Heinz Janisch, Isabel Pin: Du Gruselgorilla! Du Schmusegorilla! Retrospektive. John Baldessari: Pure Beauty Milo Manara / Federico Fellini: Manara Werkausgabe Band 1 Gonjasufi: A Sufi And A Killer Roger Smith: Blutiges Erwachen Nick Cave: Der Tod des Bunny Munro
Freitag, 12. März 2010 | 17:27

 

Voll abgekackt

Tommy Jaud präsentiert sich mit Hummeldumm auf der Höhe seines Schaffens. Mutig: Der schriftstellernde Komödiant schreckt auch vor kotigen Kalauern nicht zurück. Der Lohn seiner Mühen: Ein Blick auf die Spiegel-Bestsellerliste von oben. ULRICH NOLLER schaut in die Charts.

 

Eine Geschichte, kein Skalpell

Und die Nilpferde kochten in ihren Becken ist ein Schlüsseltext der Beat Generation. Es ist aber besser, das beim Lesen zu vergessen. Von JAN FISCHER

 

Von einem, der auszog, zuhause zu bleiben

Die Männer verachten ihn, die Frauen wollen nichts mit ihm zu tun haben. Timo gilt in seinem Heimatort als „Idiot“. Dann kommt der Krieg, und mit dem Krieg die Evakuierung. Doch Timo weigert sich, sein Dorf zu verlassen. Was kümmert einen Idioten die Territorialkämpfe seines Vaterlandes? Über Das Dorf der Wunder schreibt BRIGITTE HELBLING.

 

Proletenkind

Schon mit ihrem Vorgängerroman hat die ursprünglich als Lyrikerin bekannte Autorin eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die als Teufelsbraten verfilmt wurde. Nun folgt ein weiterer Abschnitt der Chronik einer hart erkämpften Bildung. Von INGEBORG JAISER

 

The death of the ass

Das Leben ist eigentlich wie der Orgasmus einer Frau. Es dauert ewig, bis es in Fahrt kommt, erreicht dann einen kurzen, aber dramatischen Höhepunkt und flaut endlos unspektakulär ab. Bunny Munros Leben ist wie der Orgasmus eines Mannes: Kurz, heftig, vorüber. Und schließlich ist Nick Caves Roman Der Tod des Bunny Munro wie der Trieb selbst – drängend, unerbittlich und voller Leidenschaft. ANICA RICHTER ist fasziniert.

 

Wie ein abgründiger Traum

1999 erschien der Debütroman der heute 39-jährigen australischen Autorin Julia Leigh. In Der Jäger schildert sie, wie die Suche eines Mannes nach einem seltenen Tiger zur Obsession gerät. Der Roman und seine Autorin wurden von der Kritik gefeiert, und Julia Leigh ist inzwischen im englischsprachigen Raum wie auch in Frankreich eine bekannte Autorin. Hierzulande ist sie eher noch ein Tipp – einer, dem man nachgehen sollte, findet CAROLA EBELING.

 

Dänemark prekär

Die Verfilmung dieses aufwühlenden Romans von Jonas T. Bengtsson lief als Wettbewerbsbeitrag bei der Berlinale 2010 und kommt demnächst in unsere Kinos. Doch gibt es genug Gründe, Submarino unabhängig davon zu lesen. Wäre das Buch nicht aus Papier, müsste man es ein „Brenneisen“ nennen. Von MARTIN BEYER

 

Emil rennt

Jean Echenoz, zuletzt Autor eines schmalen biografistischen Romans über den französischen Komponisten Ravel, hat sich nun einem unscheinbaren, jedoch einst weltberühmten Langstreckenläufer zugewandt: Emil Zátopek und durchquert mit der Läuferlegende die CSSR-Geschichte. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Wo ist Walter?

Nachdem Söhne und Planeten schon für den aspekte-Literaturpreis 2007 nominiert war, legt Clemens J. Setz jetzt den 720-seitigen Roman Die Frequenzen nach, der auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand und jüngst mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Um Söhne und Väter dreht es sich auch hier, sie erwarten zu viel voneinander, verlieren sich und finden nie wieder zusammen. Von CHRISTIANE MIETH

 

Fußstapfen, universumsgroß

Kein würdiger Nachfolger, sondern eine Grabrede – aber eine gute. JAN FISCHER über die Fortschrift von Douglas Adams' Trilogie Per Anhalter durch die Galaxis.

 

Panoptikum der Träume

Brigitte Kronauers neuer Roman ist ein unvergessliches Plädoyer für die Macht der Visionen und Utopien. Von TINA MANSKE

 

Vermächtnis eines Verschollenen

Lange Zeit war er vergessen. Seit Ende der 1980er-Jahre wird der russische Schriftsteller Leonid Dobycin (1894–1936) wiederentdeckt und gewürdigt. Sein Hauptwerk, Die Stadt N., liegt jetzt in deutscher Übersetzung von Peter Urban vor. Von MONIKA THEES

 

Literatur & Verbrechen, Wirklichkeit & Wahnwitz

Zu den rätselhaftesten Roman-Projekten der gegenwärtigen Weltliteratur zählt das monumentale Fragment 2666 des Lateinamerikaners Roberto Bolaño, der über seiner Fertigstellung mit nur 50 Jahren 2003 gestorben ist. In dieser Zeit der dicken Bücher ist das von Christian Hansen vorzüglich übersetzte 2666 mit seinen knapp 1100 Seiten eine der größten literarischen Herausforderungen. Ein Lektürebericht in drei Teilen von WOLFRAM SCHÜTTE (3). Zum 1. Teil

 

Literatur & Verbrechen, Wirklichkeit & Wahnwitz

Zu den rätselhaftesten Roman-Projekten der gegenwärtigen Weltliteratur zählt das monumentale Fragment 2666 des Lateinamerikaners Roberto Bolaño, der über seiner Fertigstellung mit nur 50 Jahren 2003 gestorben ist. In dieser Zeit der dicken Bücher ist das von Christian Hansen vorzüglich übersetzte 2666 mit seinen knapp 1100 Seiten eine der größten literarischen Herausforderungen. Ein Lektürebericht in drei Teilen von WOLFRAM SCHÜTTE (2). Zum 1. Teil

 

Beschädigte Ware

Das Buch, das bei Suhrkamp erschienen ist, sei nicht das Buch, das sie habe vorlegen wollen, sagt Katharina Hacker. Uns gibt sie den Roman dennoch zu lesen. Was ist von ihm zu halten? fragt BRIGITTE HELBLING.

 

Zurück ins Leben

Ganz auf die Gegenwart beschränkt zu sein, ohne Erinnerungen – was für eine beängstigende Vorstellung. Ein Sturz ins Bodenlose, eine verschluckte Identität. So ergeht es Helene Wesendahl in Kathrin Schmidts Roman Du stirbst nicht. CAROLA EBELING über die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises.

 

Literatur & Verbrechen, Wirklichkeit & Wahnwitz

Zu den rätselhaftesten Roman-Projekten der gegenwärtigen Weltliteratur zählt das monumentale Fragment 2666 des Lateinamerikaners Roberto Bolano, der über seiner Fertigstellung mit nur 50 Jahren 2003 gestorben ist. In dieser Zeit der dicken Bücher ist das von Christian Hansen vorzüglich übersetzte 2666 mit seinen knapp 1100 Seiten eine der größten literarischen Herausforderungen. Ein Lektürebericht in drei Teilen von WOLFRAM SCHÜTTE (1).

 

Wenn Spießer erzählen

David Wagner hatte eigentlich eine gute Idee: Der Supermarkt als Möglichkeit zur inneren Einkehr, als Anstoß zur Reflexion über modernes Konsumverhalten. Leider gelingt es Wagner nicht, diesen essayistischen Ansatz zu einem homogenen Roman zu verweben, musste TINA MANSKE feststellen.

 

Irische Offenbarung

Murphys Irlandbild erstrahlt nicht in sattem Grün, sondern dekliniert Schattierungen von Grau. Falsche Freunde, Korruption und Gewalt lauern versteckt hinter der Fassade der Bürgerlichkeit. FRANK SCHORNECK hat Murphys erfreulich unsentimentales, schwarzhumoriges Debüt gefallen.

 

Jahr des weißen Backsteins

Das Jahr 2009 begann mit „Ruhm“ (Daniel Kehlmann) und endet mit Ruhm (Herta Müller). Dazwischen, im Sommer, verließ ein amerikanischer jest nach brillanter Eindeutschung den PC des Übersetzers Ulrich Blumenbach und materialisierte sich in einem Backstein. Und obwohl Ziegel in Mengen die Büchertische beschwerten, war es doch dieser weiße, der sich dem Jahr auf- und einprägte wie die schwarze Schrift dem Buchdeckel. Von GISELA TRAHMS

 

Ländliche Robinsonade mit Schatzinsel

Das literarische Ereignis dieses ebenso merkwürdigen wie unvergesslich eindringlichen Buches besteht in der empfindungsreichen Schönheit, welche sich der gelungenen Balance von existenzieller Selbsterfahrung, Landschafts- & Ortbeschwörung und aufs Kollektive zielender Erinnerungsarbeit verdankt. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Coq au vin vorzüglich und der Rest auch

Das persönliche Chaos als Voraussetzung für die Liebesanbahnung. Das wäre doch was, dann hätten wir bald keine Singles mehr, die es geben soll wie Sand am Meer. Ein bisschen Chaos kriegt doch jeder hin. Das Romandebüt von Rainer Moritz, Direktor des Hamburger Literaturhauses, macht das jetzt mal auf charmante Weise vor. Von SENTA WAGNER

 

Der Mehltau auf meiner Seele

Rainer Schmidt erzählt von der Liebe in den Zeiten des Techno. Dabei klingt er wie Barbara Cartland. Ist die Sehnsucht nach der besseren Welt vielleicht untrennbar mit Kitsch verbunden? Von BRIGITTE HELBLING

 

Jess und Tom im Land der ausgefahrenen Ellenbögen

Unter der Feder von Anthony McCarten wird eine sinnfreie Publicity-Idee zum Auslöser eines Wettkampfs, hinter dem sich mehr verbirgt als eines der zahllosen Medienereignisse, bei denen heute Menschen häufig alle Schamgrenzen hinter sich lassen, um für einen Augenblick im Mittelpunkt zu stehen. Von DIETMAR JACOBSEN

 

Max und die Monsterkids

Dave Eggers schrieb zusammen mit Spike Jonze das Drehbuch zu Wo die wilden Kerle wohnen nach dem gleichnamigen Kinderbuchklassiker von Maurice Sendak. Aus dem angesammelten Material erarbeitete er eine Romanfassung, die interpretiert, konkretisiert und die Geschichte neu verortet. Von MONIKA THEES

 

Monolog einer Sprachlosen

WOLFRAM SCHÜTTE über Emmanuelle Paganos unsentimentalen Bericht aus dem Lebensinnern der Sprachlosigkeit.

 

RocknRoll im ,,Haus der Pioniere"

Jakob Heins neuer Roman erzählt vom Erwachsenwerden in der späten DDR. Die locker geschriebene Adoleszenzgeschichte ist witzig, wirkt durch die Aneinanderreihung permanent schiefgehender Liebesabenteuer auf Dauer aber auch etwas anstrengend. Von DIETMAR JACOBSEN

 

Der Tag, der alles veränderte

Nach seinem mit Ben Kingsley verfilmten Haus aus Sand und Nebel erweist sich Andre Dubus III auch in seinem neuen Roman als ein Meister der sublimen psychologischen Spannung und der schicksalhaften Verkettung von Menschen und Ereignissen. Von KARSTEN HERRMANN

 

Gewinnbringende Diffusion

Dass Dietmar Dath von Lyrik keine Ahnung hat, hindert ihn nicht daran, einen vorzüglichen Roman darüber zu schreiben. Aber warum macht er das? Weil er einfach ein Schlingel ist? Ein Buch der anderen Sorte. Von MARIUS HULPE

 

Hier kommt Alex

Dekadente Reiche suchen Sinn. Blut im Wasser von Alexander Schimmelbusch gewann auf der Frankfurter Buchmesse den Publikumspreis der Independent-Verlage („Hot List“). TOM THELEN fand das Debüt des Autors von 2005 noch besser.

 

Boheme goes Pop

Im Duktus des postmodernen Flaneurs erzählt Joachim Lottmanns Alter Ego Johannes Lohmer amüsant und geschwätzig erneut aus Szenen seines Lebens in Berlin-Mitte, der immer noch und wieder angesagten Hochburg aller (Möchtegern)Künstler. Von FRANK KAUFMANN

 

Großartige Parabel gegen das Vergessen

Brodecks Bericht ist ein Buch, das gegen das Vergessen schreibt und dem es mühelos gelingt, beim Leser tiefe Erinnerungsspuren zu hinterlassen. Wie schon in seinem Erfolgsroman Die grauen Seelen siedelt Philippe Claudel das Geschehen in einer kleinen eingeschworenen Dorfgemeinschaft an. Von KARSTEN HERRMANN.

 

Zu viel gewollt

Berlin ist voller Stars und solcher, die es werden wollen oder sich bereits für welche halten. Außerdem wird gesoffen, gekokst und gekotzt. So weit, so bekannt. Tex Rubinowitz möchte mit seinem „Ramses Müller“ dieser Berlin-Dekadenz ein hämisches Denkmal setzen, verstolpert sich aber. Von TINA MANSKE

 

Liebe & Triebe, das volle Programm

Jan Offs neuer Roman Unzucht ist ein Liebesroman für Leute, die eigentlich keine Liebesromane mögen. Von STEFAN HEUER

 

Hanni und Nanni im Geisterschloss

In seinem dritten Roman mischt Luacs Bahl Zeitreisen mit Cyberpunk und Medizinthriller. MASCHA KURTZ ist wenig begeistert.

 

Die Wahrheit wird dich töten

BRIGITTE HELBLING über Atiq Rahimi: In Stein der Geduld verleiht ein Afghane einer Afghanin die Stimme und traut sich dann doch nicht, sie schreien zu lassen.

 

Geschichte aus zweiter Hand

Der neue Roman des Nobelpreisträgers vom vergangenen Jahr ist von der Thematik zu ernsthaft und sprachlich zu sauber gearbeitet, um für einen Verriss herzuhalten. Gleichzeitig sind die Figuren so schablonenhaft, dass sich ein Loblied darauf ebenfalls nicht anstimmen lässt. SIMONE SCHRÖDER über ein durch und durch mittelmäßiges Buch.

 

Entbehrliche und Benötigte

Ninni Holmqvist entwirft in ihrem Roman die zu Ende gedachte Lösung der Demografie-Debatte. „Die Entbehrlichen“ sind Menschen, die keine Kinder haben und auch sonst nicht für den gesellschaftlichen Fortschritt benötigt werden. Frühstücksbuffet und Wellness erwarten sie in einem Konzentrationslager der Zukunft. Von SABINA SCHUTTER

 

Unordnung und frühes Leid

Ein stummer, von familiären Traumata geprägter Junge findet schrittweise aus seiner quälenden Isolation heraus. Hanns-Josef Ortheil hat mit diesem berührenden Entwicklungsroman den literarischen Höhepunkt seines weitreichenden Oeuvres gesetzt. Von INGEBORG JAISER

 

Nur ein Snack für zwischendurch

Mit seinen großen Romanen Fette Welt, Der große Bagorozy und UC hat sich Helmut Krausser in die erste Riege der deutschen Gegenwartsautoren geschrieben und genießt gerade bei der jüngeren Leserschaft Kultstatus. Mit Einsamkeit und Sex und Mitleid blickt er nun in das kalte Herz unserer Metropolen-Gegenwart. Von KARSTEN HERRMANN

 

Das Mädchen und der Esel

Wie und wann wir unsere Kindheit hinter uns lassen und erwachsen werden, ist bei jedem anders. Anne Wiazemsky hat den aufregenden Lebensabschnitt in einem autobiografischen Roman festgehalten, der 2007 in Frankreich mehrfach preisgekrönt wurde. Von SENTA WAGNER

 

Die Ordnung der öden Orte

Irgendwo mitten in der deutschen Provinz wird alle sieben Jahre ein Dorffest namens „Grenzgang“ gefeiert. In seinem gleichnamigen Debütroman seziert Stephan Thome die Beschaulichkeiten und Normalitäten des Alltags. Von TOM THELEN

 

Nichts als ein übler Verräter

David Albaharis grandiose Abrechnung mit den Gesetzen des Literaturmarkts. Von  CARL WILHELM MACKE

 

Zurückgewiesene Altersliebe

Natur und Kultur, Liebe und Leid, Bewegung und Stagnation, Euphorie und Depression verschränken sich in dieser Erzählung, die der Autor leichthin als „Eine Episode“ untertitelt. Von INGEBORG JAISER

 

Das einsame Kreisen der Planeten

Thema der meisten Romane des englischen Schriftstellers Nick Hornby ist das außerplanmäßige Kollidieren von Lebenswelten, die bis dahin in keinerlei Berührung miteinander standen. Die Figuren in Hornbys Bücher gleichen daher einsamen Planeten, deren gemächliches Kreisen jäh unterbrochen wird, da sie in den Sog anderer Planeten geraten. Das Hornby-Prinzip: Je entfernter die Planeten anfänglich voneinander sind, desto interessanter der Zusammenprall. Von BENJAMIN BORGERDING

 

Altväterlicher Sound

Im Jahr 1984 fährt eine Gruppe Jugendlicher, getarnt als christlicher Chor, ins Wendland, um dort gegen den Castor-Transport zu demonstrieren. Mitten drin ist der 17 Jahre alte Florian Beutler. Wie alle seine Begleiter trägt er einen Anzug. Seiner ist braun und viel zu klein, doch er wird die gesamte Geschichte lang nichts anderes tragen – und am Ende wird er sogar sein Totenhemd. Von TINA MANSKE

 

Wellen von Rührung

Passend zum 60. Jahrestag der Gründung dieser nunmehr seit 20 Jahren vereinigten Republik zeichnet Jochen Schimmang in seinem vielschichtigen, handlungs- und detailsatten, sehr kunstvoll komponierten Zeitgeschichts- und Entwicklungsroman ein umfassendes, Abschied nehmendes Bild der alten BRD. Von THOMAS SCHAEFER

 

Warten auf den gestrigen Tag

In Landesbühne schickt Siegfried Lenz mehr als vierzig Jahre nach der Deutschstunde noch einmal eine Romanfigur ins Gefängnis und veranstaltet ein literarisches Spiel, in dem die Welt zur Bühne wird. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Nicht komisch!

Über Wolfgang Hegewalds selbstquälerischen Versuch dem persönlichen Trauma des allmählichen Vergessenwerdens mit den Mitteln der Literatur zu begegnen. Von Christoph Pollmann

 

Coming-of-Age-Roman mit Migrationshintergrund

Ein wunderbares Romandebüt: Klasse geschrieben, gut geplottet, witzig erzählt, abwechslungsreich gestaltet – und voller Wärme für die gut gemachten, lebendigen Figuren. Von ULRICH NOLLER

 

Reise ins Herz des fernen Ostens

Unter den deutschen Schriftstellern der Gegenwart ist er der große Ethnologe und Philosoph des Fremden. Michael Roes variiert in dem 570-seitigen Roman Die fünf Farben Schwarz erneut sein Thema von der Verständigung der Kulturen. Von TOM THELEN

 

Fremd im Leben

Matthias Polityckis erste Novelle ist so streng komponiert, wie es das traditionsreiche Genre erfordert. Von DIETMAR JACOBSEN

 

Smells like teen spirit

„Was Deutschland und Österreich trennt, ist die gemeinsame Sprache“, konstatierte einst Karl Kraus. Diese Erfahrung bleibt auch dem reichlich gebeutelten Protagonisten in Martin von Arndts neuestem Roman nicht erspart. INGEBORG JAISER folgt einer spannenden Odyssee durch die Alpenrepublik.

 

Die Schönheit der Möglichkeiten

Peter Esterházys Fußball- und Mutterbuch Keine Kunst ist große Kunst. Von THOMAS SCHAEFER

 

Mythenbeschwörung

Verstörende Erinnerungsfragmente, infantile Ausbruchsversuche, riskante Neuanfänge: Mirko Bonnés eindrucksvoller Roman Wie wir verschwinden. Von PETER MÜNDER

 

Pulsierende Großstadt-Sinfonie

Spätestens mit diesem Roman hat sich der 44-jährige Colum McCann in der internationalen Riege der großen Erzähler etabliert, stellt KARSTEN HERRMANN fest.

 

Viel Rolle, ein bisschen Leben

Neben seinen Rollen als zweitklassiger Schauspieler in Werbespots und Fernsehserien spielt der von einem schwarzen Vater und einer weißen Mutter abstammende Mittdreißiger Antoine Mac Pola auch im Leben eine ganze Menge Rollen. Welche Rolle davon die seines Lebens ist, darüber darf spekuliert werden. Von SIBYLLE LUITHLEN

 

Panorama des 20. Jahrhunderts

Waltenberg ist ein Roman wie aus einer anderen Zeit: Gleichsam monumental wie epochal nimmt er in geschliffener Prosa nicht weniger als unser gesamtes vergangenes Jahrhundert mit seinen großen Utopien, Barbareien und Kapriolen in den Blick und fragt nach der Vernunft der Geschichte. Von KARSTEN HERRMANN

 

Gruppenbild mit Leere

Vor neun Jahren hießen die um 1970 Geborenen „Generation Golf“ und waren ein Bestseller. Dann zog sich ihre Zukunft hinter den Horizont zurück und die Gegenwart fiel ins Nixpassiert. Wie man das erzählt, zeigt Florian Voß in seinem Debütroman. Von GISELA TRAHMS

 

Biblisch-märchenhafte Figuration

Fernab jedweder „jungen Prosa“ rollt Daniela Dröscher in ihrem Romandebüt Die Lichter des George Psalmanazar den funkelnden Topos des singulären, heiligen Wesens auf leicht verklärende Weise wieder auf. Von MARIUS HULPE

 

Alles fließt

Marcel Möring schreibt große europäische Literatur in der Sprache eines kleinen Landes. In seinem neuen Roman führt er einen melancholischen jüdischen Jedermann durch das Treiben eines Volksfests, und die niederländische Kleinstadt Assen wird für die Dauer einer Nacht zum Ort, an dem alles, was in der Welt ist, zusammenfließt. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Architektur der Liebe

Ein Mann, zerrissen zwischen zwei Frauen: eine klassische Dreiecksgeschichte, doch wie aus den Modulen der architektonischen Moderne geschaffen. Gelungen konstruiert und komponiert, findet INGEBORG JAISER.

 

Kleine Fische

Welthaltige Literatur aus der Eifel: Norbert Scheuers großer Roman Überm Rauschen, der zu Recht für den Deutschen Buchpreis 2009 nominiert worden ist - gelesen von THOMAS SCHAEFER.

 

Ideenreicher Erzähler

Alles hängt mit allem zusammen – dies stellt Norbert Zähringer in seinem begeisternden neuen Roman Einer von vielen unter Beweis, in dem sich Welten, Zeiten und Schicksale auf gerade zu magische Weise zu einem schillernden Erzählkosmos verbinden. Von KARSTEN HERRMANN

 

Der Misanthrop als hoffnungsloser Romantiker

Die meiste Zeit wirkt Almatastr. wie ein Tourette-Monolog auf LSD und zu vielen Downern. TINA MANSKE war mal genervt, mal amüsiert.

 

Reise nach Indien

Seinen vierzehnten Roman siedelt der preisgekrönte britische Autor Tim Parks erstmals außerhalb Europas an – und wagt somit eine spannende Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Indien zwischen Tradition und Moderne. Von INGEBORG JAISER

 

Der jüdische Batman

Der engagierte Liebeskind Verlag macht sich seit einer Weile um das Werk des 2001 verstorbenen kanadischen Schriftstellers Mordecai Richler verdient, dessen zahlreiche Bücher in deutscher Sprache entweder noch gar nicht vorliegen oder aber – wie im Fall von Der Traum des Jakob Hersch – nur noch auf antiquarischem Weg zu ergattern waren. Von FRANK SCHORNECK

 

Spaß mit Depressionen

1547 Seiten Unendlicher Spaß – das Hauptwerk des US-Schriftstellers David Foster Wallace, der sich im September 2008 das Leben nahm, liegt nun nach sechsjähriger Übersetzung auch auf Deutsch vor. Es ist das Epos der individuellen Süchte und Störungen in der Postmoderne. Von MAIK SÖHLER

 

Eine Reise ins tiefste Dunkel der Nacht

Nicholson Bakers historische Roman-Revue Menschenrauch ist gewiss eines der eigensinnigsten Bücher der letzten Jahrzehnte: eine Betrachtung darüber, “wie der Zweite Weltkrieg begann und die Zivilisation endete” (Untertitel), dessen zentraler Schurke weder Hitler noch Stalin, sondern deren entschiedenster Feind, der britische Premierminister Winston Churchill, ist. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Nie mehr lügen - irgendwo mitten in Amerika

Joey Goebel hat in Heartland leider viel von seinem anarchischen Charme eingebüßt, der noch seinen Erstling Freaks ausgezeichnet hatte. Von ANSELM BRAKHAGE

 

Das Dokument einer Konfusion

Bücher wie das von German Sadulajew helfen uns zu verstehen, was in Russland geschehen ist und in diesem uns so fremden, so nahen Reich jeden Tag geschieht. Von AGIS SIDERAS

 

Symbolfigur des Hyper-Kapitalismus

Hvorecky zeichnet einen unsympathischen, gleichwohl spannenden Anti-Helden, der im Nachhinein, von der großen Krise aus betrachtet, sogar fast zu einer Symbolfigur der kurzen Zeit werden könnte, in der alle (Markt-) Gesetze ad absurdum geführt wurden. Von ULRICH NOLLER

 

Angst vorm Fliegen

Schwindelnde Bilder in dem zeit- und raumlosen Universum eines Flughafens verbindet Angelika Overath in ihrem zweiten Roman mit einem Karussell von dahintreibenden Transitreisenden. Zwischen den Zeilen kann INGEBORG JAISER noch den Jetlag erspüren.

 

Geleckt und nicht gebissen

Der erste Roman des Autors Daniel Zahno, der bereits durch seine Kurzgeschichten („Doktor Turban“) oder Stilspielereien („Im Hundumdrehen“) von sich reden machte, ist eine sehr ruhige, unaufgeregte Liebesgeschichte traditioneller Prägung. Eine Sommerbuch-Empfehlung von FRANK SCHORNECK.

 

Vom Sofa gerissen

Holm ist wieder da! Felix Holm, der vor rund drei Jahren zum ersten Mal aufs Komischste die Probleme des modernen Mannes verkörperte. Auch in der Fortsetzung ist Holm kein Held, dessen Abenteuer in exotischer Ferne oder schwindelerregendem Tempo stattfinden, sondern einer, der schon an den Tücken des Alltags vor seiner Haustür zu scheitern droht. Von FRANK SCHORNECK

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