Ach, Philis!
Netten, gebildeten Männern mit Bart, die gerne Wein trinken, sollte man zuhören. Oder? Von CHRISTOPH POLLMANN
Niederauffahrt von Pier Paolo Pasolini
Neues & Unbekanntes von, über, gegen den italienischen Poeten. Zwei deutsche Publikationen erinnern an Pier Paolo Pasolini: der Dichter als Journalist der italienischen Badestrände mit den hässlichen Deutschen und der Dichter & sein maßloses Oeuvre im Lichte unserer Gegenwart. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Die Zukunft ist zurück!
Pünktlich zur Premiere von Metropolis erzählt uns ein opulenter Bildband, wie es bei einem 83 Jahre alten Film, den irgendwie schon jeder kennt, noch einmal eine Premiere geben kann. JENS ESSMANN hat ihn gelesen.
Unter Brüdern
In dem jungen Wiener Dichter und Kunsthistoriker Klaus Demus fand der noch unbekannte Paul Celan einen Freund und Bewunderer, zu dem er ein besonderes Vertrauen fasste. Ihr Briefwechsel dokumentiert den Dialog zweier Außenseiter der deutschsprachigen Nachkriegslyrik und die erschütternde Ohnmacht der Freundschaft gegenüber Celans seelischer Erkrankung. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN
Gedächtnis der Menschheit
Die einstigen Wissenstempel haben sich in Orte moderner Mediennutzung verwandelt. Ein Insider rollt die jahrtausendealte Geschichte der Bibliotheken neu auf. Von INGEBORG JAISER
Zur Genealogie der Globalisierung
Es ist eines der dicksten Bücher des letzten Jahres (1568 Seiten!), aber in Jürgen Osterhammels Geschichte des 19. Jahrhunderts ist keine zu viel, um die "Verwandlung der Welt“ en gros et en détail zu beschreiben. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Gelungenes Scheitern
THOMAS SCHÄFER über Ulrich Horstmanns Studie über verstummende Autoren.
Is it cool man?
Der Journalist Tobias Lehmkuhl hat einen anregenden kleinen Essay über Miles Davis geschrieben, der seinem Gegenstand jedoch nicht immer gerecht wird. Von SEBASTIAN KARNATZ
Schuhe, die die Welt bedeuten
Schuhe? Warum ausgerechnet Schuhe? Wie Vincent van Goghs 1886 entstandenes Gemälde „Schuhe“, das sich heute im Amsterdamer Van Gogh Museum befindet, zu einem der meist diskutierten Werke der Kunstgeschichte werden konnte, zeichnet ein jüngst erschienener, sehr kurzweiliger Essay des New Yorker Kunsthistorikers Geoffrey Batchen nach. Von SEBASTIAN KARNATZ
Zu viel Geiz
Als die Ming-Dynastie zusammenbrach, konnte man „weder sterben noch weiterleben“. Aus einem luxuriösen Leben stürzte Zhang Dai ins Elend. Nur das Buch, das er noch schreiben wollte, die Geschichte der Ming, rettete ihn. Von GEORG PATZER
Eine Reise ins tiefste Dunkel der Nacht
Nicholson Bakers historische Roman-Revue Menschenrauch ist gewiss eines der eigensinnigsten Bücher der letzten Jahrzehnte: eine Betrachtung darüber, “wie der Zweite Weltkrieg begann und die Zivilisation endete” (Untertitel), dessen zentraler Schurke weder Hitler noch Stalin, sondern deren entschiedenster Feind, der britische Premierminister Winston Churchill, ist. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Das System der Kunst
Kunstgeschichte als Institutionengeschichte. Heidenreichs populäre Diskursanalyse des Kunstsystems führt Künstler in das System ein, das sie erwartet und zeigt, wie es wurde, was es ist. Von BJÖRN VEDDER
In medias res
Das waren noch Zeiten, als mitten im Krieg der deutsche General Kreipe, vom Anblick des griechischen Berges Ida ergriffen, murmelte: „Vides ut alta stet nive candidum, Soracte…“, und sein Bewacher, Major Patrick Leigh Fermor den Satz beendete: „… nec iam sustineant onus silvae laborantes“. Von GEORG PATZER
Im Irrgarten der Literatur
Der italienische Literaturwissenschaftler und Essayist Franco Moretti ist für seine unkonventionelle Denkweise bekannt. In Kurven, Karten, Stammbäume vermisst er stilistisch gekonnt die Literaturgeschichte neu und zeigt, dass es möglich ist, Literatur mit Methoden aus anderen Disziplinen zu beschreiben und zu verblüffenden Resultaten zu gelangen. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN
Bildung als Roman
Der in der Berlin University Press veröffentlichte Essayband Der Roman eines Lebens gibt vor, den Zusammenhang von aktuellem Bildungsbegriff und Bildungsroman zu untersuchen – und liefert dabei doch nur eine lose verknüpfte Zusammenstellung von Aufsätzen des großen Germanisten Wilhelm Vosskamp. Von SEBASTIAN KARNATZ
Nicht nichts!
Nicholas Boyle lehrt in Cambridge, hat eine viel beachtete Goethe-Biografie geschrieben und - er hat einen ganz eigenen Blick auf die deutsche Literatur, einen dezidiert politischen Blick. Von CHRISTOPH POLLMANN
Monographie ohne Thema
Hinter dem seltsam anmutenden Titel Der ikonografische Imperativ der Deutschen verbirgt sich eine Sammlung der jüngsten Feuilletonbeiträge des großen Kunstvermittlers Werner Spies, die aufgrund einer fehlenden thematischen Leitlinie leider hinter den Erwartungen zurückbleibt. Von SEBASTIAN KARNATZ
Jahrhundertealte Diskreditierung
Dass die abendländische, patriarchale Kultur das weibliche Geschlechtsorgan über Jahrhunderte verschwiegen und im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln gehalten hat, dürfte weitgehend bekannt sein, Sanyal aber legt akribisch dar, welch beträchtlicher Aufwand dafür betrieben wurde. Von TINA MANSKE
Geschichtserzähler
Ein junger deutscher Historiker – ohne Berührungsängste zur Literatur – arbeitet beharrlich daran, die angloamerikanische Tradition der hervorragend erzählten Geschichtsschreibung auch auf Deutsch fortzuführen. Sein neuestes Werk „Der taumelnde Kontinent“ ist die fast perfekte Symbiose von akademischem Wissen und stilistischer Eleganz. Von SEBASTIAN KARNATZ
Das Theater muss gar nichts
Dass Michalzik selbst nicht auf eine „Richtung“ festgelegt ist, erkennt man an der Auswahl der Regisseure, auf die er ausführlicher eingeht. Dabei beeinträchtigt seine kritische Distanz niemals seine Begeisterungsfähigkeit, meint THOMAS ROTHSCHILD
Kritik 2.0
In seinem Buch Zero Comments gelingt es dem Medienwissenschaftler Geert Lovink nur bedingt, Elemente einer kritischen Internetkultur nachhaltig zu begründen. Von JÖRG AUBERG
Schöngeistiger Nietzscheaner from England
Junge Musikwissenschaftler entdecken Frederick Delius für die „Musik-Konzepte“. Von HANS-KLAUS JUNGHEINRICH
Kleine Texte mit großer Wirkung
Im ganz Kleinen steckt manchmal das besonders Große. Mitunter kann das Große sogar nur deshalb sichtbar werden, weil es zwar hier und da und dort im Kleinen eine vorläufige Form fand, aber erst im Nachhinein und in der Summe seine tatsächliche Gestalt annahm. Solch einen Fall stellt das Buch Das Mörderische neben dem Leben von Thomas Wörtche dar: Es wagt en passent, auf der Basis kurzer Texte aus 15 Jahren das Paradoxon einer Literaturtheorie, die eigentlich gar nicht möglich ist - und gewinnt, weil das große Ganze eben nur beiläufig und fragil, in der Multiplikation der Kleinigkeiten aufscheint. Von ULRICH NOLLER
Auferstandene Partisanen
Eine Anthologie der New Yorker Zeitschrift n+1 zeugt von der Lebendigkeit der intellektuellen Kritik der herrschenden Zustände jenseits des stromlinienförmigen Kulturmarktes. JÖRG AUBERG
,,Der Roman übertrifft alle Kunstwerke an Papier-Größe."
In einem ziemlich fernen Früher waren Romane ein Echoraum für die Seufzer unbeschäftigter Frauenzimmer, also Schwachsinn. Heute werden Romane auch von Männern gelesen und überfluten die Büchertische. Ob sich der Schwachsinn vermindert hat, darf bezweifelt werden. Von GISELA TRAHMS
Akademische Trendforschung
Die Anthologie „Amerikanisches Erzählen nach 2000“ möchte eine Bestandsaufnahme der amerikanischen Gegenwartsliteratur liefern, scheitert jedoch an ihrem Anspruch, da sie mehr mit dem Aufspüren vorgeblich neuer Trends als mit einer kritischen Analyse der realen amerikanischen Literaturproduktion in all ihren widersprüchlichen Facetten beschäftigt ist. Von JÖRG AUBERG
Leben und Zeit des J. M. Coetzee
Wer die Fotografie auf dem Umschlag lange genug betrachtet, wird glauben, es ließe sich der Anflug eines gelassenen Lächelns auf dem Gesicht des Mannes erkennen, der da in gestreiftem Hemd und mit Brille und einigen Bögen Papier in der linken Hand vor einer nüchternen Steinwand steht. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN
Ein Monument aus Splittern
Mit dem jetzt erschienenen Band 2 ist die von dem Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus und dem Literaturwissenschaftler Norbert Miller gemeinsam konzipierte, aber nach Dahlhaus´ Tod (1989) von Miller weitgehend allein ausgeführte Darstellung der Europäischen Romantik in der Musik nun abgeschlossen worden. Von HANS-KLAUS JUNGHEINRICH
Als Schriftstellerin auch Zeitgenossin
Vor fünfundzwanzig Jahren bat Woody Allen für seinen Film Zelig einige der bekanntesten jüdischen Intellektuellen des späten zwanzigsten Jahrhunderts vor die Kamera, um sich über den von Allen selbst dargestellten Verwandlungskünstler Leonard Zelig zu äußern. Von ANDREAS M. WIDMANN
Pfadfinderei in "Kritischen Wäldern"
Ein bauchiger Wälzer von 1200 Seiten der (weitgehend) amerikanischen Germanistik bietet neugierigen Lesern überraschende & aufschlussreiche Einsichten in die deutsche Literatur- & Kulturgeschichte. Ein Buch der Entdeckungen, zu denen deutsche Germanisten kaum fähig wären. Von WOLFRAM SCHÜTTE
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Nackt unter Türstehern
Alle 14 Tage berichtet STEFAN BEUSE von den Erhabenheiten und Fallstricken der Welt. Heute: Muskelhengste im Fitnessstudio.
Viva la Vulva!
Hinter dem nüchternen Titel Das weibliche Geschlecht verbirgt sich kein Anatomiehandbuch für den Medizin-Grundkurs, sondern ein „ziemlich ungenierter“ Bildband, der ...
Prof. Dr. Dschungelkind
Seit sich jeder Quadratzentimeter belebte Natur per Knopfdruck auf den Bildschirm holen lässt, seit keine noch so abseitige Frage im Netz länger als fünf Minuten unbeantwortet ...
2000 Jahre Dekadenz
Jetzt also die Griechen. Man dachte ja eigentlich, Guido Westerwelle hätte die größten Schmarotzer des deutschen Gemeinwesens ein für allemal identifiziert - da kommen ihm die ...
Das Recht der Bilder betrachtet zu werden
Ästhetisch von berückender Wucht, motivisch geradewegs provozierend hermetisch – so könnte man das Oeuvre des großen deutschen Malers Max Beckmann (1884-1950) auf eine ...
"Erklären Sie mir, warum ich ein Konzept-Künstler bin!"
Anlässlich der Retrospektive des Lebenswerkes von John Baldessari „Pure Beauty“, die nach der Tate Gallery in London, nun vom 11. Februar bis zum 25. April 2010 im Museu ...
Die Frau, die ihr Zittern mit einer Krankheit verwechselte
Von der glamourösen Erfolgsschriftstellerin zu einem schlotternden Häuflein Elend – Siri Hustvedts neues Buch ist schonungslos offene Lebensbeichte, minuziöser ...
Eine gehörige Portion Galgenhumor
„Arbeitslager waren nicht zum Überleben gedacht. Um zu überleben, brauchte man eine gewisse Findigkeit, Freunde, ...
Voll abgekackt
Tommy Jaud präsentiert sich mit Hummeldumm auf der Höhe seines Schaffens. Mutig: Der schriftstellernde Komödiant schreckt auch vor kotigen Kalauern nicht zurück. Der ...
Herr und Knecht
Der Knast als Topos des Kinos. Audiards Experimente mit dem Setzkasten des Genres zeigen die Kehrseiten von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Von NICOLAS OXEN
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