Doodle Jump Tommy Jaud: Hummeldumm. Nick Cave: Der Tod des Bunny Munro The Knife: Tomorrow, In A Year Chari / Braatz: Undermensch
Dienstag, 09. März 2010 | 23:39

 

Gottverdammtes Allzumenschliches

Was bekommt man, wenn Dimitri Verhulst die Evolutions- und Menschheitsgeschichte nachzeichnet? Eine grandiose Tour de force, deren Tempo den Leser bis zum Schluss in den Sessel gedrückt hält. CHRISTIAN NEUBERT empfiehlt, sich anzuschnallen.

 

Die fetten Jahre sind vorbei

Vordergründig versammelt dieser schmale Band Geschichten vom Essen. Doch hintergründig lauern Mord und Totschlag hinter der Fassade des Alltäglichen. INGEBORG JAISER hat diese Neuerscheinung mit Genuss und Erstaunen verschlungen.

 

Hervorragende Subjektivität gegen nüchterne Faktizität

Georg Brunolds ehrgeiziges Unternehmen zur Ehrenrettung der Reportage kann sich sehen lassen. Aber es ist ehrlich gesagt schon schwer genug, diesen prächtigen Folianten voller Augenzeugerei überhaupt zu übersehen. Von CHRISTIAN NEUBERT

 

75 Jahre unter uns

Eigentlich müsste Piwitt, diesem „unberechenbaren Einzelgänger“ (Peter Rühmkorf), eine Rolle zukommen, wie sie Grass zugeschrieben wird: als jemand, dem man zuhört, dessen Wort etwas gilt. Zu seinem 75. Geburtstag am 28. Januar erscheint nun ein Sammelband mit „Geschichten und Skizzen“, den THOMAS SCHAEFER gelesen hat.

 

Eine Zeitung als Wunscherfüllungsmaschine

Die neueste Ausgabe von Dave Eggers’ Literaturzeitschrift McSweeney’s Quarterly Concern kommt als eineinhalb Kilo schweres Zeitungspaket daher. BRIGITTE HELBLING hat sie gelesen.

 

Welterklärungsflash

Felicia Zeller haben wir hier ja bereits als hellsichtige Prosa-Chronistin des (nicht nur) Neuköllner Alltags kennengelernt. Nun erscheint ein Band mit drei Theaterstücken der Autorin, den TINA MANSKE für uns gelesen hat.

 

Fröhlich vorwärts gehen

Vor einigen Jahren hielt der Autor in seiner beachtenswerten Buchveröffentlichung 87 Tage Blau die Erdumrundung auf einem Containerschiff fest – nun folgt das außergewöhnliche Logbuch eines deutsch-deutschen Grenzgängers. Von INGEBORG JAISER

 

Das Meer in uns

Ein Kontrabassist, der als einziger seines Quartetts den Untergang einer Fähre überlebt. Eltern, die ihren auf See verlorenen Sohn versuchen per Flaschenpost zu erreichen... In Wajsbrots Geschichten ist das Meer nicht nur eine Naturgewalt, es ist eine Allegorie auf das Unbeherrschbare und die Unwägbarkeiten des Lebens selbst. Von SIBYLLE LUITHLEN

 

Ein ,,ausuferndes Aus"

Mit seinen Aufzeichnungen und Überlegungen Vom Aufenthalt setzt Botho Strauss die Reihe seiner „Immediatbücher” fort, die er einst glanzvoll mit Paare, Passanten (1981) begonnen hatte. Die T. S. Eliot -Devise “Alte Männer müssen Kundschafter sein” leitet den 65jährigen Autor dabei. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Briefe vom Rande der Gesellschaft

Die beiden Stars des intellektuellen Frankreich, Bernard-Henri Levy und Michel Houellebecq, wechseln Briefe. Sie schmeicheln einander und beschimpfen sich ... Von SIMONE SCHRÖDER

 

Socken und Jahre

Alles verschwindet, nur das Verschwinden nicht. Und ist es nicht seltsam, wie viel Melancholie das Wort umweht? Sollten wir uns nicht freuen, dass Pest und Pranger verschwunden sind, jedenfalls bei uns? Aber daran denken wir selten. Eher besinnen wir uns unter stummen Seufzern auf das, was ein Stück Leben mit sich nahm. Jenny Erpenbeck breitet es in 31 Miniaturen vor uns aus. Von STEFFEN RIZZ

 

Verfehlungen beim Durchqueren gesellschaftlicher Irrgärten

Der raffinierte Erzähler Henry James (1843/1916) ist einer der Großen der Weltliteratur. Fünf erstmals auf Deutsch zugängliche Erzählungen sind ein willkommener Anlass, sein Können am Vergnügen zu messen, das sie einem bieten. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Osten im Westen

Ingo Schulze ist in den letzten Jahren zu einem Autor geworden, der sich einmischt. Dass in seinem Werk Schreiben, Lesen und aufmerksame Zeitgenossenschaft nicht nur nebeneinander stehen, sondern untrennbar sind, zeigt die nun erschienene Auswahl von Essays, Reden und Skizzen noch deutlicher als seine Romane und Erzählungen. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Gäb es Sondermarken, tät ich sie euch drauf

In ihrer Korrespondenz zeigen sich Hans Magnus Enzensberger und Uwe Johnson spielerisch und sprachbewusst. Der nun erschienene Briefwechsel dokumentiert die Freundschaft zweier Klassiker der Nachkriegsliteratur bevor sie zu solchen wurden. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Eine Brücke ins Neuland

CARL WILHELM MACKE hat die neue Ausgabe von Akzente, der „Zeitschrift für Literatur“ gelesen.

 

Dinger, die vom Himmel fallen

Von dem bulgarischen „Meister des Slapstick“ ist ein Erzählband erschienen. Neben Brot-und-Butter-Satire finden sich darin auch einige Perlen. BRIGITTE HELBLING über Alek Popovs Für Fortgeschrittene.

 

Das große Projekt der Stille

Das Rauschen der Dinge in der Welt zu lesen, zu begreifen, zu entziffern, in täglicher Schwerstarbeit des Filterns und des Neu-Zusammensetzens, darin liegt das wahrhaft funkelnde, ihre Geworfenheit überdauernde Moment der Prosa von Jürgen Becker. In seinem neuen Buch verfeinert er sein Verfahren noch einmal gewaltig. Von MARIUS HULPE

 

Kluges Navi durch ein Riesenreich

China als Gastland der Buchmesse – das scheint vor allem Ärger und Eiertänze zu produzieren. Glücklicherweise aber auch schöne Bücher wie dieses. Die Auszeichnung „Suggestivstes Cover“ trüge es mit Leichtigkeit davon. Aber drin steckt auch eine Menge, findet GISELA TRAHMS

 

Heute: kueperpunk

Blogs und Internet-Auftritte von Autoren, Kritikern, Magazinen und anderen Publikationen gehören heute wie selbstverständlich zur publizistischen Landschaft. Wir stellen Ihnen regelmäßig gelungene Beispiele vor. Diesmal: der Blog des Science-Fiction-Autors Thorsten Küper.

 

Aus Schnipseln eine Welt

Eine Rezension ihres Buches Die blassen Herren mit den Mokkatassen, ein schmaler Band, der es in sich hat: Nicht auf der Schreibmaschine oder dem Rechner getippt, sondern gebastelt mit Schere und Kleber. Von THOMAS COMBRINCK

 

Jammern auf höchstem Niveau

Es ist und bleibt, wie es war und ist: Heute gibt es alles. Aber früher war alles besser. Und wenn dem eh immer so ist, warum sich dann nicht mal gutgelaunt über den Verfall der Kultur in all ihren Facetten auskotzen? CHRISTIAN NEUBERT pflichtet dem bei.

 

Im Irrgarten des Krieges

Miljenko Jergovi? erzählt in seinen Kurzgeschichten vom Krieg in und um Sarajevo, von den Wirren eines Bürgerkriegs, bei dem niemand so genau zu wissen scheint, welche Seite was gegen wen auszurichten versucht, und von den Menschen, die in diesem blutigen und manchmal grotesken Chaos einen Alltag pflegen. Von SIMONE SCHRÖDER

 

Perverse Sekten machen sich breit

Ein Debüt hält sein Versprechen: Dieser Mann weiß, was er tut. BRIGITTE HELBLING über den souveränen Erzähler Neil Smith.

 

Blühende Landschaften

Monika Maron findet nach knapp dreißig Jahren wieder den Weg nach Bitterfeld. Statt eines Himmels voller Flugasche entdeckt und lobt sie dort nun die blühenden Landschaften. JÖRG VON BILAVSKY  hat die Reportage gelesen.

 

Bekenntnisse einer leidenschaftlichen Seele

Es kommt nicht häufig bei uns vor, dass Germanisten so zu schreiben verstehen, dass ihre Arbeiten den akademischen Raum & den Rahmen ihres Faches sprengen und Aufmerksamkeit, Interesse und Neugier in einer größeren Öffentlichkeit der literarischen Intelligenz erwecken und weithin Resonanz finden. WOLFRAM SCHÜTTE über den Ausnahme-Germanisten Walter Muschg.

 

Grenzüberschreitungen

Noémi Kiss ist eine eigenwillige, junge Stimme in der lange von Männern dominierten ungarischen Literatur. CAROLA EBELING über ihren kürzlich auf Deutsch erschienenen Erzählband.

 

Omnia vincit amor

Die Kunst des Bücherliebens hat Umberto Ecos deutscher Verlag eine dreiteilige Sammlung von Aufsätzen, Reden, Vorworten genannt, in denen sich der homme de lettres über Bibliophilie, historische Unikate oder Seltenheiten und über literarische und wissenschaftliche Bücher-Narren kennerhaft und passioniert äußert. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Promis antworten

Jedem, der sich schon mal über langweilige Interviews geärgert hat, sei dieses Buch hier empfohlen. Von TINA MANSKE

 

Communication Breakdown

Fast alle der 21 Storys kreisen um zerbrechende oder bereits zerstörte Familienstrukturen und um die Aufgabe jeglicher Kommunikation. Wenn geredet wird, dann zumeist aneinander vorbei. Von FRANK SCHORNECK

 

"Ob ich morgen wohl weiterschreibe? Ich bin wahnsinnig, wenn ich es tue!"

Diese manischen Aufzeichnungen sind auch Betrachtungen aus einem inneren Exil, in dem das, was nicht gesagt oder geschrieben werden darf, herausbricht wie ein Beben. MATTHIAS PENZEL über Hans Falladas intensives Gefängnistagebuch In meinem fremden Land

 

Die Fußspur des Kamels

Der Amerikaner Eliot Weinberger scheint alles zu wissen und schreibt über das Wesentliche. In seinen brillanten Essays gibt er dem Ideal vom Universalgelehrten ein neues, zeitgemäßes Gesicht. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Vor der zweiten Geburt

Trotz eines umfangreichen, in zahlreichen Ländern erschienenen Werkes ist Raymond Federman auch im Alter von über 80 Jahren immer noch ein Geheimtipp. Der Avantgardist versucht in Pssst! eine autobiografische Annährung an das Trauma seiner Kindheit, voller Sprünge, Volten und Brechungen – ganz im Stil der von ihm entwickelten „Surfiction“. Von FRANK SCHORNECK

 

Belgrader Zen

Die Serbin Barbi Markovi? ist Germanistin und Thomas-Bernhard-Fan. Sie hat sich den Bernhard-Klassiker Gehen vorgenommen und daraus einen literarischen Remix gemacht. Von TINA MANSKE

 

Übung im Metadiskurs

Eine lange vor den Wohlgesinnten geschriebener, aber erst nach dem Welterfolg veröffentlichter Erzählband zeigt Jonathan Littell auf dem selbst gewählten Weg zum Großschriftsteller. Von SEBASTIAN KARNATZ

 

Nach überall fahren

Der amerikanische Schriftsteller William T. Vollmann hat nahezu die ganze Welt bereist. In Hobo Blues geht er auf die Suche nach einem amerikanischen Mythos, nach dem Sehnsuchtsort Cold Mountain und nach sich selbst. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Weit geöffnete Fenster und Türen

„Schreiben, damit es vor sich hin summt.“ CARL WILHELM MACKE über Philippe Jaccottets Augenblicksskizzen Notizen aus der Tiefe.

 

Auf retrospektiver Rundreise

Sechs Jahre nach Meine freie deutsche Jugend hat Claudia Rusch im Jubiläumsjahr 2009 nachgelegt. Aufbau Ost ist beides: Erinnerung und Bestandsaufnahme. Vierzehn Kapitel und ein kurzes Nachspiel braucht die Autorin, um festzustellen: Das Thema DDR ist lediglich noch anekdotentauglich. Und es wäre schade gewesen, hätten sich Ost- und Westdeutsche nie kennengelernt, so schwierig der Umgang miteinander auch gelegentlich sein mag. Von DIETMAR JACOBSEN

 

Große Geschichte, kleine Geschichten

In dem jetzt wieder aufgelegten schmalen Band Der Geruch von Heu sind einige verstreute Arbeiten von Bassani versammelt, in denen man sofort seinen melancholischen, aber nicht nostalgischen, in der Personenbeschreibung immer leicht unscharfen, manchmal auch geheimnisvollen Ton spürt. Von CARL WILHELM MACKE

 

Nicht wegen keine Lust

Zeller demontiert den Alltag und verleiht ihm scheinbar im Vorübergehen eine neue Poesie – nicht durch Kitsch, sondern durch genaues Beobachten gepaart mit vehementer Fantasie und Sprachwitz. Von TINA MANSKE

 

Erdachte Spuren

Ein weiterer Literaturpreis für Alice Munro war überfällig. Jetzt ist die "Meisterin der kleinen Form" mit dem internationalen mit 60.000 Pfund dotierten Man-Booker-Preis ausgezeichnet worden. GISELA TRAHMS über Munros jüngste Kurzgeschichtensammlung.

 

Schreckliches Verlangen

Neu war und immer noch unvergleichlich an Brennans Texten ist die Nüchternheit, mit der sie ihren Figuren zuschaut - Und deshalb die einfache, klare Sprache, die ohne Stereotypen, Wertungen oder Empathie erzwingende Tricks auskommt. THOMAS SCHAEFER über ein Stück Weltliteratur.

 

"Amarcord" literarisch

Beiläufigkeit und Verwilderung eines absonderlichen Erzählens zeichnet diese „Episoden aus dem Alltag der Italiener“ aus. WOLFRAM SCHÜTTE über Gianni Celatis sprunghafte Erinnerungen.

 

Neubauten im alten Europa

Wenn Blixa Bargeld über eine Europatournee schreibt, kommt Musik nicht vor. Wohl aber Hotelzimmer, Museen und hochklassige Restaurants. Durch das Tagebuch des Altrockers und Neugourmets, des Expunks und Neodandy ist TOM THELEN flaniert.

 

Anmutige Zauberei

Einen Frosch heiraten, einen Geist herbeirufen, sich selbst verschwinden lassen – Millhausers elegant erzählte Fantasien werden Leser mit Sinn für Grenzerweiterungen bestens unterhalten. Von GISELA TRAHMS

 

Blutarmer Hals, mit Seidenschal

David Sedaris blättert auf solide Weise seinen gewohnten erzählerischen Kosmos auf. Das ist zu wenig, findet STEFAN HEUER.

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