sich der Ex-Detektiv, Ex-Schmuggler, Ex-Safari-Guide, Ex-Theaterdirektor und passionierte Surfer in die erste Reihe der US-amerikanischen Thrillerautoren geschrieben. Kollegen liegen ihm zu Füßen. Die internationale Kritik ist entzückt. Hollywood interessiert sich zunehmend für seine Romane. Und die sind wiedererkennbar, sobald man die erste Seite aufschlägt. Nun also Zeit des Zorns – im Original Savages, »die Wilden« –, Winslows letztes Buch: brutal, megaspannend und sogar ein bisschen romantisch. Von DIETMAR JACOBSEN
Verfluchtes Erbe
Zehn Jahre nach seiner Essay-Sammlung Verfluchtes Fleisch überzeugt Josef Bierbichler, vor allem bekannt als Theater- und Filmschauspieler, erstmals auch mit einem Roman: Mittelreich. Von TOM ASAM.
Parker und die Dilettanten
Seit 2006 erscheinen im Paul Zsolnay Verlag die Parker-Romane von Richard Stark. Hinter dem Autorenpseudonym verbirgt sich der 2008 verstorbene Donald E. Westlake. Verbrechen ist Vertrauenssache – im Original 1997 unter dem Titel Comeback erschienen – ist bereits der achte Band in der schön aufgemachten Reihe. Als Übersetzer konnte zum dritten Mal mit Dirk van Gunsteren einer der Renommiertesten seines Fachs gewonnen werden. Und Parker, der Verbrecher ohne Vornamen, macht seinem Ruf natürlich wieder alle Ehre. Von DIETMAR JACOBSEN
Scheint alles möglich
Dass man in Wien nicht nur bei Melange im Kaffeehaus sitzt, sondern zumindest als Polizist auch mit Ekligerem konfrontiert werden kann, schildert Georg Haderer in seinem bereits dritten, wiederum beim – gerade im Krimibereich – hervorragend aufgestellten Haymon-Verlag erschienenen Kriminalroman Der bessere Mensch. Von STEFAN HEUER
Durchs wilde Vorgestern
Uwe Tellkamp durchstreift Straßenzüge, durchstöbert verstaubte Dachböden, durchkämmt seine Stadt. Er sucht Erinnerungsorte auf und öffnet vergessene Schatztruhen in seinen Dresdner Erkundungen – einer Zeitreise mit der Schwebebahn.
HUBERT HOLZMANN hat für die 165 Seiten ein Billett gelöst.
Die Meisterin der Mikrogroteske
In Marie T. Martins soeben beim Leipziger poetenladen-Verlag erschienenem Debütband Luftpost zählen die Sätze. Von LEIF NYBELEN
In der Kürze liegt die Wucht
Auf den Punkt kommen – in seiner Kurzgeschichtensammlung Die Kuh ist ein einsames Tier nimmt sich David Albahari diese Losung sehr zu Herzen: Die Prosastücke des Bandes sind auf ein Minimum reduziert. CHRISTIAN NEUBERT entdeckt in den knappen Texten große Weiten und bemerkenswerte Tiefe.
Menschliches, Allzumenschliches ...
15 Erzählungen bedeuten 15 Verstörungen, 15 Enttäuschungen, 15 Überraschungen. – Eine Beschreibung der »Flugkoordinaten« von Helmut Gotschys Storch. Von HUBERT HOLZMANN
Geheimnisse zwischen Poe und Beckett
»Nicht in der Wahrheit, sondern in der Täuschung werden die Untiefen der Existenz berührt«, hatte Hartmut Lange eine Figur in seinem 2007 erschienenen Novellenband Der Therapeut sagen lassen. In den sieben neuen Erzählungen hat der 74-jährige Lange wieder einmal – stilistisch gewohnt souverän und ausgefeilt – diese seelischen Untiefen ausgelotet und ein faszinierendes Verwirrspiel im Grenzbereich menschlichen Handelns und Denkens inszeniert. Von PETER MOHR
Gestohlene Stunden
Pfeife anstecken und Lupe suchen. Das Romandebüt des Jedediah Berry. Von MATHIAS BROSE
Nirgendwo ist Heimat, überall ist Heimat
Tschechien und Brasilien, bis auf den Wortausklang darf gerätselt werden über das Verbindende und das Trennende zwischen diesen beiden Ländern. Auf den ersten Blick liegt ein Ozean dazwischen. Erzählerisch gelassen umspannt die Tschechin Markéta Pilátová in ihrem Debütroman den Globus. Von SENTA WAGNER
Ein diffuser Tagtraum
Slam-Poet Frank Klötgen, der moderne Chronist abstruser Alltagsmythen, der problemlos Chill-out-Zone und Schiller in einer Zeile unterbringt, hat nun seinen ersten Roman geschrieben. AUGUST WERNER hat ihn gelesen.
Es geht um mehr als nur die Wurst
Auf einem heruntergekommenen Bauernhof südlich von Leipzig muss einen Tag vor dem zweiten Advent 1992 die letzte Sau ihr Leben lassen. Während die Schlachterin Diana Kampradt als mâitresse de cérémonie routiniert die Messer schwingt, geht es für drei Generationen der Familie Schlegel um mehr als nur die Wurst im Jahre 3 nach dem Mauerfall. Von DIETMAR JACOBSEN
Die Hybris des Langstreckenläufers
Egozentrik ist sein ganzheitliches Lebenskonzept. Tägliches Training räumt alle Hürden aus dem Weg. Jeden Tag den Körper spüren, seinen Hunger, seinen Schmerz, seine Sättigung – das ist sein Ziel. Ein vor Energie strotzender Titelheld startet durch. Von INGEBORG JAISER
Was Politik in einem privaten Leben anrichten kann
Hamayuns Probleme mit den Taliban und der ersten Liebe. Anoush Elman und Edward van de Vendel erzählen die Geschichte einer Flucht. Von GEORG PATZER
Verschwommene Sicht
Mit sechzehn ist es höchste Zeit, die Kinderstube zu verlassen. Das ist jedoch nicht nur unbequem, sondern kann auch verflixt weh tun, da so manche kindliche Illusion einem scharfen Blick nicht standhält. Kein Wunder, dass manche Jugendliche sich vor solchen Erfahrungen drücken. Francesco Gungui führt in seinem umfangreichen Roman Ich mag dich, wie du bist leider nicht nur seine Heldin auf verschlungene Wege durch den Dunst, sondern auch die Leserinnen. MAGALI HEISSLER folgte ihnen eher kopfschüttelnd durch das vielfach künstlich eingenebelte Labyrinth.
Der Freund aus dem Labor
Charlotte Kerner hat mit Blueprint bereits ein sehr erfolgreiches Buch zum Thema »Klonen« verfasst. Auch ihr neuer Roman, Jane Reloaded, beschäftigt sich mit dieser Thematik, allerdings ist die Handlung hier noch weiter in die Zukunft versetzt. Unsere Jugendbuchexpertin SOPHIA RIESSBECK (12 Jahre) hat das Buch probegelesen und fühlt sich von der Autorin zwar belehrt, aber wenig unterhalten.
Wer ist Vango?
Paris 1934. Im Alter von 19 Jahren soll Vango vor der Kathedrale Notre Dame zum Priester geweiht werden. Doch es kommt alles ganz anders. Eine Jagd durch Raum und Zeit beginnt. Und an dem Leser nagt ständig eine Frage: Wer ist Vango? Von TANJA LINDAUER
Sein und Schein
Man muss ja nicht immer gleich bei Nietzsche oder Schopenhauer nachschlagen, um die Welt zu verstehen. Man kann ja auch mal selber nachdenken, was es mit der Welt auf sich hat. GEORG PATZER hat das an dem Buch Was, wenn es nur so aussieht, als wäre ich da? probiert.
Ene mene meck und du bist weg!
Angelika Waldis und Christophe Badoux (Ill.) haben – tock – ein wunderbares Comickinderbuch geschrieben. VIOLA STOCKER würde am liebsten mit Jojo tauschen und sich zumindest manchmal den titelgebenden unheimlichen Stein ausborgen. TOCK – Sofa zum Vorlesen verdoppeln – TOCKTOCK – nächtliche Störenfriede ins Nirvana schicken. Aber wie kriegt man die dann zurück?
Sandwichkind will einen Hund
Sie hat es nicht leicht, die junge Dame in Elfriede Hammerls aus dem prallen Familienleben gegriffenen Geschichte über eine arme, frischgebackene große Schwester mit noch größerer Schwester und nur einem Herzenswunsch, um diesem Dilemma zu entkommen: Sie braucht einen Hund, unbedingt und sofort! Von BEATE MAINKA
Die stolzen Blumen und der Schnee
Einst war der Schnee farblos und durchsichtig wie der Wind. Wie und warum er zu seinem weißen Kleid kam, erzählt das Märchen von Heinz Janisch. Silke Leffler illustrierte es in leuchtenden Farben, wunderschön und voller Poesie. Von MONIKA THEES
Innig, mit Gefühl
Wenn der beste Freund eines Jungen sein Hund ist, ist das nur auf den ersten Blick süß. Tatsächlich ist eine solche Verbindung ein Indikator dafür, dass es mit dem diesem Kind nicht zum Besten steht. Das kann auch zutreffen, wenn es dem Kind nach außen hin gut geht. Wenn dieser beste Freund plötzlich vom Tod bedroht ist, zeigt es sich, wie dünn Fassaden wirklich sind. In ihrem zweiten Buch für etwas ältere Kinder, Samsons Reise, verknüpft Annette Mierswa ein zurückliegendes Familientrauma mit der grundsätzlichen Frage nach dem Sterben. Von MAGALI HEISSLER
Wer ist der Seehund?
In wunderschönen Bildern erzählt der mehrfach ausgezeichnete Buchautor und Illustrator Nikolaus Heidelbach die Geschichte Wenn ich groß bin, werde ich Seehund. Ein kleiner Junge findet im Bettkasten des Sofas ein Seehundfell, ohne zu ahnen, was seine Entdeckung auslöst. Von MONIKA THEES
Rummelbummel im Trachtenfummel
Am 18. September braust durch München, den beschaulichen Moloch an der Isar, ein Ruf wie Donnerhall: O´zapft is! Das große Besäufnis, das sich „Wies´n“ nennt, wird satte 200 Jahre alt. Für die Münchner heißt es dann: Flüchten, Meckern oder - Mitmachen. MIRJAM STUTZMANN hat vorab eine Jubiläumspublikation untersucht. Kam dabei Festzeltlaune auf?
Screwball ohne Schnickschnack
Erst der Porno, dann die Pleite betitelte Henryk M. Broder seine Rezension des Romans von Kristof Magnusson. MIRJAM STUTZMANN hat jetzt die Hörbuchversion des Bestsellers unter die Lupe genommen. Dabei hat sie sich gut amüsiert und festgestellt, dass die Hörfassung manches sogar besser kann.
Die Gedanken sind frei
Jürgen Domians Call-In-Show hält wochentags eine treue Fangemeinde, zu der sich auch CHRISTIAN NEUBERT zählt, wach bzw. lässt diese gut einschlafen. Nun liegt die Hörbuchfassung seines zweiten Romans vor.
Märchenstunde
Fantasy ist die junge, hippe Schwester des Märchens. Und ebenso wie ihre ältere Verwandte ist sie am besten, wenn sie mündlich vermittelt wird. Katharina Thalbach beweist das mit ihrer Lesung von Terry Pratchetts Scheibenwelt-Roman Ruhig Blut! Von MATTHIAS ROSS
Keine Panik
Vom Hörspiel zum Roman zum Hörbuch … der Kreis schließt sich: Das Restaurant am Ende des Universums liegt jetzt auch auf Deutsch als Audiobook vor. Gelesen wird Douglas Adams von Christian Ulmen. MATTHIAS ROSS fragt sich, ob das eine gute Wahl gewesen ist ...
Einblicke mit monströser Wucht
Realistisch erzählte Texte sind langweilig? Hier kommt ein Gegenbeweis: Die Neuauflage von John Cheevers Der Schwimmer ist erschienen und belegt, weshalb Cheever zu den lesenswertesten Klassikern unter den amerikanischen Kurzgeschichtenautoren zählt. Von SIMONE SCHRÖDER
Kopulation ist nicht geiler als der Tod
Walt Whitmans „Ich“ fliegt über Amerika. Und was sollen wir damit, wir Nichtamerikaner? Whitmans Grasblätter sind auch uns zugeeignet, den Bewohnern „fremder Länder“:
Ich hörte, daß ihr etwas erbittet, dieses Rätsel der Neuen Welt zu bekunden / und Amerika zu erklären, seine athletische Demokratie,/Deshalb sende ich euch meine Gedichte, damit ihr in ihnen erblickt, was ihr verlangt.
Von BRIGITTE HELBLING
Beim Wiederlesen von Pan
WOLFRAM SCHÜTTE nimmt Hamsuns 150. Geburtstag am 4. August zum Anlass, in die eigene Leservergangenheit zurückzukehren und zu überprüfen, ob sich der damalige fiebrige Lesetaumel bei der Lektüre des Pan auch beim heutigen Wiederlesen einstellen will.
Ein Hunger(-künstler)
Vor mehr als 115 Jahren hat Knut Hamsun Hunger geschrieben, einen Roman über eine gescheiterte Persönlichkeit, wie sie auch heute in jedem Stadtpark, auf jedem Bahnhofsvorplatz zu finden ist, in ausgelatschten Turnschuhen und speckigem Ledermantel, laut aus der Zeitung rezitierend. SIMONE SCHRÖDER hat den Klassiker begutachtet und kam zu dem Schluss: Auch in der Neuauflage glänzt der Roman als zeitgemäßes Stück Weltliteratur.
Paradies, verloren
Gewöhnlich haben die Klassikerausgaben des Manesse Verlags das Format eines Notizbuchs, das sich bequem in die Tasche stecken lässt. Anders diese groß angelegte Neuübersetzung von Schau heimwärts, Engel, die der Verlag achtzig Jahre nach Erscheinen der Originalausgabe vorlegt. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN
wachsende unaufgeregtheit
Adrian Kasnitz sucht das verschwinden sichtbar zu machen. Von CRAUSS
Mit allen Sinnen, in allen Zeiten
Die Schifffahrt als Topos des Lebens wie des Schreibens hat eine Tradition, die so lang ist wie die schriftliche Überlieferung selbst. Das Feld scheint unbegrenzt und randlos wie sein Leitbild. Der große Hans Blumenberg schrieb: Das Repertoire dieser nautischen Daseinsmetaphorik ist reichhaltig. Es gibt Küsten und Inseln, Hafen und hohes Meer, Riffe und Stürme, Untiefen und Windstillen, Segel und Steuerruder, Steuermänner und Ankergründe, Kompass und astronomische Navigation, Leuchttürme und Lotsen. Von TOBIAS ROTH
Buy one, get one free, und das nochmal zum halben Preis
Das KOMMANDO EL3KTROLYRIK zwischen Konsumrausch und Social Media. Von STEFAN HEUER
Der Garten als metaphorische Lebensader
Wenn der Name Pietro Bembos, der gestern seinen 541. Geburtstag gefeiert hätte, heute überhaupt noch fällt, dann zwar mit Anerkennung, aber ebenso im Vorbeigehen wie gezwungenermaßen mit einem Gestus des Spezialwissens, der den flächendeckenden Auswirkungen seiner Feder kaum gerecht werden kann. Umso mehr sollte die Möglichkeit ergriffen werden, ihn ohne die runden Zahlen eines Jubiläums, aber mit der Neuübersetzung eines seiner Gedichte zu feiern. Von TOBIAS ROTH
»der Klang der irren Worte / die in Fetzen den Bürgersteig hinabwehen«
2008 hat Lutz Steinbrück, Jahrgang 1972, sein Debut Fluchtpunkt:Perspektiven im Berliner Lunardi Verlag vorgelegt. Unter diesem sehr optischen, gar malerischen Titel zog Steinbrück das globale, sozioökonomische Geschehen auf den Blickpunkt großstädtischer, flüchtiger Anblicke. Diese Dynamik und Zusammenschau liegt auch seinem nun erschienen zweiten Lyrikband zugrunde. Die optischen Vorzeichen des Titels haben sich jedoch umgekehrt: Steinbrücks im Berliner Verlagshaus J.Frank erschienenes Buch ist mit dem Wort Blickdicht überschrieben. Von TOBIAS ROTH
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Fernsehverbot für den Verfassungsschutz
Das Fernsehen gibt uns immer wieder Rätsel auf. Ich frage mich beispielsweise seit Jahren, wer eigentlich die Live-Übertragungen aus dem Bundestag kuckt? Alle paar Monate schluchzen ...
Die Faszination des Grauens
Kaum ein Werk der Weltliteratur hat, sieht man einmal von der Bibel ab, so viele Künstler unterschiedlicher Epochen und Stilrichtungen zur Umsetzung ins Bildmedium angeregt. Die ...
Harder. Faster. Louder!
Frank Schäfer, mit universitären Würden ausgestatteter Geisteswissenschaftler, Autor, Kritiker, Hobbymusiker und eingefleischter Metal-Fan hat eine Interviewsammlung zum Thema Heavy ...
Life and Death of a Hollywood Extra
»Rede!« – »Ich werde nichts sagen!« Blitz! Schock! Flackern! Noch höher drehen die russischen Schurken die Stromzufuhr des ...
Den Lauf der Welt verändern
Um die Gunst der Leserschaft kämpfen viele Comics. Die Chaostheorie, das erste Album der neuen Serie Kaplan & Masson, kann gerade durch seine Solidität ...
Musique Electrique
Sie leben. Die Stimmen vom neonfarbenen See an den blauen Feldern. Von TOM ASAM.
Schweizerinnen auf dem Vormarsch?!?
Wer fällt Ihnen ein, wenn Sie an starke Schweizer Frauen denken? Wenigstens irgendeine Frau? Frau? Fühlen Sie sich nicht zu schlecht, wenn Ihnen zu dem Land, in dem die Frauen erst 1971 ...
Ein Jahr lang Frühling
Der arabische Raum war in den vergangenen Monaten in den deutschen Medien so präsent wie selten zuvor. Fast unvermeidlich, dass sich die Veränderungen dort nach angemessener Frist auch in ...
Pomp und Knall und Tätärätä
Das Silvesterkonzert der Münchner Philharmoniker und des Philharmonischen Chors Münchens unter der Leitung von Andrew Manze. Gesehen von BJÖRN VEDDER
»John Le Carré sagte, es sei die beste Adaption eines Buches, die es je gab.«
Gary Oldman über seine Rolle als Georg Smiley in dem Film Tinker Tailor Soldier Spy (Dame, König, As, Spion). Ein Interview von LIDA BACH
Materieller Spam als Kunstform
Kennt das nicht irgendwie jeder: Man wird erwachsen und will aus diesem einen Kaff raus, in dem man aufgewachsen ist – der täglichen Tristesse entkommen und endlich die Welt sehen. Noch ...
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