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Dienstag, 07. Februar 2012 | 05:56

 

Algen und glitschiges Heu

Das erste im Haus Rose ist der Geruch, noch vor allem anderen, noch bevor es die drei kleinen Stufen runtergeht in den ersten Flur: Der Geruch, und ich denke: Leichenhalle. Das ist Quatsch, klar, aber ich hatte den Geruch von Sex erwartet, archaischen Algengeruch, gemischt mit Schweiß und nassem, glitschigem Heu. Oder wie auch immer man den Geruch beschreiben soll, daran sind schon bessere als ich gescheitert. So riecht es im Haus Rose jedenfalls nicht. Eher sauber, ordentlich, der Geruch von Reinigungsmitteln, daher kommt vielleicht diese Assoziation mit der Leichenhalle: Reinigungsmittel, und etwas liegt darunter, der Geruch vieler Menschen, vielleicht, die hier ein- und ausgehen, die hier ständig sind, und Zigarettenrauch. Die Geräusche sind gedämpft, als läge hier überall Teppich, hin und wieder Türenklappen, das Lachen von Frauen. Wie schaut man sich so einen Laden an? Wie ein Museum? Wie einen Zoo? Wie eine Wohnung, die man mieten möchte? Wie soll ich hier entlanggehen? Soll ich die Frauen grüßen, auch wenn sie so skeptisch gucken wie die hinten in der Ecke? Soll ich die Kunden grüßen? Kollegial? Überlegen? Ich habe keine Ahnung. Eine Erkundung von JAN FISCHER

 

Der kleine Kiezkönig, oder: Vom Glück zu tanzen

Muss man nicht glücklich sein, um zu tanzen? Das ist so einer dieser Sätze, die bei mir hängen geblieben sind. Ich weiß nicht genau, warum – ich nehme an, wegen der Situation: Sarah sagte den Satz, Sarah, in die ich mich auf Sansibar ein bisschen verliebte, was allerdings dann später, in Amsterdam, nach der Landung, vergleichsweise schnell wieder aufhörte. Den Satz sagte sie mittendrin, ich glaube, in Nairobi. Von JAN FISCHER

 

Occupy the Feuilletons!

Wer heutzutage noch die Feuilletons liest, hat oft den Eindruck, dass die Kulturerzieher alles Erdenkliche daran setzen, um bei ihren Lesern eine Bibliophobie zu erzeugen. Unsere leisen Zweifel an der hier waltenden Sachkompetenz sind inzwischen der sicheren Erkenntnis gewichen, dass man Böcke – vor allem aber Ziegen – zu Gärtnern gemacht hat.

 

Ein plakatives Statement von THOR KUNKEL zum Aufrütteln der resignierten Leser, die Literatur nicht abzuschreiben und die eigene Meinung als relevant zu definieren.

 

»The buckling rumble of the fall«: 9/11 - Die Mutter aller Ereignisse

Zehn Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center ist der Prozess der Analyse der Bedeutung dieses einen Tages in vollem Gange. Fast scheint es so, als hätte sich der Schock gelegt und Platz für nüchterne und rationale Betrachtungsweisen geschaffen. Wie schwer es aber nach wie vor fällt, das Geschehene zu begreifen, zeigt sich zum einen vor allem am medialen Umgang mit diesem Ereignis, der über die mechanische Wiederholung der Bilder kaum hinausgeht, zum anderen an den teilweise wilden und kuriosen Verschwörungstheorien, die in diesen Tagen ein erstaunliches Revival erleben. Von MAIKE ROTHGANG

 

Der Nebel des Informationskriegs

Was machen eigentlich die Whistleblower-Plattform »Wikileaks« und ihr nicht unumstrittener Frontmann? Seit Julian Assange in England unter Arrest gestellt worden war, verebbten die Nachrichten rund um den charismatischen Computerspezialisten und brillanten Selbstdarsteller zunächst. Größere Scoops, wie die für Januar 2011 angekündigte Veröffentlichung von brisanten Protokollen aus dem Innenleben der »Bank of America«, waren verpufft. Wegbegleiter haben sich abgewandt und Befürworter sind leiser geworden. Andere Organisationen griffen die Arbeit von Wikileaks mal mehr, mal weniger publikumswirksam und mit wechselndem Erfolg auf. Nun hat sich Wikileaks ungewollt mit einem selbstzerstörerischen Paukenschlag zurückgemeldet. JÖRG FUCHS hat sich in der Welt der Whistleblower umgesehen.

 

Alles ganz wonderful?

JAN FISCHER hat sich die königliche Hochzeit im Fernsehen angesehen. Und macht sich jetzt Gedanken über unser schizophrenes Verhältnis zu Prunk, Pathos und Pop.

 

Hinter dem Gesetz der Serie

David Lynch und Mark Frost haben mit der Fernsehserie Twin Peaks die Mutter aller Serien geschaffen. ARTE strahlt sie nun vom 19. April bis 28. Juni zum zweiten Mal in Deutschland aus. Von MAXIMILIAN LINK

 

Pest und Cholera

Bei der Präsidentschaftswahl in Peru haben sich die beiden durchgesetzt, die es nicht hätten werden sollen: der »Linksnationalist« Ollanta Humala (31,7 Prozent) und Keiko »die Tochter« Fujimori (23,5 Prozent). Ein Kommentar von JOSEF BORDAT

 

Kleine Atempause mit großer Symbolkraft

Am 15.12.1916 brachen die Deutschen den Angriff auf Verdun ab. Das Leben im Schützengraben hatte sie zermürbt. Doch Weihnachten 1914 war alles anders gewesen. Von JOSEF BORDAT

 

Der schuldlose Stellvertreter

An welche Bilder, die vor 40 Jahren in den Zeitungen gedruckt oder vom Fernsehen übertragen wurden, erinnert man sich noch? Sie sind flüchtig, waren nur für den Tag gedacht. Ein Bild aber hat sich unauslöschlich im Bewusstsein politisch denkender Deutscher eingeprägt: Willy Brandt kniet vor der Gedenkstätte für die Aufständischen des Warschauer Ghettos. Eine religiöse Geste eines Sozialisten, an die man selbst heute noch nicht ohne Erschütterung zurückdenken mag. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Kreuzzug. Die Geschichte eines Missverständnisses

Die Kreuzzüge haben – ihren humanitären Absichten zum Trotz – viel brutale Gewalt hervorgebracht, die das Verhältnis von Okzident und Orient bis heute erheblich belastet. Wir sollten uns hüten, die Kreuzzugsmetapher dort zu verwenden, wo sie die kollektive Erinnerung an diese Gewalt weckt. Wir sollten zugleich jener aktuellen Gewalt entgegentreten, die sich im Bereich des Orient gegen vermeintlich okzidentale Einflüsse entlädt. Von JOSEF BORDAT

 

Tristesse brutale - der größte Klotz der Republik

Vom Wohntraum zum Alptraum: Das Ihme-Zentrum in Hannover verfällt zusehends. Die überfällige Renovierung verkommt zum politischen Stellungskrieg. JAN FISCHER macht eine Ortsbegehung.

 

Newton gegen Leibniz - die Royal Society und der Prioritätenstreit

Vor 350 Jahren beschließen zwölf britische Gelehrte die Gründung einer wissenschaftlichen Gesellschaft, die spätere Royal Society. Von JOSEF BORDAT

 

Lose Postings zu einem virtuellen Küchentisch und einer Bühne in drei Threads

TITEL präsentiert bis zum heutigen Erscheinen des Bandes Statusmeldungen aus dem Blumenkamp Verlag wöchentlich und exklusiv einen Essay. Den letzten Teil dieser kleinen Reihe bestreitet heute JULE D. KÖRBER.

 

"ich bin mit dir total okäse"

Mein Lieblings-Facebook-Moment? Eine Diskussion über Kirche und Kultur - und ein doch recht schneller Konsens ... Von JULE D. KÖRBER

 

Startschuss zu einem gescheiterten Projekt

Der Völkerbund sollte nach dem Ersten Weltkrieg den Frieden sichern. Eigentlich eine gute Idee: Wir schaffen ein System kollektiver Sicherheit, das in der friedenserhaltenden Wirkung über die Figur der Verteidigungsallianz, die es schon seit Jahrtausenden gibt, weit hinausgeht. Von JOSEF BORDAT

Coventry - Ein Ort der Erinnerung

Vor 70 Jahren zerstörte ein Angriff der deutschen Luftwaffe die mittelenglische Stadt Coventry. Dieses Ereignis weckt bis heute das Interesse von Militärhistorikern und Luftkriegsspezialisten. Dabei wird die weitere Geschichte Coventrys oft ausgeblendet: Bis in die 1970er Jahre hinein entwickelte sich die Industriestadt an der Peripherie Birminghams zu einem der einflussreichsten Akteure im europäischen Gedenkkanon. Von JÖRG FUCHS

 

Natürliche, technische und menschliche Dimensionen des Übels

Vor 40 Jahren, am 13. November 1970, sterben eine halbe Million Menschen in der Region Bhola aufgrund eines Zyklons und eines Tsunamis. Am gleichen Tag vor 25 Jahren zerstört ein Lahar die kolumbianische Stadt Armero - mindestens 20.000 Menschen sterben. Die Natur zeigt sich von ihrer grausamen Seite. Doch nicht nur die Natur kennt Gefahren, auch die Technik. Vor 10 Jahren, am 11. November 2000 sterben bei einer Brandkatastrophe im Tunnel der Standseilbahn zum Kitzsteinhorn in Kaprun 155 Menschen. Und: Vor 50 Jahren, am 13. November 1960 nimmt das erste deutsche AKW seinen Betrieb auf. „Atomkraft“ kann heute nicht mehr ohne „Tschernobyl“ gedacht werden. Am 26. April nächsten Jahres werden wir uns an das Reaktorunglück erinnern – es wird der 25. Jahrestag des „Super-GAUs“ sein. Für JOSEF BORDAT ist diese Häufung an Gedenktagen Grund genug, einmal über Katastrophen und ihre Deutung nachzudenken.

 

Das Jahr, in dem ich nirgendwo war

Daheim im Dorf sehe ich jeden Tag dieselben vier Gesichter ... plus 250 »Freunde« auf Facebook.

 

TITEL präsentiert bis zum Erscheinen des Bandes Statusmeldungen aus dem Blumenkamp Verlag am 15. November wöchentlich und exklusiv einen Essay. Den dritten Teil der kleinen Reihe bestreitet heute STEFAN MESCH.

 

A game for fools

Mein Lieblings-Facebook-Moment? Die Pinnwand-Diskussion in meinem Freundeskreis über den taz-Artikel "Allein erziehend im Prenzlauer Berg: Die verlassenen Macchiato-Mütter". Von STEFAN MESCH

 

Postdemokratie. Zu Genealogie und Poetologie des Postens

TITEL-Kulturmagazin präsentiert bis zum Erscheinen des Bandes Statusmeldungen aus dem Blumenkamp Verlag am 15. November wöchentlich und exklusiv einen Essay. Den zweiten Teil bestreitet LINO WIRAG.

 

Schrott oder: Die Geschichte geht auf Facebook weiter

TITEL-Kulturmagazin präsentiert bis zum Erscheinen des Bandes Statusmeldungen aus dem Blumenkamp Verlag am 15. November wöchentlich und exklusiv einen Essay. Den Anfang macht heute JAN FISCHER.

 

Gott erschafft die Welt

Nach vielen Jahren Forschung und endlosen komplizierten Berechnungen konnte James Ussher endlich seine Ergebnisse publizieren. Der anglikanische Bischof und Vizekanzler des Trinity College in Dublin hatte das Alter der Erde ermittelt: am 23. Oktober 4004 v. Chr. war sie entstanden. Die Welt wird damit heute – folgt man dem irischen Gelehrten – 6014 Jahre alt. Von ANDREAS ALT

 

Die Schrottmacher

Die Korthoffs sind eine der vielen Familien, die derzeit mit Stuntshows durch Deutschland touren. Ein kurzer Besuch im urbanen Wasteland. Von JAN FISCHER

 

,,Das ist schon richtiger Hardcore-Spießer-Shit, was die machen!"

Gewalt und Gewaltverherrlichung in Gangsta-Rap-Texten sind seit Jahren immer wieder Mittelpunkt von Kontroversen. Wohnungen werden von der Polizei durchsucht, Strafanzeige gestellt und Platten indiziert. Manchmal allerdings verlässt diese Gewalt die Texte. Marcus Staiger, Chefredakteur des Hip-Hop-Online-Magazins rap.de, das in Berlin sein Büro hat, bekam diese Gewalt zu spüren. MARTIN SPIESS hat ihn getroffen.

 

Von Butor zu Kreisler

Ein Festivalbericht von THOMAS ROTHSCHILD

 

Goin` down south!

Lose Notizen einer Ortsbegehung. Von MARTIN SPIESS

 

„Look, what is it that you require of us?“

„What we, uh, ‚re-quire’ is that you get your goddamn asses up in them woods.“

(Deliverance)

 

Der Klappentextkrittler

Die jounalistischen Zeiten sind hart, das Netz ungemein flottlebig und alles so schrecklich oberflächlich. Keiner hat mehr Zeit. Quo vadis also, Kulturjournalismus? Die Lösung heißt: Klappentexte. Die sind nicht nur vollkommen oberflächlich, sondern auch fix zu konsumieren - optimal also!

HANNS-WERNER PRUNCK nimmt sich diese verbalen Appetithäppchen mal genauer vor und hofft, dadurch ins textliche Herz der Finsternis vorzustoßen ... Oder doch ins selige Buchstabenparadies? Wir sagen nur: Bon voyage, M. Prunck! Heute: Die kürzeste Geschichte der deutschen Literatur von Herrmann Kurzke.

 

Berlin ist nicht Chicago

Thomas Brasch benutzte als Dichter nicht nur Wörter, sondern auch Bilder. Mit der nun erschienenen DVD-Edition seiner Filme ist Brasch als poetischer Regisseur wiederzuentdecken. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Vorbereiten für Morgen

Den Fernsehköchen sei Dank: Auch wenn unser Stammlokal `ne Burgerbude ist – wie haute cuisine funktioniert und wies in der Küche zugeht, wissen wir alle. Wirklich? JAN FISCHER hat als kitchen embedded journalist die Werkstatt eines realen Spitzenkochs besucht.

 

"I hate Germans!"

„Oooh yeeah, the Bonecrushin´ Crowbar from Lower Franconia!“, hätte „Macho Man“ Randy Savage ausgerufen, wenn er gewusst hätte, dass CHRISTIAN NEUBERT für TITEL-Kulturmagazin die WWE Wrestle Mania Revenge Tour am 14.04.2010 in Oberhausen besucht.

 

Worum sich die Welt dreht

ALÉA TORIK ist für TITEL über die Internet-Messe geschlendert, hat den Teilnehmern ins Gesicht und aufs Display geschaut und sich ihre Gedanken gemacht.

 

Junge Wilde in Leipzig

Einiges war neu auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse: Gerade im abendlichen Programm des Lesefests Leipzig liest zeigten die jungen und unabhängigen Verlage eine besondere Präsenz. HEIKO ZIMMERMANN hat für TITEL einen Messe- und Lesungsbummel gemacht.

 

Niederauffahrt von Pier Paolo Pasolini

Neues & Unbekanntes von, über, gegen den italienischen Poeten. Zwei deutsche Publikationen erinnern an Pier Paolo Pasolini: der Dichter als Journalist der italienischen Badestrände mit den hässlichen Deutschen und der Dichter & sein maßloses Oeuvre im Lichte unserer Gegenwart. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Als wir Detektive waren

Das „Yps“-Heft kehrt zurück. Ein bisschen wenigstens. JAN  FISCHER über das Comeback eines Kultheftes im Internet und auf dem iPhone.

 

Was machst du hier eigentlich?

„To air is human“  (Bjorn Turoq)


Wie ich einmal drittbester Luftgitarrist Deutschlands wurde. Von JAN FISCHER

 

Phantásien ist keine Falle

Über das Ewig-Kindliche in Erinnerung an Michael Ende, der am 12. November 80 Jahre alt geworden wäre. Von MARTIN BEYER

 

Ich und meine Tirolerin auf der Buch Wien 2009

Ein Besuch der Wiener Buchmesse der etwas anderen Art. Von SENTA WAGNER

 

Knacken und Rauschen

JAN FISCHER ist gewandert, viele Wochen. Durch Deutschland, Belgien, Frankreich, von Hildesheim nach Bordeaux. Nicht alleine, sondern in einer kleinen Gruppe. Und abends gabs kein Fernsehen, sondern Literatur. Ein Essay über die Wiederentdeckung dieser lustigen kleinen Kulturtechnik namens Vorlesen.

 

Und über uns der Himmel

WOLFRAM SCHÜTTE über die gütliche Einigung zwischen Spiegel und Rowohlt-Verlag, falsches Mitleid für Nazikriegsverbrecher, die als gebrechliche Opas auf der Anklagebank sitzen, den brillanten Sarkastiker Kurt Kister und eine Blamage der hessischen Kultusministerin, die eine bemerkenswerte Kenntnisferne der ihr anvertrauten Kultur offenbarte.

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