Kafka und Komik?
Beim Namen Franz Kafka denken die meisten an Beklemmendes wie Der Prozess oder Das Schloss, an Unheimliches wie Ein Bericht für eine Akademie oder In der Strafkolonie. Dabei ist es eigentlich kein Geheimnis, dass Gregor Samsa Züge einer Comic-Figur hat. Im Allgemeinen gilt Kafka weiter als »Schmerzensmann«, sind Kafka und Komik nicht kompatibel. Mit diesem falschen Bild räumt das Buch Kafkas komische Seiten von Astrid Dehe und Achim Engstler gründlich und vergnüglich auf.
Von PIEKE BIERMANN
Subtilitäten & Tricks des Realismus
James Woods Kunst des Erzählens ist ein brillanter Essay & eine Leseanleitung.
Von WOLFRAM SCHÜTTE
»Heut, wenn man wär, da hätt man was davon«
In Robert Schindels neuestem Essay- und Redenband Man ist viel zu früh jung ist das zentrale Motiv der Blick zurück – jedoch keineswegs der nostalgisch verharmlosende Blick, sondern der scharf analysierende, entlarvende. Von HUBERT HOLZMANN
Die Kunst der Pointe
»Ernst nehmen« und »ernst meinen« sind unterschiedliche Dinge. Die aktuelle Nummer des Exot. Zeitschrift für komische Literatur ist ein Lehrstück darüber. Von JAN FISCHER
Zeichen der Zeit
Es lässt sich nicht mehr übersehen: bereits in wenigen Wochen wird ein neues Jahr eingeläutet. Ein Blick auf ausgewählte Literaturkalender 2012 lässt uns bereits in Vorfreude schwelgen. Von INGEBORG JAISER
Ein literarischer Sprengmeister
Dieter Kühn reitet in seinen gefälschten Geschichten Den Musil spreng ich in die Luft zwar nicht auf Kanonenkugeln durch die Luft, wird aber von Beethoven und den Musen geküsst. Von HUBERT HOLZMANN
In diesen Nächten weiß niemand, wo er wirklich ist
Unterwegssein ist alles – Tagebuch Berlin-New York – mit einem Wort, das es nur unzureichend zu treffen vermag: beeindruckend! Von STEFAN HEUER
Ironische und aberwitzige Stories über die kleinen Hürden im Alltag
In Small Country versammeln sich gleich vier kurze Erzählungen von Kultautor Nick Hornby. Sie alle handeln von naiven Protagonisten, die in außergewöhnliche, absurde Situationen geraten. Ganz Hornby, werden natürlich auch Themen wie Fußball oder Musik wieder aufgegriffen. VON TANJA LINDAUER
Peter in the sky with diamonds
Am Anfang steht das Wort, respektive der Imperativ: In Peter Sloterdijks Du musst dein Leben ändern tönt der Appell so dringlich, dass man sich ihm nicht mehr entziehen kann. Und das ist auch gar nicht möglich, wie eingehend bewiesen wird, denn längst wollen und müssen wir ihm Folge leisten, wie schon viele Generationen vor uns. VIOLA STOCKER lässt sich von Peter Sloterdijk in die Trainingslager der Menschheit entführen.
Seismograph des Alltäglichen
Seerücken – so heißt eine ländlich geprägte Region südlich des Bodensees. Im gleichnamigen Erzählband von Peter Stamm geht es um Alltagssituationen, die es in sich haben. Von HUBERT HOLZMANN
Durchs wilde Vorgestern
Uwe Tellkamp durchstreift Straßenzüge, durchstöbert verstaubte Dachböden, durchkämmt seine Stadt. Er sucht Erinnerungsorte auf und öffnet vergessene Schatztruhen in seinen Dresdner Erkundungen – einer Zeitreise mit der Schwebebahn.
HUBERT HOLZMANN hat für die 165 Seiten ein Billett gelöst.
Die Meisterin der Mikrogroteske
In Marie T. Martins soeben beim Leipziger poetenladen-Verlag erschienenem Debütband Luftpost zählen die Sätze. Von LEIF NYBELEN
In der Kürze liegt die Wucht
Auf den Punkt kommen – in seiner Kurzgeschichtensammlung Die Kuh ist ein einsames Tier nimmt sich David Albahari diese Losung sehr zu Herzen: Die Prosastücke des Bandes sind auf ein Minimum reduziert. CHRISTIAN NEUBERT entdeckt in den knappen Texten große Weiten und bemerkenswerte Tiefe.
Menschliches, Allzumenschliches ...
15 Erzählungen bedeuten 15 Verstörungen, 15 Enttäuschungen, 15 Überraschungen. – Eine Beschreibung der »Flugkoordinaten« von Helmut Gotschys Storch. Von HUBERT HOLZMANN
Geheimnisse zwischen Poe und Beckett
»Nicht in der Wahrheit, sondern in der Täuschung werden die Untiefen der Existenz berührt«, hatte Hartmut Lange eine Figur in seinem 2007 erschienenen Novellenband Der Therapeut sagen lassen. In den sieben neuen Erzählungen hat der 74-jährige Lange wieder einmal – stilistisch gewohnt souverän und ausgefeilt – diese seelischen Untiefen ausgelotet und ein faszinierendes Verwirrspiel im Grenzbereich menschlichen Handelns und Denkens inszeniert. Von PETER MOHR
Love´s Writer´s Lost
Autobiographisches vermischt mit Philosophischem, ein Ich, das diffundiert und doch ständig präsent ist in einer Natur, die als Spielwiese für einen Schauspieler dient. – Notizen von HUBERT HOLZMANN zu Peter Handkes Erzählung Der Große Fall.
Reden, Leserbriefe, Interviews & Essays
Der Wahrheit auf der Spur – der Titel dieses Sammelbandes ist zugleich dessen Programm. Auf fast 300 Seiten (ohne Anmerkungen) haben Wolfram Bayer, Raimund Fellinger und Martin Huber Reden, Leserbriefe, Interviews und Feuilletons von Thomas Bernhard zusammengetragen und veröffentlicht. Ein lesenswertes Buch, das Fragen aufwirft, Hinweise gibt und Spuren auslegt, aber – Gott sei Dank– keine endgültige Antworten liefert. Von JÖRG ESCHENFELDER
Träumereien in Harry`s Bar
Seit Jahrzehnten lässt sich Hanns-Josef Ortheil von Venedig betören und verführen. Jetzt widmet er der Stadt zwischen Fischmärkten, Frühmessen und Fahrradtouren ein Liebhaberbuch. Von INGEBORG JAISER
Ein dünner Band
Es ist ein dünnes Bändchen, das der Suhrkamp Verlag mit Sind Sie gern böse? da aufgelegt hat. 62 Seiten gefüllt mit Thomas Bernhard und Peter Hamm. Durchgeschaut von JÖRG ESCHENFELDER
Die Leiche im Weinberg, im Fass, in der Badewanne
Der Gemischte Satz - herausgegeben von Sabina Naber - weiß zu überzeugen. Von STEFAN HEUER
Kurz und knapp und schaurig-schön
Kurze Schauermärchen, morbide Kurzgeschichten, märchenhafte Morbiditäten – es ist egal, in welche Schublade man Petruschewskajas Prosa steckt. Solange man sie liest! Findet CHRISTIAN NEUBERT.
Zettels Raum
In guten Novellen wird immer erzählt, getrunken und gegessen. Uwe Timm schlägt in seinem neuesten Werk einen weiten Bogen vom studentischen Freitisch in den 1960er Jahren bis zum melancholischen Zurückerinnern bei einem Cappuccino in der Gegenwart. Arno Schmidt spielt nebenbei auch noch eine gewichtige Rolle. Von INGEBORG JAISER
Eine wunderbare literarische Entdeckung
Jack Kerouacs Mein Bruder, die See erzählt von der Flucht aus der unsicheren Alltagswelt New Yorks ans rettende Deck eines Handelsschiffes. Von HUBERT HOLZMANN
So viel Enzensberger war nie
Ein Rückblick auf über fünf Jahrzehnte Arbeit – Hans Magnus Enzensbergers »Revue« Meine Lieblings-Flops, gefolgt von einem Ideen-Magazin. Durchgeackert von HUBERT HOLZMANN
Die Spülmaschine und das Liebesspiel
Die Tränen meines Vaters – nachgelassene Erzählungen von John Updike. Vorgestellt von PETER MOHR
Niemand hat die Absicht, eine andere Wirklichkeit zu errichten!
Marc Degens und die primäre Sekundarliteratur seiner Popmoderne – Unsere Popmoderne. Von STEFAN HEUER
Der unglücklich verhinderte Aufsteiger
Damián Tabarovsky Medizinische Autobiografie. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Miniaturen aus dem Alltag
Im Quartheft 21 stellt das Berliner Verlagshaus J. Frank die erste Prosasammlung des Autors Björn Kuhligks unter dem Titel bodenpersonal vor – ein Dialog zwischen den Kulturen. Von HUBERT HOLZMANN
Familienaufstellung
Mütter und Söhne verbindet nicht nur einzigartige Blutsverwandtschaft, sondern ein oft komplexes, widersprüchliches, vielschichtiges Beziehungsgeflecht. Der irische Schriftsteller Colm Tóibín legt auf meisterhafte Weise die grimmigen Untiefen und Fallstricke familiärer Verbindungen offen. Von INGEBORG JAISER
Der lange Weg zu »Shoah«
Claude Lanzmanns Erinnerungen Der patagonische Hase: ein literarisches Monument. Von WOLFRAM SCHÜTTE
China - unterwegs
Einen Augenblick später war das Frühstück fertig. Schwesterchen Yao legte Tang eingelegtes Gemüse und Stäbchen hin, schöpfte ihm sein Schälchen voll Suppe und kniete nieder. Schob die Suppe vor ihn hin und streckte ihm ihr Gesicht entgegen. »Schlag zu«, sagte sie. »Dann geht es uns allen besser.« (Aus dem Erzählband von Jingze und Bartz Unterwegs. Literatur-Gegenwart China)
Vorgestellt von SIMAK BÜCHEL
»Ich habe mich an meine Briefe verschwendet.«
Manche Autoren sind und bleiben ein Geheimtipp, auch wenn sie mal einen Bestseller gelandet haben. So einer ist auch Albert Viogoleis Thelen, der 1953 mit Die Insel des zweiten Gesichts fast berühmt wurde. Jetzt ist der erste Band seiner ausgewählten Briefe unter dem Titel Meine Heimat bin ich selber erschienen. Von GEORG PATZER
»Mehr nicht!«
Was erwarten wir uns von einem neuen Bernhard-Buch? Natürlich Bernhard, nichts Anderes, nichts Neues. Und das schenkt uns Suhrkamp in letzter Zeit zu Hauf, den Bernhard. Goethe schtirbt von Thomas Bernhard versammelt vier Erzählungen, die bisher schwer zugänglich waren, da sie in Zeitungen, Programmheften und Katalogen abgedruckt wurden. Von ANDREA SAKOPARNIG
Zeitlose Semiologie
Nach nun fast fünfzig Jahren liegen Roland Barthes Mythen des Alltags erstmals in vollständiger deutscher Übersetzung vor. Die Neuauflage bezeugt die Aktualität seiner semiologischen Gesellschaftsstudien und verdeutlicht noch einmal das irritierende Potential dieser Überlegungen – auch im Blick auf die Konventionalisierungen unseres gegenwärtigen Alltagslebens. Von MARTIN ENDRES
So schnell kann´s gehen, das Vorlesen!
Wenn Andersen und Tolstoi auf Preußler und Arjouni treffen, entsteht ein Vorlesebuch für Groß und Klein: Ratzfatz herausgegeben von Daniel Kampa. Von MARIA-BERNADETTE EHRENHUBER
»Surrealism to me is reality«
Skurrile Non-Sense-Texte, anspielungsreiche Gedichte, groteske Comedy – John Lennons In seiner eigener Schreibe ist eine Sammlung des Andersartigen, Herausstechenden, manchmal durchaus Provozierenden. Auch noch nach fast 50 Jahren. Von HUBERT HOLZMANN
Aus dem Tagebuch eines Schriftstellers
António Lobo Antunes´ Drittes Buch der Chroniken. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Rettet die Bücher!
Ein liebevoller Aufstand gegen die Ausrottung des Buches - Alexander Pechmanns Roman Das Haus des Bücherdiebs. Von CHRISTIANE MIETH
Der Fall Raddatz
Ein Kulturbetriebs-Porno aus lauter Peinlichkeits-„Stellen“. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Brennende Fabulierlust
Die Herausgeberin Michi Strausfeld verspricht für Schiffe aus Feuer, eine Anthologie bestehend aus 36 Kurzgeschichten, nichts Geringeres als einen Querschnitt durch die Post-Post-Boom Generation der lateinamerikanischen Literatur. Was nach Borges, Marquez und Allende kommt. Von DANIEL WÜLLNER
War das denn alles?
Julian Barnes unterhält mit letzten Fragen. Von WOLFRAM SCHÜTTE
ich greife mir barsche aus dem himmel
Eine Exkursion in die Welt des Crauss
"Na bitte!", höre ich mich rufen, als ich das Buch aus der Versandtasche pule. Meine Frau wittert den lange fälligen Lottogewinn, schaut dann aber ins Arbeitszimmer und sagt im neutralstmöglichen Tonfall: "Toll, ein Buch."
Von STEFAN HEUER
Merde bringt Glück!
Nach dem Bestseller Stadt der Diebe erweist sich David Benioff auch als Meister über die kurze Distanz. Ein begnadeter Geschichtenerzähler mit dem Gespür für die Macht des Augenblicks – und den Humor, der aller menschlichen Tragik beiwohnt. Von TOM ASAM
Geträumte Sprache
Oder: Die verborgene Geschichte ist die wahre
Der Traum dient nicht der Realitätsflucht, sondern als Zugang zur verborgenen, archaischen Seite der Wirklichkeit. Und die Literatur als Möglichkeit, diese geträumte Seite auszudrücken und mitzuteilen, als Suche nach den Grenzen des Sagbaren und als Versuch, diese Grenzen zu verschieben. Nicht umsonst nimmt Borges einen zentralen Platz in Piglias literarischem Universum ein. Von SIBYLLE LUITHLEN
Weit herumgekommen
Ein Kirchenheiliger ist der weitgereiste Journalist und Autor wahrlich nicht. Dass sein neuestes Buch diesen Titel trägt, dürfte also ein kleiner Witz sein und sich höchstens über eine vage äußerliche Ähnlichkeit erklären lassen – wobei natürlich unbekannt ist, wie Jesus tatsächlich ausgesehen hat. Von BASTIAN BUCHTALECK
|
Den Lauf der Welt verändern
Um die Gunst der Leserschaft kämpfen viele Comics. Die Chaostheorie, das erste Album der neuen Serie Kaplan & Masson, kann gerade durch seine Solidität ...
Musique Electrique
Sie leben. Die Stimmen vom neonfarbenen See an den blauen Feldern. Von TOM ASAM.
Die Faszination des Grauens
Kaum ein Werk der Weltliteratur hat, sieht man einmal von der Bibel ab, so viele Künstler unterschiedlicher Epochen und Stilrichtungen zur Umsetzung ins Bildmedium angeregt. Die ...
Life and Death of a Hollywood Extra
»Rede!« – »Ich werde nichts sagen!« Blitz! Schock! Flackern! Noch höher drehen die russischen Schurken die Stromzufuhr des ...
|