Bonsoir Tristesse
Jean Cayrol gehört zu den großen Unbekannten der französischen Nachkriegsliteratur. Sein Roman Im Bereich einer Nacht (L'espace d'une nuit) erschien bereits vor 50 Jahren in der deutschen Übersetzung von Paul Celan. Der Frankfurter Schöffling Verlag hat diese Übertragung der düsteren Vater-Sohn-Geschichte mit einem erhellenden Nachwort von Ursula Henningfeld neu ediert.
Von HUBERT HOLZMANN
Charles Dickens in seiner Welt
Viel ist über Charles Dickens, den britischsten Schriftsteller aller Briten, geschrieben worden. Eine Biographie und leserfreundliche Ausgabe seines Romans Große Erwartungen rücken ihn ins richtige Licht. Von BETTINA GUTIÉRREZ
So zarte Hände und so blutige Arbeit
Sie waren nur noch wenige Monate zusammen und haben dabei doch Die Herrlichkeit des Lebens erfahren: Fanz Kafka und seine letzte Gefährtin Dora Diamant. Diese wahre Liebesgeschichte hat Michael Kumpfmüller kenntnisreich in einen herrlich schwebenden Roman transferiert. Von INGEBORG JAISER
Auf Marcel Prousts Spur
Edmund de Waal Golden Mixture Der Hase mit den Bernsteinaugen. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Wenn alles zerfällt
»Wie fühlt sich das Leben an, wenn die Dinge auseinanderbrechen? Das wollte ich zeigen und weniger den Krieg rekonstruieren«, bekannte der spanische Erfolgsschriftsteller Antonio Muñoz Molina nach der Veröffentlichung seines achtzehnten Romanes, der um eine tragische Liebesgeschichte in den Wirren des Spanischen Bürgerkriegs kreist. Ganz ohne Frage – in diesem opulenten, bisweilen etwas ausufernden Epos hat der ausgebildete Historiker dem 55-jährigen Autor richtungsweisend die Feder geführt. Von PETER MOHR
Pilgerfahrt nach Nirgendwo
Der österreichische Autor Thomas Glavinic hat mit seinem Freund Ingo, einem – laut Klappentext – berühmten Fotografen, der das Aussehen eines Schwerverbrechers hat, eine Busreise nach Medjugorje unternommen. Der neueste Text Unterwegs im Namen des Herrn. Gelesen von MIKE MARKART.
Angst vor Weihnachten
Mit dem Roman Süden (Droemer 2011) hat Friedrich Ani im letzten Frühjahr die literarische Figur, mit der der Münchner Autor berühmt wurde, reanimiert. Zwischen 1998 und 2005 erschienen insgesamt 14 Bücher, in denen der bei der Münchner Polizei beschäftigte Tabor Süden sich um Vermisste bemühte. Nun, in den beiden neuen Bänden, arbeitet der aus Köln in die bayerische Metropole Zurückgekehrte nicht mehr für den Staat, sondern steht in den Diensten einer Privatdetektei. An seinen Methoden freilich hat sich nichts geändert.
Von DIETMAR JACOBSEN
Mit Kurs aufs Weihnachtsgeschäft
Am 7. Februar 2012 vor 200 Jahren wurde Charles Dickens geboren, als zweites von acht Kindern. Das »Leben im Prekariat« lernt er früh aufs Drastischste kennen, als der Vater kurzfristig im Schuldturm sitzt und der elfjährige Charles in einer Schuhwichsefabrik fürs Familieneinkommen sorgen muss. Die Grenze für Bildung heißt Geld, die Grenze für Liebesglück heißt Klassengesellschaft. Charles Dickens wird diese Erfahrung als Gerichts- und Parlamentsreporter und erst recht als Schriftsteller immer wieder variieren, ob als herzzerreißende Erzählung oder als schneidende Sozialsatire. Wie sie auch in sein eigenes Familienleben einfließt, erzählt das von Alexander Pechmann zusammengestellte Buch Mary und Charlie Dickens: Unser Vater Charles Dickens. Von PIEKE BIERMANN
Drei gegen den Rest der Welt
Don Winslow ist ein Phänomen. In knapp zwei Jahrzehnten hat sich der Ex-Detektiv, Ex-Schmuggler, Ex-Safari-Guide, Ex-Theaterdirektor und passionierte Surfer in die erste Reihe der US-amerikanischen Thrillerautoren geschrieben. Kollegen liegen ihm zu Füßen. Die internationale Kritik ist entzückt. Hollywood interessiert sich zunehmend für seine Romane. Und die sind wiedererkennbar, sobald man die erste Seite aufschlägt. Nun also Zeit des Zorns – im Original Savages, »die Wilden« –, Winslows letztes Buch: brutal, megaspannend und sogar ein bisschen romantisch. Von DIETMAR JACOBSEN
Verfluchtes Erbe
Zehn Jahre nach seiner Essay-Sammlung Verfluchtes Fleisch überzeugt Josef Bierbichler, vor allem bekannt als Theater- und Filmschauspieler, erstmals auch mit einem Roman: Mittelreich. Von TOM ASAM.
Parker und die Dilettanten
Seit 2006 erscheinen im Paul Zsolnay Verlag die Parker-Romane von Richard Stark. Hinter dem Autorenpseudonym verbirgt sich der 2008 verstorbene Donald E. Westlake. Verbrechen ist Vertrauenssache – im Original 1997 unter dem Titel Comeback erschienen – ist bereits der achte Band in der schön aufgemachten Reihe. Als Übersetzer konnte zum dritten Mal mit Dirk van Gunsteren einer der Renommiertesten seines Fachs gewonnen werden. Und Parker, der Verbrecher ohne Vornamen, macht seinem Ruf natürlich wieder alle Ehre. Von DIETMAR JACOBSEN
Scheint alles möglich
Dass man in Wien nicht nur bei Melange im Kaffeehaus sitzt, sondern zumindest als Polizist auch mit Ekligerem konfrontiert werden kann, schildert Georg Haderer in seinem bereits dritten, wiederum beim – gerade im Krimibereich – hervorragend aufgestellten Haymon-Verlag erschienenen Kriminalroman Der bessere Mensch. Von STEFAN HEUER
Die igelige Frucht eines Kastanienbaums
Der bisheriger Kampf in seinen vorangegangenen Romanen gegen die Dämonen der Gesellschaft Portugals ist dem Kampf eines inneren Dämons gewichen: Darmkrebs. Antunes beschwört in seinem neuesten Buch An den Flüssen die strömen mit seiner Stimmenvielfalt die Toten aus vergangenen Tagen und lässt den Leser beunruhigend nahe an die Angst vor der Endlichkeit des Lebens kommen. Von SVENJA BRÜCK
jungfrau mit jazz-geschlecht
nicht beendete lektüre: Thomas Meineckes neues taschenbuch jungfrau.
von CRAUSS
»J´accuse ...«
Einschlägig bekannt – der neueste Krimi von Dominique Manotti. Von DIETMAR JACOBSEN
Ein Episoden-Reigen
Peter Henning erfasst in seinem neuen Roman Leichtes Beben seismographisch nicht nur die Störwellen und Verspannungen im Tektonischen. Von HUBERT HOLZMANN
Ein Triptychon aus der Erziehungsanstalt
Abhängigkeit, Schuld und Erinnerung sind die Motive in Jan Böttchers recht problematischen vierten Roman Das Lied vom Tun und Lassen. Von HUBERT HOLZMANN
stil unter bei stadt unter
Carsten Klooks formforschender lauenburg-krimi.
von CRAUSS
Skurrile Urlaubsreisen oder Obsessionen heutiger Conquistadores
Roberto Bolaños Erstling Das Dritte Reich aus dem Jahr 1969 ist erstmals auf Deutsch im Münchner Carl Hanser Verlag erstmals erschienen. Von der faszinierenden und zugleich unheimlichen Sogkraft des in Tagebuchform verfassten Romans gefangen genommen wurde HUBERT HOLZMANN.
Keine Abrechnung mit Gott
»Er versucht in Gleichnissen, eine fliehende Wirklichkeit sichtbar zu machen«, hieß es 1998 in der Begründung des Stockholmer Nobelpreiskomitees. Doch mit seinen bisweilen sehr gewagten Allegorien hat sich der 2010 im Alter von 87 Jahren auf Lanzarote verstorbene Schriftsteller keineswegs nur Freunde gemacht. Sein letzter, provozierender Roman Kain – gelesen von PETER MOHR.
Menschen im Hotel
Liebesnähe verspricht wieder einmal Hanns-Josef Ortheil in seinem neuesten Roman. Doch viele Arrangements und Inszenierungen wirken allzu bemüht und perfekt. Von INGEBORG JAISER
Leuchtschreiben, Tiefschreiben und ähnlich bedeutsame Dinge
Natürlich ist es nicht Goethe, der den Erzähler dieser Geschichte anruft, aber er wird von ihm insgeheim so genannt, denn er ist für seine Epoche ebenso bahnbrechend und anerkannt, wie es der Dichterfürst für die seine war. Davon ist unser Erzähler meilenweit entfernt. Abgesehen von einem eher ablehnend aufgenommenen Debütroman hat er noch nichts Nennenswertes veröffentlicht, arbeitet aber seit Jahren an »etwas Großem«, leidet an seiner Schreibblockade und lässt an sich selber kein gutes dichterisches Haar. Umso mehr verwundert es ihn, dass Goethe immer noch den Kontakt zu ihm pflegt und ihn nun gar als seinen Stellvertreter benötigt. Von BEATE MAINKA.
»Doktor Konfus«
Rüdiger Stolzenburg heißt der Held in Christoph Heins aktuellem Roman Weiskerns Nachlass. Der Mann strampelt sich auf einer halben Stelle als Kulturwissenschaftler an der Universität Leipzig ab. Während sein Traum, die Herausgabe des Werks des Mozartlibrettisten, Topographen und Schauspielers Friedrich Wilhelm Weiskern, in immer weitere Ferne rückt, plagen ihn in der Gegenwart akademischer Stress, Finanzprobleme und Beziehungsärger. Mit Witz und nicht ganz klischeefrei zeichnet Hein das Bild einer Zeit, in der nicht nur an den Gehältern gespart wird, sondern auch an Gefühlen und Visionen über den Tag hinaus. Von DIETMAR JACOBSEN
Ein Leben in Zeitlupe
»Ich versuche, meine Schreibroutine beizubehalten, aber es ist nicht einfach. Menschen belagern mein Haus. Ich fühle mich bedrängt, bedroht, verfolgt.« So beschrieb der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa die Schattenseiten, die mit der Verleihung des Nobelpreises im letzten Herbst verbunden waren. Da hatte er gerade seinen jüngsten Roman Der Traum des Kelten fertig gestellt, und die Präsentation in Madrid glich beinahe dem Auftritt eines Popstars. Von PETER MOHR
2x Suche nach der verlorenen Zeit
Der Brite Howard Jacobson stellt Die Finkler-Frage & Michel Bergmann gibt eine Antwort: Machloikes, das meint im Jiddischen Durcheinander, Zwiespalt. – Auf keinen Fall die Quersumme beider Bücher, findet HUBERT HOLZMANN.
Wenn das Heilbad zum Albtraum wird
»Aus einem Heilbad mit Grandhotel war ein System von Konzentrationslagern geworden, mit dem ein kommunistischer Staat dem großen Bruder den Gefallen getan hatte, für dessen unermesslichen Hunger nach Uran einen Teil der eigenen Bevölkerung zu opfern«, klärte der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger in einem Interview über die unheilvolle Wandlung des Handlungsortes seines neuen Romans auf. Von PETER MOHR
Im Eispanzer meiner Ängstlichkeit
Es ist ein rätselhafter Roman um eine ziemlich kauzige Hauptfigur, den der 53-jährige österreichische Autor Michael Wallner fünf Jahre nach seinem in 24 Sprachen übersetzten Bestseller April in Paris vorgelegt hat. Von PETER MOHR.
in der radioaktiven zone hatten sich innerhalb kürzester zeit so merkwürdige gewächse entwickelt
... dass es zum volkssport wurde, entsprechend passende japanische namen für die bizarren wesen zu entwickeln.
der geniale dilletant Wolfgang Müller legt ein hübsch verstrahltes werk vor. Von CRAUSS
Hauptsache rosa
Erst im Januar hatte der Schweizer Erfolgsautor Martin Suter mit seinem Roman Allmen und die Libellen den Startschuss zu einer »Romanserie« um den unkonventionellen Ermittler Johann Friedrich von Allmen abgegeben, der mit seinem Adlatus Carlos das Unternehmen »Allmen International Inquiries« gegründet hatte. Nun hat der 63-jährige Martin Suter, der einstige Leiter einer erfolgreichen Werbeagentur und polemische Zeitungskolumnist, bereits den zweiten Fall des ungleichen Ermittlerduos vorgelegt. Von PETER MOHR
Unromantisches Irland
In seinem neuen Roman Der irische Freund erschafft Hugo Hamilton ein Irland fernab der grünen Wiesen und blühenden Rhododendren, ganz ohne die legendäre Herzlichkeit der Iren. Das romantische Irland mutiert von einem liebenswerten Gastgeberland zu einem feindseligen Einwanderungsland während der kurzen Periode des wirtschaftlichen Aufschwungs.
Von SVENJA BRUECK
Im Kreislauf der Gewalt
Kolumbien ist den meisten Lesern durch die Bücher von Gabriel García Marquez bekannt. Dass man über dieses Land aber nicht nur exotische und fantastische Geschichten erzählen kann, beweist Sergio Alvarez mit seinem Roman 35 Tote, der einem neuen Trend in der kolumbianischen Literatur folgt. BETTINA GUTIÉRREZ hat ihn gelesen.
Unendlicher Spaß
New York – die Chronic City – zeigt sich zwischen Verschwörungstheorien und Medienmanipulation, zwischen Benefizgalas und Kunstvernissagen, zwischen Dekadenz und Exzentrik. Jonathan Lethem hat zugeschlagen und seiner Lieblingsstadt erneut ein beachtliches literarisches Denkmal errichtet. Von INGEBORG JAISER
Empfinden und Erkennen der menschlichen Seele
John Burnside schildert in seinem nun auf Deutsch erschienen Roman Lügen über meinen Vater eine ehrliche und hellsichtige Lebensbeschreibung. Mit Mut und Aufrichtigkeit zeichnet er sein eigenes Bild, schaut in den tiefen Abgrund seiner Erinnerungen, in die Niederungen seiner Seele und in das Unscheinbare im Angesicht der Vernunft.
Von SVENJA BRÜCK
»... ein Land shakespearischer Fehden«
Roger Smith ist der härteste Thrillerautor Südafrikas. Mit seinen ersten beiden Romanen – Kap der Finsternis (2009) und Blutiges Erwachen (2010) – hat er sich auch hierzulande eine große Fangemeinde erschrieben. Internationale Auszeichnungen für seine die blutige Realität des Landes am Kap nach dem Apartheidregime spiegelnden Bücher blieben nicht aus. Nun also Staubige Hölle – nicht ganz so brutal wie seine beiden Vorgänger, aber ebenso raffiniert komponiert. 82 Schnappschüsse aus der Hölle.
Von DIETMAR JACOBSEN
Literarische Afterwelt
Missmutige Gedanken zur Rezeption von Charlotte Roches neuem Produkt. Von THOR KUNKEL
Abschied vom Vater
Mit Sterben beginnt K.O. Knausgard einen sechsteiligen Erzählzyklus. Von WOLFRAM SCHÜTTE.
Nichts bleibt ohne Folgen
Der Sommer ist da und mit ihm die passende Lektüre: Elf Leben von Mark Watson ist
eine Mischung aus Witz und Melancholie, Erheiterung und Ernsthaftigkeit. Es ist kein Buch, an das man noch Jahre später zurückdenken wird, aber eines, das für eine Weile berührt. Und damit genau richtig für die eine Zeit im Jahr, in der wir jeden Augenblick genießen wollen. Von CATHÉRINE WENK
Rabelais & Surrealismus oder Der schlaue Fuchs
Milan Kundera hat mehr als Eine Begegnung. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Deutsch-russisches Kammerspiel
"Wenn die Würde verloren geht, bleibt nichts als Scham und Abscheu vor dem eigenen Körper, Wut und die grenzenlose Hoffnung, dass es endlich vorbei ist." – Eva Baronskys Roman Magnolienschlaf. Von PETER MOHR
Nichts ist unmöglich
Herrlich komisch und bitterernst zugleich liest sich dieser Roman, diese leicht skurrile Mischung aus Aussteiger- und Liebesgeschichte. Wie leicht angegraute Pfadfinder, die mit einem unversiegbaren Pioniergeist ausgestattet sind, tummeln sich der eher schweigsame Czupek und seine examinierte Logopädin durchs idyllische Landleben. PETER MOHR hat Birgit Vanderbekes skurrilen Roman Das lässt sich ändern gelesen.
Frohe Botschaft aus der Psychiatrie
»Vor zwanzig Jahren hätte ich so ein Buch überhaupt nicht schreiben wollen und auch nicht schreiben können«, bekannte Martin Walser kürzlich in einem Interview in der Rheinischen Post über seinen neuesten Roman Muttersohn, der am 12. Juli erscheint. Von PETER MOHR
Leben & Ansichten eines Berner Künstlers in Berlin & anderswo
Niels Höpfner verführt Matthias Zschokke zur Selbstentblößung als »Gossip-Literat«. Lieber Niels – gelesen von WOLFRAM SCHÜTTE
Etüden und Intermezzi
Ihr ganzes Leben lang stand die ältere Schwester Fanny im Schatten ihres Bruders Felix Mendelssohn-Bartholdy, dem hochbegabten Wunderknaben, der sie neckisch Liebste Fenchel nannte. Peter Härtling hat der Familie von Musikern und Kunstliebhabern sein neuestes Werk gewidmet. Von INGEBORG JAISER
Aus der Kindheit eines Machos
Dem Verleger und Spanisch-Übersetzer Heinrich von Berenberg verdanken deutsche Leser manche erstaunliche Entdeckung aus den Randzonen weltliterarischer Wahrnehmung. So hat er z.B. das Genie Roberto Bolanos für uns entdeckt; und weil er fünf von Bolanos Büchern übersetzt hatte, war er letztes Jahr nach Mexiko zu einem Bolano-Kongress eingeladen. Auf dem Rückflug las er ein Buch, das sich ausnimmt wie ein später Seitentrieb, der aus dem Teil von den Verbrechen in Bolanos Roman 2666 hervorging. Nun legt Berenberg, in der Übersetzung von Carsten Regling, im Frühjahrsprogramm seines Verlags diesen schmalen Roman Fiesta in der Räuberhöhle vor. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Vorsicht vor wahr werdenden Wünschen
Eine Geschichte, die als modernes Märchen beginnt und als Dystopie endet: Thomas Glavinic erzählt in seinem 2009 erschienenen Roman Das Leben der Wünsche vielschichtig von menschlichem Begehren, von Wünschen und ihrer Erfüllung und vom Zufall. Der Bestseller des Österreichers ist jetzt als Taschenbuch erhältlich. Von SANDRA FLUHRER
Die Hexen von Bonden
Siri Hustvedt ist seit 30 Jahren glücklich mit dem Schriftstellergatten Paul Auster verheiratet. Der Sommer ohne Männer wäre für sie keine reale Option – doch immerhin eine fiktive Versuchung.
Von INGEBORG JAISER
Das Leben ein Stolpern
Es tut wohl, zu beobachten, dass die Tür immer offener steht – und dass die Lust dennoch nicht nachlässt, sie einrennen zu wollen mit dem Lob Helge Schneiders Satan loco. Von TOBIAS ROTH
Die Reise mit Frau Feininger
Wie hat man sich einen »Unterwegsroman« vorzustellen? Diese Frage wirft sich schon vor der Lektüre von Gunnar Homanns literarischem Erstling auf, denn sein Verlag scheute sich nicht, das Debüt mit diesem ungewöhnlichen Genre-Etikett zu versehen. Wenn man Elemente der Road Novel und eine tragikomische Liebesgeschichte miteinander kreuzt, dann entsteht offenkundig ein solcher »Unterwegsroman«. Von PETER MOHR
Aus »Mangel an Impulskontrolle«
Die Bücher von Don Winslow besitzen absolutes Suchtpotenzial – auch das druckfrische Bobby Z. Von DIETMAR JACOBSEN
Früher begann der Tag mit einer Schusswunde
Das Geschenk ist männlich, 14 Jahre alt und glänzt durch gespielte Coolness. Ganz wie der Vater zu seiner Zeit. Wolf Wondratschek muss es schließlich wissen. Von INGEBORG JAISER
Der Roman als Dolmetsch eines russischen Jahrhunderts
Michael Schischkins erzählerisch raffiniert verknotetes Venushaar. Ein Entwirrungsversuch von WOLFRAM SCHÜTTE
Liebe, Kunst und Gelderwerb
2011 jähren sich der Geburtstag Max Frischs (15.05.1911) zum 100sten, sein Todestag (04.04.1991) zum 20sten Mal – Anlass genug, um zu überprüfen, ob der Weltautor aus der kleinen Schweiz auch heutigen Lesergenerationen noch etwas zu sagen hat. Notizen von DIETMAR JACOBSEN zu Max Frisch Roman Die Schwierigen oder J’adore ce qui me brûle
Zwischen Brokkoli und Pornokino
Wort-Denkmal und Textmontage: »Nur nie Wurzeln schlagen, und nie was kappen müssen«, wünscht sich eine der weiblichen Protagonistinnen aus Alissa Walsers neuer Erzählung Immer ich. Von PETER MOHR
Kamikaze-Killer
Die belgische Autorin Amélie Nothomb kreuzt die sentimentalen Klagelieder von Schuberts Winterreise mit den drogentauglichen Beats von Aphex Twin. Entstanden ist ein bitterböses Dramolett mit verstörendem Pathos. Von INGEBORG JAISER
Ceci n´est pas un livre!
Was ist das Leben? Ist es konservierbar? Können wir die Welt um uns herum mit unseren Sinnen überhaupt erfassen? Können wir unsere Existenz festhalten? Sind wir allein? Was ist, wenn man alles verliert? Was ist, wenn man alles behält? Fragt sich VIOLA STOCKER bei der Lektüre von E.L. Doctorows Homer & Langley.
Korruption, Lüge, Mord
Die Zeiten und die politischen Systeme haben sich in Rumänien geändert, nicht aber die Verhaltensmuster vieler Menschen. Lügen und Denunziationen prägten damals wie heute den Alltag und scheinen sich über Generationen hinweg vererbt zu haben. Mit dieser gefährlichen Mischung aus Egoismus und Opportunismus beschäftigt sich Richard Wagners neuer Roman Belüge mich. Gelesen von PETER MOHR
Visionen zum zeitgemäßen Arbeitsmarkt
Es geht um Auswege, um Ausreden, um Kompromisse; das gesamte Buch ist eine kritische Gesellschaftsstudie: Das falsche Leben im wahren, die vor Fett triefende Ente trotz der Diät, die schreckliche Vermutung, dass der Ehrliche letztendlich nur der Dumme sein kann – Arbeit kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen ist ein beinahe ebenso engagiertes wie zynisches Plädoyer für eine menschlichere Gesellschaft, für ein humaneres, verantwortungsvolleres Miteinander; und nicht zuletzt ein wunderbarer Roman, der sich – nicht nur wegen der Drogenthematik und der Frage zur Herkunft eben jener Drogen – mit jeder Seite mehr zum Krimi wendet! Von STEFAN HEUER
Philosophie der Kokusnuss
Die Geschichte über den Aussteiger Engelhardt verdient es, neu erzählt zu werden. Insbesondere wenn dies auf eine so poetische Weise gelingt wie Marc Buhl in Das Paradies des August Engelhardt. Von MARIA-BERNADETTE EHRENHUBER
Die Kraft des Alters
Seit 25 Jahren wird alles, was er schreibt und veröffentlicht, an einem Buch gemessen: Betty Blue. So natürlich auch sein neuestes Werk Die Leichtfertigen. Es erreicht zwar nicht die Kraft und Intensität von Betty Blue, ist aber durchaus eine altersgerechte Fortsetzung, die den Leser in ihren Bann zieht. Gelesen von JÖRG ESCHENFELDER
Autopsie eines Mörders?
Die Wiederentdeckung des Schweizer Autors und Journalisten jetzt auch im Taschenbuchformat: Carl Albert Loosli arbeitet bereits vor 80 Jahren in seinem Kriminalroman Die Schattmattbauern psychologisch genau und entwirft dabei auch gesellschaftliche Visionen. Von HUBERT HOLZMANN
Passionen in Pacific Palisades
Der Titel von Klaus Modicks neuestem Roman Sunset spielt doppelbödig sowohl auf den gleichnamigen Boulevard in Los Angeles an, wo sich zahlreiche europäische Exil-Schriftsteller niederließen – als auch auf den vielversprechenden Sonnenaufgang, mit dem dieses Buch beginnt. Von INGEBORG JAISER
»Wenn man jemanden liebt, dann ist doch alles möglich, oder nicht?«
Diese Sequenz aus seinem neuen Roman Die letzten schönen Tage klingt gleichermaßen abgründig wie banal und ist dadurch schon beinahe typisch für den Autor Helmut Krausser. Meint PETER MOHR
Verklärende Erinnerung
Eine Frau entdeckt eine Zeitungsanzeige, während sie gerade das Abendessen für ihren 25. Hochzeitstag vorbereitet. Sie lässt alles stehen und liegen und macht sich auf den Weg, denn Die erste Liebe ihres Lebens wartet nach exakt 32 Jahren auf sie. Véronique Olmi erzählt eine Liebegeschichte. ANDREA WANNER ist skeptisch.
Hiob begegnet Ödipus oder Bucky macht sich zum Sündenbock
Philip Roths »Pest« heißt Nemesis. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Mit Hilfe von Kommissar Zufall
Dass Martha Grimes neuer Krimi All die schönen Toten hier noch nicht besprochen wurde, obwohl er schon seit einiger Zeit auf dem Markt ist, war kein Verlust. Dass er nun dennoch besprochen wird, ist der Popularität der Autorin und ihres Protagonisten – Superintendent Richard Jury – zu verdanken. Von JÖRG ESCHENFELDER.
Das Leben, ein Grenzgang
Grenzgang nennt sich das dreitägige Volksfest, das alle sieben Jahre in Bergenstadt gefeiert wird und das kleine Provinzstädtchen in einen Ausnahmezustand befördert. In seinem gleichnamigen Debütroman nimmt Autor Stephan Thome dieses Fest zum Anlass, um die Geschichte zweier Bergenstädter zu erzählen. Eine Geschichte von Einsamkeit, Scheitern und der Suche nach dem Glück. Von CATHERINE WENK
Eine halbe doppelte Portion
Das verblüffende Romantagebuch der Comicfigur Emily the Strange. Es wird immer seltsamer. Aus der Feder des Autorenduos Rob Reger und Jessica Gruber. Von BASTIAN BUCHTALECK
Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution
Als Adriana Altaras mit 44 Vollwaise wird, erbt sie einen altersschwachen Mercedes, eine seit Jahrzehnten nicht mehr aufgeräumte Wohnung und ein laufendes Restitutionsverfahren gegen die kroatische Regierung. Schlimmer noch: die Familienlegende von Titos Brille entpuppt sich als Farce. Von INGEBORG JAISER
Andrea Camilleri: Streng vertraulich
Was passiert, wenn ein schlitzohriger, dunkelhäutiger Gauner auf einen selbstgefälligen Führer und seine dumm-ergebene Gefolgschaft treffen und das wiederum auf die Fabulierkünste eines Andrea Camilleri? Dann entsteht so eine wunderbar zu lesende, erfrischende, entlarvende Groteske wie Camilleris Streng vertraulich. Von JÖRG ESCHENFELDER
Tschick, Trick und Track
Ein geklauter, schrottreifer Lada, zwei halbwüchsige Achtklässler und ein glutheißer Sommer – mit diesen Ingredienzien mixt Wolfgang Herrndorf in Tschick großes Kopfkino zusammen. Von INGEBORG JAISER
Verlust und Rückgewinnung des Vaters
Arno Geiger erzählt von der Demenz: Der alter König in seinem Exil. Von WOLFRAM SCHÜTTE
»Vertraue niemals einem Schriftsteller«
Endlich Aufklärung nach über zehn Jahren? Håkan Nessers neuer Roman Die Wahrheit über Kim Novak und den Mord an Bertil Albertsson. Von DIETMAR JACOBSEN
Dark Carnival
»Stan Carlisle stood well back from the entrance of the canvas enclosure, under the blaze of a naked light bulb, and watched the geek.« So beginnt William Lindsay Greshams Nightmare Alley, vielleicht der düsterste Kult-Klassiker des amerikanischen Noir, zynischer, schonungsloser, schmutziger als Chandler oder Spillane. Jahrzehntelang vergriffen, etabliert die Neuauflage von New York Review Books Nighmare Alley als verkanntes Meisterwerk. Von LIDA BACH
Ein tragisch komisches »Heimatbuch«
Ehemaliger Punkrock-Sänger schickt uns in die Stilhölle der deutschen Provinz. Im neuen Roman von Nagel: Was kostet die Welt. Von TOM ASAM
Am Abgrund des Bösen - Vision des Inferno
Provokatives Denken und bedingungsloses Handeln, Schuld und Lust führen den jugendlichen Ich-Erzähler an die Grenze der Existenz. Giogio Vasta zeichnet in seinem Roman Die Glasfresser eine Chronologie des Fanatismus und der Gewalt. Von HUBERT HOLZMANN
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Beim Namen Franz Kafka denken die meisten an Beklemmendes wie Der Prozess oder Das Schloss, an Unheimliches wie Ein Bericht für eine Akademie oder In der ...
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Die Doppel-CD von Trikont gibt mit der Auswahl an Gedichten, Romanauszügen, Kurzgeschichten, Briefen und einem bilderreichen informativen Booklet einen guten Einblick – für ...
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Ich bin es gewohnt, in regelmäßigen Abständen verständnislos angeschaut zu werden – in der Tat dürfte ich wahrscheinlich deutschlandweit einer der wenigen ...
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Der arabische Raum war in den vergangenen Monaten in den deutschen Medien so präsent wie selten zuvor. Fast unvermeidlich, dass sich die Veränderungen dort nach angemessener Frist auch in ...
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»Rede!« – »Ich werde nichts sagen!« Blitz! Schock! Flackern! Noch höher drehen die russischen Schurken die Stromzufuhr des ...
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